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       # taz.de -- Proteste in Belarus: Ultimative Demo in Minsk
       
       > Lukaschenko lässt das Rücktrittsultimatum von Oppositionsführerin
       > Tichanowskaja verstreichen. Hunderttausende drohen mit Streik.
       
   IMG Bild: Teilnehmerin am „Marsch des Ultimatums“ am Sonntag in Minsk
       
       Gut gelaunt, mit Gruppen von Trommlern, Rufen nach „Streik!“ und
       weiß-rot-weißen Fahnen, dem Symbol der Opposition, demonstrieren am Sonntag
       wieder Tausende im Minsker Stadtzentrum und anderen Städten gegen Alexander
       Lukaschenko. Damit waren sie einem über die sozialen Medien verbreiteten
       Aufruf zum „Marsch des Ultimatums“ gefolgt. Das [1][Portal Radio Swaboda]
       schreibt auf seiner Facebook-Seite von 100.000 bis 200.000 Menschen allein
       in Minsk.
       
       Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja [2][hatte Machthaber Alexander
       Lukaschenko am 13. Oktober ein Ultimatum gestellt]: Wenn er nicht bis zum
       Abend des 25. Oktober zurücktrete, alle politischen Gefangenen freilasse
       und die Gewalt auf den Straßen beende, werde es ab dem 26. Oktober im
       ganzen Land zu Aktionen zivilen Ungehorsams und zu Streiks kommen.
       
       Vor Beginn der Minsker Demonstration hatten schwarz gekleidete und
       vermummte Polizisten Demonstranten gejagt. Auch in anderen belarussischen
       Städten hatten Bewohner für einen Rücktritt Lukaschenkos und sofortige
       Neuwahlen demonstriert. Um 17 Uhr Ortszeit berichtet die belarussische
       Menschenrechtsorganisation Wjasna von 32 Festnahmen in Minsk, Pinsk,
       Witebsk, Hrodno, Brest, Lida, Gomel, Mogilew und Nowopolozk.
       
       Bei dem Versuch, einen Marsch in Hrodno aufzulösen, wurde, so das Portal
       [3][belaruspartisan.by], ein Demonstrant am Kopf verletzt. In Nowopolozk
       war ein Demonstrant so schwer verletzt worden, dass er ärztlich behandelt
       werden musste, berichtet Nexta.
       
       ## Angebliche Pro-Lukaschenko-Demo
       
       Beinahe hätten zeitgleich und fast am gleichen Ort auch Anhänger von
       Lukaschenko demonstriert. Zwischen 250.000 und 300.000 Menschen aus dem
       ganzen Land habe man erwartet, berichtete Alexander Lukaschenko der
       [4][staatlichen Nachrichtenagentur Belta].
       
       Doch er persönlich habe die Demonstration abgesagt. Die Demonstranten
       hätten das Stadtzentrum völlig überfüllt. Dieser „Kollaps“, so Lukaschenko,
       hätte die Innenstadt paralysiert. Sie alle hätten natürlich „Batka“
       (deutsch: Väterchen, wie er sich gerne nennen lässt) sehen wollen. Aber nur
       15.000 hätten das geschafft. Außerdem hätten sich die Teilnehmer mit Covid
       anstecken können.
       
       Doch unabhängige Quellen bezweifeln, dass die Pro-Lukaschenko-Demonstration
       wirklich aus diesem Grund abgesagt wurde. Im Gegenteil, meint das Portal
       [5][tut.by]: Trotz massiven Drucks auf Arbeiter und Angestellte sei es
       Lukaschenkos Machtapparat offensichtlich nicht gelungen, auch nur annähernd
       so viele Leute wie angekündigt zu mobilisieren.
       
       Lukaschenko habe sich einfach eine Blamage ersparen wollen, erklärt sich
       Lew Margolin von der „Bürgerpartei von Belarus“ auf dem Portal
       belaruspartisan.by die Absage von Lukaschenkos Großdemonstration. Außerdem
       hätten es Lukaschenkos Polizeieinheiten bei ihrer Jagd auf Demonstranten
       schwer gehabt, die Unterstützer von Gegnern auseinanderzuhalten, so
       Margolin.
       
       ## Druck auf Studierende
       
       Unterdessen halten Drangsalierung und Kriminalisierung der Regimegegner an.
       Bei einem Gespräch mit Studierenden der Staatlichen Universität für
       Informatik und Radioelektronik drohte Generalstaatsanwalt Andrei Schwed
       seinen Gesprächspartnern mit Exmatrikulation, wenn sie wegen Arreststrafen
       nicht bei den Vorlesungen erscheinen würden.
       
       Derzeit sitzen in belarussischen Gefängnissen 102 politische Gefangene.
       Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung von elf belarussischen
       Menschenrechtsorganisationen hervor. Zugleich, so berichtet tut.by, seien
       bei den Behörden über 1.800 Anzeigen wegen Polizeigewalt eingegangen.
       
       25 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://pressroom.rferl.org/russian-service-radio-svoboda
   DIR [2] /Belarus-Ultimatum-2020-Unsere-Forderungen/!be=354634d613a6eb8a70/
   DIR [3] https://belaruspartisan.by/
   DIR [4] https://deu.belta.by/
   DIR [5] https://www.tut.by/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
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