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       # taz.de -- Kampf um den CDU-Vorsitz: Eine Pause, nicht das Ende
       
       > Der Streit um den CDU-Vorsitz soll jetzt Mitte Januar entschieden werden.
       > Für die Kandidaten ist es ein kurzes Innehalten, der Machtkampf aber
       > bleibt.
       
   IMG Bild: Notorischer Zündler: Friedrich Merz, hier bei einer CDU-Veranstaltung am 22.10. im Hamburg
       
       Friedrich Merz hatte ausgeteilt, als gäbe es kein Morgen. Das
       Parteiestablishment, gemeint sind die Merkeltreuen in der CDU, greife zu
       allen Mitteln, um ihn, Verkörperung des wahren Willens der Basis, zu
       verhindern. Da kündigte sich [1][ein Nachfolgekrieg an, bei dem keine
       Gefangenen gemacht werden] würden. Mit Merz ist der schneidende Ton des
       Dezisionismus in die gemütliche Konsenspartei CDU eingezogen. Dass er sich
       mitten in der Pandemie allerdings zum Nabel der Welt erklärte, das
       ungeschickt zu nennen wäre noch krass untertrieben. Dabei hatte Merz im
       Kern durchaus recht. Verfahrensfragen sind keine neutralen Sachverhalte.
       Und die Machtfrage und den Parteitag in eine vages Irgendwann zu
       verschieben, ist angesichts der 2021 anstehenden Wahlen nicht gescheit.
       
       [2][Nun gibt es eine Einigung]. Die kurzzeitig erhitzten Gemüter scheinen
       wieder auf Normaltemperatur zu sein. Der proklamierte Aufstand der Basis
       gegen das Establishment, eine für die CDU untypische Anordnung, ist
       abgesagt.
       
       Die Einigung ist bedeutsam. Man kann in den USA beobachten, wie verheerend
       es ist, wenn die Verfahren, die Auseinandersetzungen organisieren und
       einhegen sollen, selbst zum Gegenstand eines Streits werden. Das führt zu
       Ausweitungen der Kampfzone, bei denen die Demokratie selbst unter die Räder
       kommen kann.
       
       [3][Merz hat, schaut man auf die Fakten, keineswegs verloren]. Der
       einstimmige Beschluss des Bundesvorstands ist nach ein paar Tagen
       pulverisiert. Für diesen Erfolg zahlt er aber einen hohen Preis. Er wirkte
       wie ein trotziger Junge, dem jemand sein Spielzeug weggenommen hat.
       
       Eine Illusion ist es, zu glauben, was alle Beteiligten jetzt in die Welt
       senden: Nun sei wieder alles gut. Doch auch das von Merz, Armin Laschet und
       Norbert Röttgen anvisierte Verfahren – digitale Abstimmung mit Briefwahl am
       Ende – ist nicht rechtssicher und kann wieder für Streit sorgen.
       Realistischer ist: Die drei haben sich auf eine Pause verständigt, vorbei
       ist der Machtkampf nicht. In den letzten Tagen konnte man sehen, wie
       dreckig dieser Kampf werden kann. Das löst sich nicht einfach in Luft auf.
       
       1 Nov 2020
       
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