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       # taz.de -- Mord an Lehrer in Frankreich: Neun Personen in Gewahrsam
       
       > Ein Mann wird auf offener Straße ermordet, die Polizei nimmt
       > Familienangehörige des mutmaßlichen Täters fest. Macron spricht von
       > islamistischem Terror.
       
   IMG Bild: Präsident Macron spricht in der Nähe des Tatorts nach einer brutalen Messerattacke
       
       Paris taz/dpa | Nach der mörderischen Attacke auf einen Lehrer bei Paris
       sind fünf weitere Menschen festgenommen worden. Das bestätigte die
       Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Sie
       nannte keine weiteren Details. Der mutmaßliche Täter war kurz nach der Tat
       von der Polizei getötet worden.
       
       Berichten zufolge soll es sich bei den Festgenommenen um Mitglieder der
       Familie des mutmaßlichen Täters sowie andere Personen handeln. Damit sind
       derzeit neun Menschen in Polizeigewahrsam, darunter ein Minderjähriger.
       
       Im Verlauf des Freitagabends war bekannt geworden, dass es sich bei dem
       mutmaßlichen Mörder um einen 2002 in Moskau geborenen Tschetschenen handle,
       der der Polizei nicht wegen einer islamistischen Radikalisierung, sondern
       kleinerer Delikte bekannt war.
       
       Die Kriminalpolizei in Eragny-sur-Oise im Nordwesten der französischen
       Hauptstadt hatte am Freitag gegen 17 Uhr auf der Straße einen Mann mit
       einem blutigen Küchenmesser entdeckt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd
       stellte sie ihn. Auf die Aufforderung der Polizei hin, seine Waffe auf den
       Boden zu legen, habe der Mann aggressiv reagiert und die Beamten mit einer
       Pistole bedroht. Diese hätten ihn daraufhin niedergeschossen. Kurz darauf
       wurde er für tot erklärt.
       
       Nicht weit entfernt davon, vor der Mittelschule von
       Conflans-Sainte-Honorine, machten die Polizisten einen grausamen Fund: Am
       Boden die Leiche eines enthaupteten Mannes. Das Opfer der Bluttat, der
       47-jährige Samuel P., war Geschichtslehrer in der Schule neben dem Tatort.
       Er soll kürzlich in seinem Unterricht eine Debatte zum Thema Presse- und
       Meinungsfreiheit organisiert und darin die umstrittenen
       Mohammed-Karikaturen aus der Satirezeitung Charlie Hebdo gezeigt haben.
       [1][Im Januar 2015] hatten die Brüder Kouachi diese Zeichungen zum Anlass
       genommen, die Redaktion von Charlie Hebdo zu attackieren und dort elf
       Menschen und auf der Flucht noch einen Polizisten zu töten.
       
       ## Messerangriff auf ehemalige Hebdo-Redaktion im September
       
       Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Abend zum Tatort aufgemacht, in
       einer kurzen Erklärung aber keine Details zur Tat genannt. Es wurde
       erwartet, dass sich die Ermittler im Laufe des Samstags äußern. Die
       Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft hatten die Ermittlungen
       übernommen – Macron sprach von einem islamistischen Terrorakt.
       
       Laut Schulleitung habe der Geschichtslehrer den Muslimen in seiner Klasse
       angeboten, dass sie den Raum verlassen könnten, wenn sie von den
       Karikaturen schockiert seien. In den Tagen darauf hätten sich Eltern über
       den Unterrichtsinhalt beschwert und die Versetzung des Mannes gefordert.
       Der Vorfall wurde zum Gesprächsthema in der Stadt. Wegen Drohungen soll der
       Lehrer Anzeige erstattet haben. Nach einer Aussprache innerhalb der Schule
       schien sich die Lage zuletzt beruhigt zu haben.
       
       Der 18-jährige mutmaßliche Täter soll laut französischem Fernsehen ein
       Bild, das ihn mit dem Kopf seines Opfers zeigt, auf Twitter gepostet haben.
       Bevor er von der Polizei niedergeschossen wurde, habe er „Allahu akbar“
       („Gott ist groß“) gerufen.
       
       Ein weiteres Mal stehen die Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung Charlie
       Hebdo im Mittelpunkt des Schreckens. Erst vor wenigen Wochen, am Tag des
       Prozessauftaktes gegen die Komplizen der Terroristen von 2015, hatte ein
       junger Pakistaners vor dem ehemaligen Büro der Zeitung zwei Angestellte
       einer Produktionsfirma [2][mit einem Fleischerbeil schwer verletzt]. Er
       soll nicht gewusst haben, dass die Charlie Hebdo-Redaktion längst umgezogen
       war. Der Mann wurde noch am selben Tag festgenommen.
       
       Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer drückte noch am Abend seine
       Solidarität mit den Lehrern und Lehrerinnen Frankreichs aus: „Die Republik
       ist mit dieser niederträchtigen Ermordung eines Staatsdieners, eines
       Lehrers, attackiert worden. Unsere unerschütterliche Einheit ist die
       einzige Antwort auf den monströsen islamistischen Terror.“
       
       17 Oct 2020
       
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