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       # taz.de -- Krimiserie „Killing Mike“ bei ZDFneo: Rohe Gewalt in der Provinz
       
       > Ein Mann terrorisiert seine Nachbarn. Die dänisch Serie „Killing Mike“
       > erzählt ungewohnt unvorhersehbar von deren Mordgelüsten.
       
   IMG Bild: Mike ist der Dorftyrann
       
       Ein ausgelassenes Gartenfest, Sekt, Knutschen mit der Freundin. Sieht so
       aus wie das Ende der Schulzeit, das hier gefeiert wird. Auf dem Heimweg, im
       milden Licht der Abendsonne, sich noch einmal rücklings in das goldgelbe
       Weizenfeld fallen lassen und laut schreien. Das ganze Leben mit all seinen
       Möglichkeiten, es liegt noch vor Aksel. In dem Moment, in dem er sein
       Fahrrad auf die Straße schiebt, ziehen die entfernten Scheinwerfer eines
       Autos am linken Bildrand auf.
       
       Der Fahrer gibt ordentlich Gas. Ein roter Pick-up rast durchs Bild. Die
       Kamera folgt ihm nicht, sie zeigt das Weizenfeld in der Totalen. Aus dem
       Off das Geräusch eines Unfalls. Großaufnahme von kaputten Fahrradspeichen,
       sie schwingen noch. Großaufnahme von Aksels Ohr, Blut läuft heraus.
       Schnitt. Ein Wolf trottet über die Straße, die mitten durch die dänische
       Kleinstadt führt. Der Serientitel wird eingeblendet: „Killing Mike“.
       
       Ein Wildtier im Vorspann einer Serie gab es schon einmal, damals war es ein
       Elch – aber mit „Ausgerechnet Alaska“ hat das, was nun folgt, wohl nicht
       mehr gemeinsam als das Kleinstadt-Setting irgendwo in der Provinz. Das
       Thriller-Genre könnte schon eher hinkommen. Der Coming-of-Age-Film am
       Anfang hat jedenfalls keine drei Minuten gedauert.
       
       Anderthalb Jahre sind vergangen. Peter, der Arzt in der Kleinstadt, hat den
       Tod seines Sohnes nicht im Geringsten verarbeitet. Er ist davon überzeugt,
       besessen geradezu, dass es kein Unfall war. Dass Mike Aksel mit Absicht
       überfahren, ihn ermordet hat. So ein maximal möglicher Verlust kann schon
       mal in eine ausgewachsene Paranoia münden. Da kann man nicht einfach „nach
       vorne schauen“, auch wenn es einem ständig gesagt wird, sogar vom eigenen
       Bruder.
       
       ## Niemand glaubt ihm
       
       Martin hatte es einst von hier fortgeschafft. Peters Mordtheorie hält er
       für Hirngespinste. Das sagt er auch Kasper, dem Jungen, der damals mit Mike
       im Pick-up gesessen hat. Kasper erzählt Martin von einem Spiel, das Mike
       und er immer gespielt haben. Sie haben frisch geschlüpfte Küken
       eingegraben, so dass nur noch der Kopf herausguckte. Dann sind sie mit dem
       Rasenmäher darübergefahren. Das Spiel haben sie „Klukluk“ genannt. Martin
       trifft Kaspers Mutter wieder, seine Jugendliebe. Kasper habe der Unfall
       damals völlig verstört, er habe danach nur wirres Zeug von sich gegeben:
       „Klukluk“.
       
       Und Mike ist wirklich ein veritabler Kotzbrocken, der mit einer Mischung
       aus psychologischer Manipulation und roher Gewalt eine ganze Handvoll der
       Kleinstädter quält, tyrannisiert, terrorisiert. Schon nach der ersten von
       acht Folgen der Serie sitzen sie zusammen und überlegen: „Wenn man das so
       einrichtet, dass man nicht ins Gefängnis kommt, dann …“ „Man muss es
       entsprechend planen. Und sauber ausführen. So dass jeder ein Alibi hat.“
       
       Das wäre dann die Variante „Mord im Orient Express“. Aber ein gemütlicher
       Häkelkrimi à la Agatha Christie wird diese Serie gewiss nicht mehr werden.
       Die weitere Planung scheitert zunächst am Widerspruch Milads. Der weiß da
       noch nicht, dass sich Mike ausgerechnet seinen Sohn als sein nächstes Opfer
       auserkoren hat. Milad wird gespielt von dem im Irak geborenen Dar Salim,
       ohne den seit „[1][Borgen]“ keine dieser – aus deutscher Sicht:
       beneidenswert – vielen [2][dänischen Qualitätsserien] auszukommen scheint.
       Ob „[3][Die Brücke]“, „Dicte“, „Springflut“, „Countdown Copenhagen“,
       „Krieger“. Da war es nur konsequent, ihn als Kommissar für den neuen Bremer
       „Tatort“ zu engagieren. Wir sind gespannt.
       
       Auch darauf, in welche Richtung sich „Killing Mike“ (Buch: Christian Torpe,
       Regie: Louise N. D. Friedberg) nach den ersten beiden vom ZDF vorab
       gezeigten Folgen entwickeln wird. Oft langweilen Filme und Serien ja
       deshalb, weil man viel zu früh durchschaut, wohin die Reise geht. Davon
       kann bei „Killing Mike“ nicht die Rede sein. Brauchen die dänischen
       Kleinstädter nun tatsächlich sechs weitere – knapp einstündige – Episoden,
       um sich endlich von Problemwolf Mike zu befreien? Und ist Mike am Ende
       vielleicht ein veritabler Kotzbrocken (gewesen), aber doch kein Mörder?
       
       Man muss sich das unbedingt weiter angucken.
       
       10 Oct 2020
       
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   DIR Jens Müller
       
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