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       # taz.de -- Eine Welt ohne Heten: Besser als jede Aspirin
       
       > Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der sich cis Heten und Queers nicht
       > begegnen würden? Der Stresspegel für Queers wäre deutlich niedriger.
       
   IMG Bild: Die Welt durch getönte Gläser: TeilnehmerIn beim „Marzahn Pride“ im Juli in Berlin
       
       Auf der [1][Dating-Plattform OkCupid] gibt es die Funktion „Don’t want to
       see/be seen by straight people“. User:innen haben damit die Möglichkeit,
       mit einem einzigen Häkchen zu deaktivieren, dass ihre Profile für
       heterosexuelle Personen sichtbar sind – und vice versa.
       
       Parallelgesellschaft per Mausklick sozusagen. Manchmal wünschte ich, es
       gäbe ein Real-Life-Plugin. Für ein paar Stunden, Tage, Monate oder ein
       Leben lang unsichtbar für Heten sein und keinen Heten begegnen zu müssen,
       würde vieles leichter machen. Klar, einige von uns würden ihre Familien
       nicht mehr sehen, und manche ihrer Freund:innen auch nicht, es gibt
       schließlich auch okaye bis tolle Heteros. Aber die Mehrheit dieser
       Demografie fickt einfach den Kopf. Wie würde sie aussehen, gegenseitige
       Unsichtbarkeit zwischen Queers und cis Heten?
       
       Auf jeden Fall weniger brutal. Einfach in der Öffentlichkeit
       draufloszuknutschen wäre nicht mehr von der Angst begleitet, im nächsten
       Moment angegriffen zu werden. Ein Thrill, auf den ich gerne verzichte. Wie
       könnten Straßen aussehen, auf denen sich Menschen weniger verstellen,
       verstecken, kleiner machen?
       
       Hinsichtlich der Fashion würden Türen geöffnet: Endlich geile Outfits
       ballern, ohne als Freak zu gelten, ohne von den falschen Leuten gegeiert zu
       werden, und ohne die Tränen deiner local Anna-Lena, die sich neben dir
       langweilig fühlt, als wäre es per Zwangsvorschrift auferlegt, dass sie von
       Kopf bis Fuß in s.Oliver gekleidet ist. Der Nachteil: Ohne den permanenten
       Anblick von Typen in Camp David und Frauen in Street One fehlt auf lange
       Sicht [2][die Inspiration zum Camp].
       
       Dafür gäbe es seltener Missverständnisse wegen Codes. Und bessere Witze.
       Verloren ginge jedoch einiges an Meme-Material. Zumindest eine ganze Sparte
       an Comedy bliebe uns erspart. Der Karnevalsauftritt von Annegret
       Kramp-Karrenbauer wäre keine Referenz mehr. Generell weniger Fasching:
       Endlich wieder von Partys nach Hause kommen, ohne von Heteros auf der
       Tanzfläche vollgeglitzert zu werden.
       
       Vielleicht ist das auch ein Wunschdenken, das die Transfeindlichkeit, die
       Misogynie, den Antisemitismus und den Rassismus unter Queers negiert. Was
       sich aber auf jeden Fall verbessern könnte: die Kopfschmerzen. Denn laut
       [3][einer neuen Studie der University of California in San Francisco]
       stellte sich heraus, dass lesbische, schwule und bisexuelle Personen zu 58
       Prozent häufiger von Migräne betroffen sind als heterosexuelle.
       Diskriminierung, Stigmatisierung und Vorurteile, so der Leiter der Studie,
       erhöhten das Stresslevel. Das wiederum löse Migräne aus. Zusätzliche
       Marginalisierungen könnten den Schmerzpegel erhöhen – eine Schwarze trans
       Person kriegt im Vergleich zu einem weißen schwulen cis Mann mehrfach ab.
       
       Worauf sich alle einigen können: Heten ficken einfach den Schädel. In der
       Bekämpfung der Hetero- und Cisnormativität schlummert also ein Versprechen:
       das vielleicht effektivste Mittel gegen Kopfschmerzen.
       
       9 Oct 2020
       
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