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       # taz.de -- Entwicklungsländer in Coronakrise: Schuldenerlass oder Chaos
       
       > Weltbank und IWF befürworten nun plötzlich einen Schuldenerlass für
       > Entwicklungsländer. Doch mit Mildtätigkeit hat dies wenig zu tun.
       
   IMG Bild: Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in Johannesburg, Südafrika
       
       Weltbankchef [1][David Malpass] hat am Montag eine erstaunliche Rede
       gehalten. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF), die
       beiden unter Globalisierungskritikern verhassten Institutionen, fordern
       gerade einen umfassenden Schuldenerlass für Entwicklungs- und
       Schwellenländer, weil sie in der [2][Coronakrise in existenzielle Nöte]
       geraten sind. Die Partnerorganisationen wollen die Notenbankchefs und
       Staatsoberhäupter der Welt zum Handeln bewegen: Nächste Woche treffen sie
       sich virtuell zu ihrer Herbsttagung.
       
       Malpass ist ehemaliger Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump,
       hat deshalb überhaupt erst den Job als Weltbankchef bekommen. Umso
       erstaunlicher, dass er jetzt Reden hält, die auch Brot für die Welt hätte
       schreiben können. Doch um Mildtätigkeit handelt es sich bei dem
       Schuldenerlass nicht. Die Alternative wären [3][reihenweise
       zahlungsunfähige Entwicklungsländer].
       
       Zwar haben die Industrieländer laut IWF deutlich mehr Schulden in der
       Coronakrise aufgenommen als der Globale Süden, selbst in Relation zur
       Wirtschaftsleistung. Aber die USA, Europa oder Japan haben Zentralbanken,
       die das alles finanzieren. Sie saugen Schuldentitel ihrer Staaten vom
       Markt, sobald Gläubiger zu viele Risiken wittern, sprich: die
       Industriestaaten höhere oder überhaupt mal Zinsen zahlen müssen.
       Zentralbanken von Entwicklungsländern können nicht einfach zum gleichen
       Mittel greifen – sonst stürzt die jeweilige Währung ins Bodenlose. Die
       ärmeren Länder können dann ihre oft in Dollar oder Euro notierten
       Auslandsschulden nicht mehr refinanzieren und sind zahlungsunfähig. Malpass
       warnt: In dem Fall könne Chaos in den Ländern ausbrechen.
       
       Ein Schuldenerlass ist heute komplizierter als Anfang des Jahrtausends. Die
       Subsahara-Staaten Afrikas etwa haben [4][dreimal so hohe Schulden]
       gegenüber China wie gegenüber Europa, den USA und Japan zusammen. Ein
       gefundenes Fressen für Malpass, der China vorwarf, zu wenig Milde walten zu
       lassen. Und unterschlug, dass die USA [5][die Idee blockieren], den ärmeren
       Ländern umfassend finanziell zu helfen.
       
       6 Oct 2020
       
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