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       # taz.de -- Wahlen in Tadschikistan: Ein fragwürdiger Triumph
       
       > In Tadschikistan hat sich der Staatschef mit 91 Prozent im Amt bestätigen
       > lassen. Der nicht lupenreine Sieg macht die Nachbarn in Kirgistan
       > neidisch.
       
   IMG Bild: Der Präsident mit Wahlurne, ein beliebtes Motiv bei allen lupenreinen Demokraten
       
       Tadschikistans Staatschef Emomali Rachmon mausert sich zum Mann der
       Superlative. Mit knapp 91 Prozent bei der Präsidentenwahl am Sonntag
       besorgt sich der Mann, der seit 1992 an der Macht ist, eine fünfte
       Amtszeit. Da dürfte selbst [1][Alexander Lukaschenko] vor Neid erblassen,
       der es angeblich ja „nur“ auf knapp über 80 Prozent gebracht hat. Besonders
       wurmen dürfte den belarussischen Autokraten sowie die alte zerstrittene
       Männerriege im benachbarten [2][Kirgistan] der Umstand, dass der Wahlsieg
       Rachmons wohl auf keinen nennenswerten Widerstand in der Bevölkerung stoßen
       wird.
       
       Das Terrain war von Rachmon, der sich seit 2015 auch „Führer der Nation“
       nennen und unbegrenzt für das höchste Staatsamt kandidieren darf, perfekt
       bereitet. Seine vier Gegenkandidaten gelten alle als regierungsnah.
       Alternative Bewerber wurden nicht zu der Abstimmung zugelassen. Die
       Sozialdemokraten, die noch am ehesten als Opposition gelten können und
       nicht im Gefängnis sitzen oder außer Landes sind, boykottierten die
       Abstimmung. Auch am Wahltag selbst wurde nach Kräften gefälscht – wie
       Aufnahmen zeigen, auf denen Wähler*innen Stimmzettel gleich büschelweise in
       die Urnen befördern.
       
       Das allein erklärt nicht alles. Für viele Tadschik*innen gilt Rachmon immer
       noch als derjenige, der in den 90er Jahren den Bürgerkrieg im Land beendet
       hat. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regionen und Klans
       kosteten Schätzungen zufolge über 100.000 Menschen ihr Leben.
       
       Doch ob Rachmon sein deutlicher Sieg Freude machen wird, ist fraglich. Denn
       das ohnehin bitterarme und wirtschaftlich labile zentralasiatische Land ist
       besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Ein Großteil des
       Staatshaushalts aber auch die Einkommen vieler Familien speisten sich
       bislang aus Rücküberweisungen tadschikischer [3][Gastarbeiter] in Russland.
       Die fallen jetzt weg und das auf unbestimmte Zeit. Mag Rachmon jetzt in
       einem Wagen durch die Hauptstadt Duschanbe fahren und sich feiern lassen:
       Auch für ihn könnte es bald ungemütlich werden.
       
       12 Oct 2020
       
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   DIR Barbara Oertel
       
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