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       # taz.de -- Buch-Tantiemen von Edward Snowden: Geheimdienste treten nach
       
       > Whistleblower Edward Snowden soll alle Einnahmen seiner Memoiren an die
       > US-Regierung abgeben. Ein Bezirksgericht gab ihrer Klage recht.
       
   IMG Bild: Soll kein Geld mehr mit seinen Memoiren „Permanent Record“ erhalten: Edward Snowden (2016)
       
       Haben Sie auch ein Exemplar von Edward Snowdens Autobiografie „Permanent
       Record“ im Regal stehen? [1][In seinem 2019 veröffentlichten Buch] zeichnet
       der Whistleblower seinen Werdegang bei den US-Geheimdiensten CIA und NSA
       nach – und wie er deren illegale Überwachungspraktiken offenlegte. Circa
       4,2 Millionen US-Dollar soll Snowden mit dem Buch verdient haben. Geht es
       aber nach der US-Regierung, dann ist er seine Einnahmen bald los.
       
       [2][Ein Bezirksgericht im Bundesstaat Virginia] gab nämlich der Klage der
       US-Regierung recht, [3][die Ansprüche auf Snowdens Tantiemen erhebt]. Die
       zu zahlende Summe wurde nun auf 5,2 Millionen US-Dollar festgesetzt. Als
       ehemaliger Mitarbeiter von NSA und CIA hätte Snowden sich vertraglich
       verpflichtet, alle Veröffentlichungen vorab genehmigen zu lassen. Snowden
       entschied sich aber bewusst gegen die Vorzensur der Geheimdienste. Die
       Argumentation seiner Anwälte, er hätte nicht mit einer fairen Prüfung
       seines Buches rechnen können, interessierte die zuständigen Richter bei der
       Urteilsverkündung nicht.
       
       [4][Auf Twitter schrieb Snowden], dass er durch seine Autobiografie und
       Vorträge überhaupt nicht so viel Geld erhalten hätte. [5][Ein Blick in die
       Berechnungsgrundlagen des Gerichts zeigt], dass die US-Regierung nicht
       weiß, wie viel er bei einzelnen Auftritten verdient hat und die Einnahmen
       einfach schätzt. Auch wenn die US-Administration das Buch explizit nicht
       verbieten will, weil sie damit gegen die Verfassung verstoßen würde, wird
       hier ein Exempel statuiert, um Snowdens Einnahmequellen auszutrocknen.
       
       Nun ist unklar, wie abhängig Snowden von den Tantiemen ist. Seiner
       ehemaligen Anwältin Jesselyn Radack zufolge [6][ging es ihm sowieso nie ums
       Geld], sondern darum, möglichst vielen Leser*innen die
       Überwachungspraktiken der US-Geheimdienste zu zeigen. Unklar ist ebenfalls,
       wie die US-Regierung an Snowdens Geld gelangen will.
       
       Denn solange er im Moskauer Exil ist, kann sie es von ihm nicht eintreiben.
       Womöglich versucht die Regierung, an die Einnahmen über den vertreibenden
       US-Verlag Macmillan heranzukommen, der in den Gerichtsunterlagen als
       Mitangeklagter aufgeführt ist. Ein fader Beigeschmack würde bleiben,
       wenn künftig ausgerechnet jene Institutionen Geld bekommen, die Snowden in
       seinem Buch angreift.
       
       5 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Autobiografie-von-Edward-Snowden/!5626634/
   DIR [2] https://www.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.vaed.453958/gov.uscourts.vaed.453958.128.0_2.pdf
   DIR [3] /Rechtsstreit-um-Snowdens-Memoiren/!5641890/
   DIR [4] https://twitter.com/Snowden/status/1308394609421279232
   DIR [5] https://www.heise.de/downloads/18/2/9/7/8/5/9/5/Reden_gov.uscourts.vaed.453958.127.2.pdf
   DIR [6] https://www.washingtonpost.com/national-security/justice-dept-sues-for-proceeds-from-edward-snowdens-book/2019/09/17/8f08356e-d96e-11e9-a688-303693fb4b0b_story.html
       
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