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       # taz.de -- Noch schärfere Corona-Regeln: Um 23 Uhr ist Sense
       
       > Hamburg führt eine Sperrstunde in der Gastronomie ein und Maskenpflicht
       > für Berufsschulen und Oberstufen. Ziel sei, Kitas und Schulen offen zu
       > halten.
       
   IMG Bild: Nachtleben mit Polizeikontrolle auf der Reeperbahn: Künftig ist ab 23 Uhr keine Kneipe mehr auf
       
       Hamburg taz | Der Senat verschärft die [1][Coronaregeln]. Ab Samstag dürfen
       alle Kneipen und Restaurants nur noch bis 23 Uhr offen haben. Die
       „Sperrstunde“ gilt bis fünf Uhr früh. In dieser Zeit gilt zugleich ein
       Verkaufsverbot für Alkohol. Zudem sind private Feiern in Wohnungen nur noch
       mit bis zu 15 Personen erlaubt. Und alle Schüler an Berufsschulen und in
       den Oberstufen sollen fortan auch im Unterricht Masken tragen.
       
       Es handelt es sich um die [2][Umsetzung der Beschlüsse], die die
       Ministerpräsidenten jüngst mit Kanzlerin Angela Merkel getroffen haben.
       Dazu gehört, dass ab einem „Inzidenzwert“ von 35 eine „ausgeweitete
       Maskenpflicht“ gilt, dort, wo Menschen im öffentlichen Raum eng beisammen
       sind.
       
       Diese Maßnahme hatte Hamburg schon vorweggenommen. Bereits seit Montag gilt
       Maskenpflicht auf 14 Straßen, darunter auf der Reeperbahn, am Schulterblatt
       und an den Landungsbrücken. Der Inzidenzwert erfasst die Zahl der
       Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.
       
       Die nun folgende Sperrstunde sei gerade jetzt ein „wichtiges Instrument“
       zur Verhütung weiterer Infektionen, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard
       (SPD). „Spätere Stunde bedeutet größere Nähe, mehr Alkohol, noch größere
       Nähe, größeres Infektionsrisiko.“ Zwar wurde in Berlin gerade erst per
       Eilantrag dortige Sperrstunde gerichtlich gestoppt. Doch dazu gefragt sagte
       Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), man habe „sehr gute Argumente“,
       dass diese von den Ministerpräsidenten beschlossene und bereits in mehreren
       Städten angewandte Maßnahme sehr wirksam und jetzt erforderlich sei. „Und
       ich hoffe, dass die Begründung, die wir dafür haben, juristisch auch
       Bestand behält“.
       
       ## Hundertschaft der Polizei steht bereit
       
       Innensenator Andi Grote (SPD) sagte, die Behörden seien schon bisher
       „konsequent unterwegs“, hätten in den vergangen Wochen 5.000
       Gastro-Betriebe kontrolliert, 500 Verstöße registriert und 20 Betriebe
       geschlossen. Zur Durchsetzung der Sperrstunde stehe am Samstagabend eine
       Hundertschaft der Polizei bereit.
       
       Man werde mit Augenmaß vorgehen und „nicht gleich einschreiten, wenn die
       fünf nach elf die Stühle hochstellen“, sagte Grote. „Wir kommen aber auch
       nicht dreimal.“ Ein Verstoß gegen die Sperrstunde koste Gastronomen 5.000
       Euro Bußgeld. Auch nach 23 Uhr erlaubt sein soll die Lieferung von Essen
       außer Haus.
       
       Tschentscher verwies darauf, dass die Infektionszahlen auch bei den älteren
       Bürgern wieder anstiegen. Auch die zweite Bürgermeisterin Katharina
       Fegebank (Grüne) appellierte, alles zu tun, damit das Virus nicht das Leben
       zum Stillstand bringt: „Unser oberstes Ziel ist, dass Menschen gesund
       bleiben, Schulen und Kitas offen sind und die Wirtschaft sich erholt.“
       
       Sie spielt darauf an, dass am Montag die Herbstferien enden. Die Zahlen der
       letzten sieben Tage waren nicht günstig. 802 Hamburger hatten sich mit
       Corona infiziert. Der „Inzidenzwert“ stieg damit laut Senat auf 42,2.
       
       Zwar steht Hamburg besser da als andere Großstädte, doch laut einem
       [3][Papier von fünf ärztlichen Fachgesellschaften] zum Schulbetrieb aus
       diesem August, auf das sich auch Schulsenator Ties Rabe (SPD) bereits
       bezogen hat, sollte es ab einem Inzidenzwert von 50 „geteilte Klassen,
       ergänzt durch Online-Unterricht“ geben.
       
       Rabe hatte vor den Herbstferien angekündigt, [4][dass die Klassen alle 20
       Minuten stoßlüften sollen], um Aerosole zu minimieren. Gefragt, ob ab dem
       Inzidenzwert 50 mit weiteren Einschränkungen zu rechnen sei, sagte er nun,
       die neue Maskenpflicht für Berufsschüler und Oberstufen sei der „Vorgriff“
       auf die Erwartung, dass Hamburg Gefahr laufe, den 50er-Wert zu erreichen.
       
       „Für weitere Maßnahmen mag es später, bei noch höheren Infektionszahlen
       Anlass geben. Aber das Erreichen der 50er-Zahl ist hiermit inkludiert und
       zieht keine weiteren direkten Maßnahmen nach sich“, sagte Rabe. Zudem
       dürften sich Lehrer bis Weihnachten dreimal kostenlos testen lassen.
       
       ## Schülerkammer startet Umfrage zur Maskenpflicht
       
       Hamburgs SchülerInnenkammer hat eine Umfrage unter Schülern gestartet, wie
       sie dazu stehen, wenn die Maskenpflicht ab Klasse 5 gilt. Bei einer ersten
       Stichprobe unter rund 100 Schülern waren 52 Prozent dafür. Der Vorsitzende
       Henry Behrens sagte, er persönlich befürworte so eine Pflicht. Die ersten
       acht Schulwochen hätten „super geklappt“. Man müsse „alles tun, damit die
       Schulen nicht wieder schließen“.
       
       Unterdessen äußern Eltern Zweifel an Rabes Aussage, dass sich in 99 Prozent
       aller Klassen die Fenster auf öffnen ließen. Vielerorts fehlen die Griffe.
       Die Fenster müssen mit Vierkantschlüsseln geöffnet werden.
       
       Laut Schulbehörde wurden die Fenster zur Sicherheit so umgerüstet, dass
       diese sich bis auf eines nur noch auf Kipp öffnen lassen. Im Zuge der neuen
       Lüftungsregelung sei dieses „Umrüstprogramm“ aber vorerst gestoppt, sagte
       Sprecherin Claudia Pittelkow. Damit nun richtig gelüftet werden könne,
       würden auf Wunsch von Schulleitern wieder Fenstergriffe montiert.
       
       Die Linken-Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus kritisierte,dass keine
       Luftfilter angeschafft werden und die Politik stattdessen auf
       Skiunterwäsche setze. Um dem Gesundheitsschutz gerecht zu werden, müsse der
       Unterricht „flexibel an unterschiedlichen Orten“ stattfinden. Ihre
       Co-Vorsitzende Cansu Özdemir nannte indes die Sperrstunde „undemokratisch“.
       Die Beschäftigten in der Gastronomie gerieten so in Not.
       
       Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde im vierten Absatz durch ein
       wörtliches Zitat von Bürgermeister Peter Tschentscher aktualisiert.
       
       16 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Angebliche-Clankriminalitaet-in-Hamburg/!5717694
   DIR [2] /Massnahmen-gegen-Corona/!5718442
   DIR [3] https://www.krankenhaushygiene.de/ccUpload/upload/files/2020_08_03_Stellungnahme_DGKH_Paediater.pdf
   DIR [4] /Corona-Schutz-an-Hamburgs-Schulen/!5713109/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
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