# taz.de -- Atommüllschiff kurz vor Nordenham: Castoren mit Verspätung
> Die Ankunft des hochradioaktiven Atommülls im niedersächsischen Nordenham
> verzögert sich. Atomkraftgegner zeigen trotzdem Protest.
IMG Bild: Warten auf die Castor-Behälter: Atomkraftgegner protestieren am Hafen von Nordenham
Göttingen taz | Ein Defekt auf hoher See – Corona-Ausbruch bei der
Mannschaft oder doch bloß Polizeitaktik? Rätselraten herrschte am Sonntag
beim Aktionsbündnis „Castor stoppen“. Das [1][bereits für Samstagfrüh
erwartete Schiff mit sechs Castorbehältern] an Bord hatte bis zum
Sonntagnachmittag noch nicht den Hafen der niedersächsischen Kleinstadt
Nordenham erreicht. Hier sollen die Castoren, die in der britischen
Wiederaufbereitungsanlage Sellafield mit hochradioaktivem Schrott aus
Deutschland befüllt wurden, auf einen Zug umgeladen und [2][ins
Zwischenlager Biblis] gebracht werden. Die Castoren enthalten in Glas
eingeschmolzene Rückstände aus der Wiederaufbereitung.
Am Dienstagabend war der Nuklearfrachter „Pacific Grebe“ im englischen
Hafen Barrow-in-Furness gestartet. Weil er sein Positionserkennungssystem
AIS abgeschaltet hat, lässt sich die Fahrt von außen nicht nachverfolgen.
Bei 14 Knoten Geschwindigkeit, die der Betreiber nennt, hätten sich drei
Tage und acht Stunden Fahrzeit für den Schiffstransport ergeben. „Die
errechnete Ankunft wäre damit am Samstagmorgen gegen 5 Uhr gewesen“, so das
Aktionsbündnis. Ein Zug mit fünf Diesellokomotiven, die Spezialwaggons und
ein Verladekran befinden sich bereits seit mehreren Tagen in Nordenham.
Ungeachtet der Verzögerungen starteten [3][Atomkraftgegner] ihre
Protestaktionen. Mit einer Kletteraktion demonstrierte Robin Wood am
Sonntagmorgen am Bremer Hauptbahnhof. Fünf Aktivisten kletterten auf das
mehr als 30 Meter hohe Bahnhofsdach und hängten dort ein Transparent mit
der Aufschrift „Kein Plan, nur Risiko! Castor stoppen“ auf.
Bereits am frühen Sonntagmorgen hatte das Aktionsbündns „Castor stoppen“
auch in Nordenham seine Protestaktionen fortgesetzt. Wie schon am Vortag
versammelten sich Demonstranten zu einer Mahnwache am Hafen. Auch in
Münster, Oldenburg und Bremen gibt es Mahnwachen. Bundesumweltministerin
Svenja Schulze (SPD) rechtfertigte indes den Transport mitten in der
Coronapandemie: „Wir haben Verantwortung für den Müll, den wir nicht im
Ausland liegen lassen können“, sagte sie der Funke Mediengruppe.
1 Nov 2020
## LINKS
DIR [1] /Atommuellschiff-auf-Kurs-nach-Nordenham/!5724936/
DIR [2] /Castor-mit-Kurs-auf-Niedersachsen/!5721003/
DIR [3] /Aktivistin-ueber-Gorleben-Entscheidung/!5717825&s=kerstin+rudek/
## AUTOREN
DIR Reimar Paul
## TAGS
DIR Castor-Transport
DIR Schwerpunkt Atomkraft
DIR Sellafield
DIR AKW Biblis
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Castor
DIR AKW Biblis
DIR Anti-Atom-Bewegung
DIR Atommüll
DIR Atommüllentsorgung
DIR Schwerpunkt Atomkraft
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Lieferung aus Großbritannien: Spezialschiff mit Atommüll-Behältern angekommen
Altlasten aus deutschen Atomkraftwerken im britischen Sellafield: In
Niedersachsen ist hochradioaktiver Abfall angelandet, der jetzt nach Bayern
soll.
DIR Castoren in Biblis angekommen: Unter Protesten am Ziel
Der hochradioaktive Abfall wird jetzt in dem abgeschalteten Atomkraftwerk
Biblis zwischengelagert. Tausende Polizisten schützten den Transport.
DIR Protest gegen Castortransport: Castoren am Haken
Das Schiff mit Atommüll erreicht Nordenham in Niedersachsen. Im Anschluss
soll es per Zug weitergehen. Mit einem Großaufgebot der Polizei.
DIR Atommüllschiff auf Kurs nach Nordenham: Warten auf die Castoren
Die „Pacific Grebe“ mit sechs Atommüllbehältern war am Samstagvormittag
noch auf hoher See. An Land starten Umweltschützer mit ersten
Protestaktionen.
DIR Castor mit Kurs auf Niedersachsen: Atommüll zurück aus England
Der Transport von hochradioaktiven Atommüll von Sellafield nach Biblis
findet trotz Coronapandemie statt.
DIR Endlagerung von Atommüll: 194.157 mögliche Quadratkilometer
Über die Hälfte Deutschlands eignet sich geologisch als Standort für ein
Atommüll-Endlager. Die Auswahl soll transparent verhandelt werden.