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       # taz.de -- TV-Debatte Pence gegen Harris: „Herr Vizepräsident, ich spreche!“
       
       > Von Substanz kann nicht die Rede sein. Doch das Duell der
       > US-Vizekandidaten lief zumindest zivilisiert ab. Star des Abends war am
       > Ende: eine Fliege.
       
   IMG Bild: Diesmal mit Scheiben zwischen den Kandidat*innen: Harris und Pence am Mittwoch im TV-Duell
       
       Washington taz | US-Vizepräsident Mike Pence und die kalifornische
       Senatorin Kamala Harris lieferten sich am Mittwochabend einen zivilisierten
       Schlagabtausch, der die politischen Differenzen zwischen den beiden
       Parteien nochmals verdeutlichte. Die beiden Vizepräsidentschaftskandidaten
       ließen dabei weder ein gutes Haar aneinander noch am jeweils anderen
       Spitzenkandidaten.
       
       Im Gegensatz zur [1][ersten TV-Debatte zwischen Präsident Donald Trump und
       seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden] in der vergangenen Woche
       schafften es Pence und Harris, die Bühne nicht in einen Zirkus mit
       unzähligen Zwischenrufen und persönlichen Attacken zu verwandeln.
       
       Von einer Diskussion mit viel Substanz kann trotzdem nicht die Rede sein.
       Beide Kandidaten nutzten die 90 Minuten, um ihre Agendapunkte gekonnt ins
       Spiel zu bringen. Moderatorin Susan Page, die als Journalistin für die
       nationale Tageszeitung USA Today tätig ist, musste sowohl Pence als auch
       Harris immer wieder ermahnen, da beide es mit der Einhaltung der Zeitregeln
       nicht so genau nahmen.
       
       Die TV-Debatten zwischen den Kandidaten für das Vizepräsidentenamt spielen
       im Wahlkampf der Vereinigten Staaten normalerweise eine zu
       vernachlässigende Rolle. Doch das gehobene Alter der beiden
       Spitzenkandidaten – Präsident Donald Trump ist 74, sein demokratischer
       Herausforderer Joe Biden ist 77 – sowie die [2][Corona-Infektion des
       Präsidenten] haben dem Duell in diesem Jahr eine besondere Bedeutung
       verliehen.
       
       ## Harris attackiert Trumps Coronapolitik
       
       Harris, die zusammen mit Biden in diesem Jahr das Präsidentschaftsticket
       der Demokraten bildet, fuhr gleich zu Beginn der Debatte schwere Geschütze
       auf. Sie bezeichnete das Vorgehen der Trump-Regierung im Kampf gegen die
       Coronakrise als das “größte Versagen eines Präsidenten und seiner Regierung
       in der Geschichte unseres Landes“.
       
       Sie verwies dabei auf die mehr als 210.000 Todesopfer im Land sowie auf die
       steigenden Infektionszahlen in mehreren US-Bundesstaaten. Als amtierender
       Vizepräsident konnte Pence diese Kritik natürlich nicht auf sich sitzen
       lassen.
       
       Als Harris dann auch noch das [3][Enthüllungsbuch des amerikanischen
       Journalisten Bob Woodward] ansprach, wodurch bekannt wurde, dass Trump
       bereits im Frühjahr über die Gefahr des Virus wusste, diese aber
       herunterspielte, um Panik in der Bevölkerung zu vermeiden, versuchte Pence,
       seiner Kontrahentin ins Wort zu fallen: „Herr Vizepräsident, ich spreche –
       ich spreche“, erwiderte Harris deutlich.
       
       Sein anschließendes Argument, dass es ohne ein rasches Eingreifen der
       Regierung mehr als zwei Millionen Todesopfer hätten sein können, wirkte
       auch nur wenig überzeugend. Harris kritisiert die Trump-Regierung auch für
       deren Haltung zum Thema Klimawandel. Laut der Senatorin glaube diese nicht
       an “wissenschaftliche Erkenntnisse.“ Pence widersprach Harris. Er gab zu,
       dass sich das Klima verändere, doch ob menschliche Einflüsse dafür
       verantwortlich seien, wollte er nicht beantworten.
       
       Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Indiana wich zudem der Frage
       nach der Vorbildfunktion der Regierung aus. Moderatorin Page wollte von
       Pence wissen, wie die amerikanische Bevölkerung Vertrauen in die Vorgaben
       und Empfehlungen von Experten haben soll, wenn sich nicht einmal die eigene
       Regierung daran halten würde.
       
       Als Beispiel nannte sie eine Veranstaltung im Weißen Haus vor mehr als zehn
       Tagen. Dort gab es keine Maskenpflicht, Abstandsregelungen wurden nicht
       eingehalten und wie sich später herausstellte, sollen sich etliche der
       Anwesenden bei dieser Veranstaltung mit dem Virus infiziert haben.
       
       ## Rassismus kaum Thema
       
       Die Persönlichkeiten von Harris und Pence kamen in der Debatte nicht voll
       zur Geltung. Beide zeigten sich autoritär, redegewandt und auch hier und da
       höflich. Pence gratulierte seiner Rivalin sogar zur historischen
       Nominierung als Vizepräsidentschaftskandidatin. Die 55-jährige Harris ist
       nicht nur die erste Schwarze, sondern auch die erste Frau südostasiatischer
       Abstammung, die von einer der beiden großen US-Parteien für das
       Vizepräsidentenamt nominiert worden war.
       
       Trotz der anhaltenden Proteste in den USA fand das Thema Rassismus nur kurz
       Erwähnung. Beide Kandidaten wiederholten ihr Entsetzen über den Tod von
       George Floyd und Breonna Taylor. Pence glaubt jedoch nicht an einen
       systematischen Rassismus unter Polizeikräften und vertraut auf das
       Justizsystem. Harris erklärte, dass Biden und sie bei einem Wahlsieg
       sofortige Maßnahmen in Bezug auf Polizei- und Gefängnisreform durchführen
       würden.
       
       Pence hatte seine stärksten Momente, als er versuchte, Harris in
       Widersprüche zu verwickeln. So sagte er, dass Biden und Harris bei einem
       Wahlsieg ein Frackingverbot erlassen würden. Als Präsidentschaftskandidatin
       hatte sich Harris noch für solch ein Verbot starkgemacht. Am Dienstagabend
       sprach sie sich klar dagegen aus.
       
       ## Star des Abends? Eine Fliege
       
       Auch mit dem sogenannten Green New Deal, einem Gesetzespaket, das sich für
       eine Transformation des Landes – weg von fossilen Brennstoffen und hin zu
       erneuerbaren Energien – ausspricht, konnte Pence punkten. Harris war eine
       der ersten Senatorinnen, die den Gesetzentwurf unterstützte. Doch für viele
       US-Amerikaner geht der Green New Deal in seinem Vorhaben zu weit und ist
       darum politisch ein Problem für die Demokraten.
       
       Zu anderen wichtigen Themen wie der Zukunft der Krankenversicherung und
       Steuern blieben beide äußerst vage. Für einen der größten Aufreger in den
       sozialen Netzwerken sorgte eine Fliege, die es sich während der Debatte auf
       dem Kopf des Vizepräsidenten gemütlich machte. Nur kurz nach der Debatte
       konnte man auf Bidens Homepage bereits Fliegenklatschen mit der Aufschrift
       “Wahrheit vor Fliegen“ für 10 US-Dollar pro Stück bestellen.
       
       Dass am Ende eine Fliege der Star des Abends ist, unterstreicht noch
       einmal, dass es der Debatte an Substanz mangelte.
       
       8 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Hansjürgen Mai
       
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