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       # taz.de -- Neues Glück für Luis Suárez bei Atlético: Bad Boy zeigt Klasse
       
       > Atlético Madrid und Luis Suárez passen bestens zusammen. Der FC Bayern,
       > Gegner am Mittwoch, ist maßgeblich für die Verbindung verantwortlich.
       
   IMG Bild: Großer Kampfgeist: Luis Suaréz bleibt nie lange am Boden liegen
       
       Madrid/taz | Sein Haar durchziehen inzwischen schon ein paar graue
       Strähnen. Luis Suárez ist 33, im Herbst seiner Karriere, und eigentlich
       hatte er nicht vor, noch mal sein Leben zu ändern. Aber dann kam dieser
       Abend in Lissabon, [1][ein 2:8 gegen Bayern München], und jetzt schießt er
       also für Atlético Madrid die Tore, die er immer geschossen hat: ein
       Stürmer, der Torschützenkönig in drei Ligen war (Holland, England,
       Spanien); der beim FC Barcelona in nur sechs Jahren zum drittbesten
       Goalgetter der Vereinsgeschichte avancierte. Und der doch so kalt vom Hof
       gejagt wurde.
       
       [2][Wenn er heute mit Atlético] zum Champions-League-Auftakt beim FC Bayern
       gastiert, dann tun das auch die Erinnerungen an die infame Nacht. Suárez
       war fürwahr nicht Barças Schlechtester in Lissabon, er provozierte mit
       seinem Lauf das Eigentor zum 1:1, sah ein mögliches 2:1 von Manuel Neuer
       stark pariert und verkürzte exzellent zum zwischenzeitlichen 2:4.
       
       Doch als Barças Welt zusammengebrochen war, hörte er den Präsidenten in die
       Fernsehkameras sagen, dass jetzt harte Entscheidungen anstünden. Als er
       danach persönlich wochenlang gar nichts vom Klub hörte, ahnte er: Es würde
       ihn betreffen. Er konnte davon jeden Tag in der Zeitung lesen, und zum
       Trainingsstart folgte die Gewissheit – für ihn war kein Spieltrikot mehr
       übrig.
       
       Dass ein so verdienter Profi zum Sündenbock mutierte, hat eine
       Vorgeschichte: 2019 hatte er sich vor dem – prompt verlorenen – Pokalfinale
       einer umstrittenen Knieoperation unterzogen, um in Bestform mit Uruguay die
       Südamerikameisterschaft zu spielen. Trotzdem verpasste er auch weite Teile
       der folgenden Saison wegen Knieproblemen. Vor allem aber erklärt sich das
       Zerwürfnis dieses Sommers über seinen besten Kumpel, Lionel Messi.
       
       ## Dunkles Image
       
       Mit ihm teilte er Nachbarschaft, die tägliche Fahrt zum Training, die
       Freundschaften der Frauen und Kinder, endlose Tassen Mate-Tee. Für ihn
       steckte er jetzt die Schläge ein. Der sakrosankte Kapitän Messi wird im
       Barça-Kosmos wie von nostalgischen Eltern als das unschuldige,
       schützenswerte Eigengewächs gesehen. Außerdem braucht man ihn aus
       Marketinggründen. Wenn er nun kaum noch rannte und im täglichen Umgang den
       Stinkstiefel gab, musste jemand anders schuld sein. Die nicht zuletzt aus
       dem Verein lancierte These lautete: Suárez übt schlechten Einfluss aus.
       
       Solche Anschuldigungen spielten subtil mit dem dunklen Image, das ihn
       [3][nach seinem WM-Biss 2014] gegen Giorgio Chiellini als Teufel des
       Weltfußballs zeichnete. Barça verpflichtete ihn damals trotzdem für 80
       Millionen Euro aus Liverpool – und musste es nicht bereuen. Suárez hat
       diese Loyalität nie vergessen. Barcelona war sein Sehnsuchtsort seit
       Teenagertagen, als seine damalige Freundin – und heutige Frau – aus
       Montevideo dorthin gezogen war. Einmal selbst dort angekommen, hatte sich
       der Kreis geschlossen. Dennoch akzeptierte er nun professionell das Ende
       seines Zyklus. Als er nach einer Einigung mit Atlético über einen
       Gratis-Transfer in einer eilig anberaumten Matinee verabschiedet wurde,
       verzichtete er auf größeres Nachtreten. Der vermeintliche Bad Boy zeigte
       die Klasse, die andere vermissen ließen. Nur seine Gefühle konnte er nicht
       verbergen. Suárez schluchzte wie ein Baby.
       
       „Nach tränenreichen Tagen habe ich das Glück wieder gefunden“, bewertet er
       jetzt das neue Kapitel bei Atlético. Es hätte ihn schlechter treffen
       können. Für den testosterongeladenen Konterfußball des Trainers Diego
       Simeone scheint sein kämpferischer Stil wie gemacht. „Einer beißt, einer
       haut“: so süffisant beschrieb sein gleichfalls rauflustiger Sturmpartner
       Diego Costa das neue Traumduo im Angriff. In München fehlt Costa allerdings
       wegen einer Muskelverletzung. Dafür soll Suárez von den Zuspielen des
       20-jährigen João Félix profitieren; der feingeistige
       127-Millionen-Euro-Rekordeinkauf der Vorsaison passt zu seinen Partnern wie
       ein Chorknabe ins Heavy Metal, aber gerade dieses Crossover soll die
       notorisch stotternde Offensive von Atléticos Maurermeistern beflügeln.
       
       Bisher klappt es so lala. Nachdem er bei einem 6:1 gegen Granada mit zwei
       Toren und einer Torvorlage in 20 Spielminuten ein Traumdebüt feierte,
       musste Suárez bei zwei 0:0 in Serie auch schon die hausübliche Askese
       praktizieren. Am Wochenende traf er wieder beim 2:0 in Vigo, und nun geht
       es [4][also – wenn Corona mitspielt – nach München:] Barças verramschte
       Legende erhält als Erster die Chance zur Revanche.
       
       21 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Florian Haupt
       
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