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       # taz.de -- Friedrich Merz und der CDU-Parteitag: Trump light
       
       > Friedrich Merz gibt den US-Präsidenten: Den verschobenen Parteitag wertet
       > er als Intrige, die verhindern soll, dass er Parteivorsitzender wird.
       
   IMG Bild: Friedrich Merz beim „Pitch“ der Jungen Union am 17. Oktober
       
       Die [1][CDU wird ihren Parteitag wohl frühestens im März 2021 abhalten].
       Das Risiko eines Treffens mit 1.000 Delegierten ist derzeit zu groß,
       wahrscheinlich würde das Gesundheitsamt den Parteitag ohnehin abblasen.
       Auch die Idee, dezentrale kleinere Treffen zu organisieren, Reden online zu
       übertragen und so schnell eine neue Spitze zu wählen, hat Tücken. Man weiß
       nicht, ob diese Treffen bei explodierenden Infektionszahlen möglich sein
       werden. Zudem muss dann per Brief in einem langwierigen Verfahren der
       gesamte Parteivorstand gewählt werden. Das wird Monate dauern.
       
       Ist die Absage übervorsichtig? Bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC
       waren doch auch 1.000 Leute, twittert forsch Friedrich Merz, der eine
       Intrige gegen sich am Werk sieht. Der Parteiapparat wolle ihn als CDU-Chef
       verhindern. Merz ist kein Autokrat wie Donald Trump, auch kein Verächter
       der Demokratie. Aber wie der US-Präsident bezieht Merz sehr schnell sehr
       viel auf sich: Ich und Corona. Ich und der Parteiapparat. [2][Es gibt
       überhaupt sehr viel Ich bei Friedrich Merz].
       
       Wenn ein CDU-Parteitag das Virus verbreiten würde, wäre die Glaubwürdigkeit
       der Kanzlerin, die ständig zur Vorsicht mahnt, Asche. Die CDU ist eben kein
       Fußballverein. Merz kümmert das nicht. Fixiert auf die Idee, dass es nur um
       ihn geht, versteigt er sich sogar zu der These, dass Corona nur ein Vorwand
       sei, um ihn als Parteichef zu verhindern. Hinter dieser Rhetorik – hier die
       manipulierte Parteielite, dort der unbeirrbare starke Führer – schimmert
       eine Verschwörungsidee hervor.
       
       Merz hat Chancen, Parteichef zu werden. Große Teile der CDU wollen ihn, das
       Rennen gegen Armin Laschet ist offen. Oder sollte man sagen: Es war offen?
       Merz’ Chancen wären im Frühjahr gar nicht unbedingt schlechter als im
       Dezember. Aber wenn die CDU bei Verstand ist, muss sie spätestens jetzt
       merken, dass Merz eine loose cannon ist. Und dass es keine gute Idee ist,
       dass jemand, der so unberechenbar ist, die CDU und womöglich dieses Land
       führt. Merz verkörpert einen politischen Narzissmus, den niemand braucht.
       Gerade in Krisenzeiten nicht.
       
       26 Oct 2020
       
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