URI:
       # taz.de -- Hotels für Unbehauste: Viele Gewinner
       
       > Die Hotelbranche ist in Not, Menschen ohne Wohnung sind es auch – beiden
       > zu helfen, könnte sich für den Staat lohnen.
       
   IMG Bild: In großer Not: Plakat des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband am Fenster einer leeren Kneipe
       
       Mit dem Lohn im Jenseits ist es so eine Sache. Näher als jedes gute Karma
       ist [1][mäßig spirituell gesinnten Hamburger Kaufleuten] immer noch ihr
       Jahresabschluss. Wenn es also nicht schwer einzupreisende Mildtätigkeit ist
       – oder wolkiges Mitgefühl –, dann zieht an Alter und Elbe ein anderes
       Argument: [2][Obdachlose in Hotels unterzubringen], das könnte helfen,
       diese Branche vor der Pleite zu bewahren. Und das ist keine Lappalie in
       einer Stadt, die ihr wirtschaftliches Heil zunehmend im Fremdenverkehr
       sucht.
       
       Dass auf die örtliche Hotellerie gegen Ende des Jahres eine Pleitewelle
       zurolle, diese Befürchtung äußerte [3][im Sommer schon] Franz Klein,
       Hamburger Landeschef des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Und am
       Montag dieser Woche erst veröffentlichte der Verband [4][eine bundesweite
       Umfrage], wonach Restaurants und Hotels „in Folge der Corona-Krise nie
       dagewesene Umsatzeinbrüche“ verzeichnen: 71,3 Prozent der Betriebe sehen
       sich in ihrer Existenz gefährdet, jedem sechsten droht im November die
       Insolvenz.
       
       Logische Folgerung aus Sicht eines Branchenverbandes: Wo der Staat den
       Umsatz verunmöglicht, muss er halt einspringen. Bloß: Wenn die
       Steuerzahler*innen schon für leere Hotelzimmer aufkommen sollen – warum
       diese dann nicht Menschen überlassen, die sie benötigen? Menschen, für die
       der Unterschied zwischen Massenunterkunft oder Einzelzimmer keine bloße
       Frage des Komfort ist – sondern eine des Überlebens?
       
       Am Ende dürfte es sich auch für den Staat lohnen, diese zwei Fliegen unter
       die eine sprichwörtliche Klappe zu bekommen. Denn [5][Erfahrungen aus
       Hannover] legen nahe: Besser untergebrachte Menschen gelangen leichter in
       die Hilfssysteme, entwickeln erfolgreicher Perspektiven – und wenn es gut
       geht, brauchen sie später seltener staatliche Unterstützung.
       
       13 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Deutsche-Wirtschaftsdelegation-auf-Kuba/!5256436
   DIR [2] /Hotelzimmer-fuer-Obdachlose-gefordert/!5722360
   DIR [3] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Corona-bringt-Hamburgs-Hotels-in-Bedraengnis,hotels140.html
   DIR [4] https://www.dehoga-corona.de/aktuelle-dehoga-meldungen-zum-thema-corona-virus/corona-news/detail/news/dehoga-umfrage-die-existenzangst-im-gastgewerbe-waechst-novemberhilfen-muessen-jetzt-kommen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=24e027cdd1595255bcf91bd04ca561d3
   DIR [5] /Ein-Dach-ueberm-Kopf-fuer-Obdachlose/!5719858
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Alexander Diehl
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR Tourismus
   DIR Hotel
   DIR Pleite
   DIR Hamburg
   DIR Hannover
   DIR Wohnen
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Schwerpunkt Obdachlosigkeit in Berlin
   DIR Sozialbehörde Hamburg
   DIR Obdachlosigkeit in Hamburg
   DIR Housing First
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Hotel ohne Fenster in Hannover: Nur dreimal schlafen
       
       Ein Hotel ohne Fenster wollte die Stadt Hannover nur unter Auflagen
       genehmigen. Zu Recht, befand jetzt das Verwaltungsgericht.
       
   DIR Krise der Gastronomie in der Provinz: Hoffen, hoffen, hoffen
       
       Die Gaststätte „Sonne“ ist dicht. Das Ehepaar Reichert hält sich mit
       Essenslieferungen über Wasser. Zu Besuch bei einer am Boden liegenden
       Branche.
       
   DIR Kältehilfe in Coronazeiten: Auch tagsüber ist es kalt
       
       Ein Impfstoff ist in Sicht und Berlin hat auf die Schnelle alles top
       generalstabsmäßig vorbereitet. Doch bei der Kältehilfe sieht das ganz
       anders aus.
       
   DIR Obdachlose in der Corona-Krise: Ein Schutzraum für jeden
       
       Damit Menschen jetzt nicht auf der Straße schlafen, sammeln Hamburger Geld
       für Hotels. In Hannover gibt es Spenden schon, aber die Stadt ziert sich.
       
   DIR Hotelzimmer für Obdachlose gefordert: Ungewöhnliche Allianz
       
       In Hamburg wollen Linke und CDU eine Einzelunterbringung für Obdachlose.
       Das Winternotprogramm müsse ausgeweitet werden.
       
   DIR Obdachlose in Hannover: Zurück in die Massenunterkunft
       
       Experiment beendet: Zum Winter müssen Obdachlose in Hannover wieder
       überfüllte Schlafsäle in Kauf nehmen. Viele verzichten darauf.