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       # taz.de -- Erdoğan und die Mohammed-Karikaturen: Steilvorlage für Populisten
       
       > Frankreichs Präsident Macron bauscht den islamistischen Mord an einem
       > Lehrer zu einer Grundsatzfrage auf. Das kommt Erdoğan gerade recht.
       
   IMG Bild: Protest in Istanbul: In der Türkei und sammeln sich wütende Demonstrant*innen
       
       Es erscheint wie ein Déjà-vu, das an frühere Auseinandersetzungen um
       Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed erinnert: In der Türkei und
       anderen islamischen Ländern sammeln sich wütende Demonstranten, während
       in Europa auf Meinungsfreiheit gepocht wird. Dabei ist der Auslöser des
       aktuellen Konflikts ein ganz besonders trauriger.
       
       [1][Ein französischer Lehrer wurde ermordet], weil er im Unterricht über
       die Mohammed-Karikaturen diskutieren ließ. Es spricht viel dafür, dass der
       Mörder Kontakte zu Dschihadisten in Syrien hatte und der Mord keine Tat im
       Affekt war. Umso mehr hätte dieser Terrorakt deshalb ein Fall für eine
       professionelle Polizeiarbeit sein müssen und nicht ein Aufhänger für einen
       scheinbaren Kulturkonflikt.
       
       Man darf annehmen, dass Macron weiß, dass die ganz überwältigende Mehrheit
       der Muslime in Frankreich den Mord genauso verurteilt wie es alle anderen
       Franzosen auch tun. Trotzdem hat der französische Präsident nicht gezögert,
       daraus einen Staatsakt zu machen, der den Populisten in der islamischen
       Welt nun wiederum die Möglichkeit bot, sich ihrerseits als Verteidiger des
       angeblich angegriffenen Islam zu gerieren.
       
       Der türkische Präsident Erdoğan hat diese Steilvorlage dankbar genutzt.
       Angesichts der dramatischen [2][Wirtschaftskrise in der Türkei], die zu
       einem beispiellosen Wertverlust der türkischen Lira geführt hat, kam
       Erdoğan die Karikaturenaffäre gerade recht. Und es ist geradezu ein
       Gottesgeschenk für ihn, dass das französische Satiremagazin Charlie Hebdo
       jetzt mit einer grenzwertigen Karikatur Erdoğans nachgelegt hat. Nun kann
       er sich auch noch als Opfer darstellen.
       
       Islamistischer Terror ist eine Bedrohung für Muslime wie Nichtmuslime. Um
       den Kampf gegen diesen Terror erfolgreich zu führen, darf man nicht
       zulassen, dass die Mehrheit der Muslime zu Geiseln von Terroristen werden,
       indem man ihnen eine geistige Mittäterschaft unterstellt. Sonst spielt man
       Leuten wie Erdoğan in die Hände, die nicht zögern, aus durchsichtigen
       Motiven einen Scheinkulturkampf anzuheizen.
       
       28 Oct 2020
       
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