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       # taz.de -- Der Spitzenkandidat der Berliner CDU: Frühstück mit einem Optimisten
       
       > Das Selbstbewusstsein des Berliner CDU-Spitzenkandidaten Kai Wegner
       > entspricht nicht unbedingt den Umfragen knapp ein Jahr vor der
       > Berlin-Wahl.
       
   IMG Bild: Der Spitzenkandidat der CDU bei der Berlinwahl im Herbst 2021: Kai Wegner
       
       Soviel Chuzpe muss man erstmal haben, vor allem am frühen Morgen. Kai
       Wegner ist an diesem Mittwoch zur Frühstückszeit Gast bei der Industrie-
       und Handelskammer (IHK) und ihrem eloquenten Hauptgeschäftsführer Jan Eder.
       Und da fordert der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl allen
       anderslautenden Wahlumfragen zum Trotz: „Die Grünen müssen sich verändern.“
       Sie müssten den Kreuzberger Einfluss bei sich verringern, dann hielte
       Wegner gnädigerweise ein Bündnis nach der Wahl im Herbst 2021 für denkbar:
       „Eine Koalition mit Florian Schmidt und Dirk Behrendt (in Kreuzberg
       beheimatete prominente Gesichter im Landesverbands, d.taz) kann ich mir nur
       schwer vorstellen.“
       
       Normalerweise würden bei diesen Worten 200 bis 300 Zuhörer vor Wegner und
       Eder sitzen, in einem großen Saal im IHK-Sitz in der Charlottenburger
       Fasanenstraße, meist Männer, vor sich eine Tasse Kaffee und ein Brötchen
       oder Hörnchen. „Wirtschaftspolitisches Frühstück“ heißt die Gesprächsreihe,
       in der seit vielen Jahren alle führenden Köpfe der Stadt vorbei schauen –
       SPD-Hoffnungsträgerin Franziska Giffey etwa löste hier im Frühjahr 2019
       einen Applaussturm aus. In Coronazeiten sitzen bloß Wegner und Eder
       zusammen, die sonstigen Mit-Frühstücker sind nur digital dabei.
       
       Nun hat die CDU zwar unter Wegner in seinen bisher eineinhalb Jahren als
       Landesvorsitzender leicht zugelegt und liegt in Umfragen über 20 Prozent.
       Aber die Grünen kommen zum einen teils auf 26 Prozent und haben
       andererseits bisher nicht erkennen lassen, dass sie an einer Koalition mit
       Wegner und seiner CDU interessiert sind. Auch die als Reala eingeordnete
       designierte Spitzenkandidatin Bettina Jarasch sah jüngst in einem Interview
       keine Annäherung. Zudem kommen die drei Parteien der bisherigen
       rot-rot-grünen Koalition zusammen weiter auf auf eine deutliche Mehrheit.
       
       Vielleicht liegt das mit der Chuzpe daran, dass Wegner sich selbst als
       Optimist sieht – „bei mir ist das Glas immer halb voll, nie halb leer.“
       Wenn man ihm an diesem Morgen so zuhört, dann klingt da vieles vom Ansatz
       her so wie eine Mischung aus Joe Biden und dem designierten SPD-Führungsduo
       Franziska Giffey und Raed Saleh: pragmatisch an die Dinge herangehen,
       unideolisch Politik für alle machen, die Mittelschicht nicht vergessen, die
       sich keine Luxuswohnung leisten kann, aber auch keinen Anspruch auf einen
       Wohnberechtigungsschein hat.
       
       ## „Gucken wir mal..„
       
       Wenn Wegner zudem sagt, er wolle eine Verkehrspolitik für alle – inklusive
       Radfahrer – und sich gegen eine autofreie Stadt wendet, weil manche eben
       aufs Auto angewiesen seien, dann hört sich das fast genauso an, wie es bei
       Giffey und Saleh in einem Tagesspiegel-Interview Mitte Oktober zu lesen
       war, das manchen SPD-Linken verärgert hat.
       
       Aufhorchen lässt Wegner an diesem Morgen noch ein zweites Mal. Da kommt
       IHK-Chef Eder nämlich auf die drei Bewerber für den CDU-Bundesvorsitz zu
       sprechen und Wegner fügt ungefragt einen vierten dazu: Er lobt
       Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Als Eder darauf verweist, dass der
       doch schon im Bewerbergespann mit Armin Laschet zweiter Mann ist, sagt
       Wegner: „Gucken wir mal, jetzt heißt es Bewerbergespann...“ Weiß Wegner
       mehr? Gucken wir mal...
       
       11 Nov 2020
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Alberti
       
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