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       # taz.de -- Nationale Akademie der Wissenschaften: „Verbindlich, wirksam, einheitlich“
       
       > Die Leopoldina appelliert an Bund und Länder, einheitliche
       > Coronamaßnahmen zu setzen. Die Empfehlungen: Hygieneregeln, lüften,
       > Masken, Tests.
       
   IMG Bild: Die Maskenpflicht ist verbindlich, auch für Superman
       
       Berlin taz | Sinkende Temperaturen, mehr Menschen in Innenräumen und
       obendrauf noch der Beginn der ganz normalen Erkältungssaison: Herbst und
       Winter werden Politik und Gesundheitssystem, aber auch die Bürgerinnen und
       Bürger vor neue Herausforderungen stellen im Umgang mit der
       [1][Coronapandemie]. Diese Prognose veröffentlichten am Mittwoch knapp 30
       Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die für die Nationale Akademie
       der Wissenschaften Leopoldina einen zwölfseitigen Maßnahmenkatalog mit
       „wirksamen Regeln für Herbst und Winter“ entwickelt haben. In dem Gremium
       sitzt sind neben Medizinern, Natur-, Lebens- und Sozialwissenschaftlern
       auch der Virologe Christian Drosten.
       
       Die Experten appelieren eindringlich an „die Verantwortlichen in Bund und
       Ländern“, sich „rasch auf bundesweit verbindliche, wirksame und
       einheitliche Regeln für das Inkrafttreten von Vorsorgemaßnahmen“ zu einigen
       und diese „konsequenter als bisher um- und durchzusetzen“. Ziel müsse es
       sein, einen zweiten Lockdown unter allen Umständen zu vermeiden.
       
       Die Menschen im Land seien durch Aufklärung, aber auch durch
       nachvollziehbare, klare Regeln zu motivieren, Abstands- und Hygieneregeln
       weiterhin zu akzeptieren und freiwillig zu befolgen. „Bei allen anstehenden
       politischen Entscheidungen wird es noch wichtiger sein als bisher, ihre
       ökonomischen, sozialen und psychischen Folgen, aber auch die Folgen für das
       Gesundheitssystem, bestmöglich zu klären und abzuwägen, sie transparent zu
       kommunizieren und [2][gut zu begründen] sowie bestehende Grenzen des
       Wissens über die Pandemie und Unsicherheiten in der Einschätzung ihrer
       Entwicklung klar zu benennen“, mahnt das Gremium.
       
       Zu den effektivsten Mitteln, sich vor einer Ansteckung mit dem Virus zu
       schützen, zählen die Wissenschaftler neben Abstand und regelmäßigem
       Händewaschen auch Masken – und zwar auch in Innenräumen, sollte dort der
       Mindestabstand nicht eingehalten oder häufiger Luftaustausch unmöglich
       sein. Sie empfehlen in diesem Zusammenhang,
       [3][„Hochleistungsluftfiltersysteme“ einzusetzen].
       
       ## Kürzere Quarantäne
       
       Die Interessen von Kindern, aber auch von alten Menschen in Pflegeheimen
       dürften nicht noch einmal einzig dem Infektionsschutz untergeordnet werden:
       „Bei allen Schutzmaßnahmen gilt es, differenzierter als bislang die Rechte
       Betroffener zu wahren.“ Psychische Belastungen hätten in der Pandemie
       zugenommen; unerlässlich sei daher „ein deutlich vergrößertes
       psychotherapeutisches bzw. psychiatrisches und beratendes Angebot
       hinsichtlich Prävention und Therapie“ sowie „die Förderung körperlicher
       Bewegung“.
       
       Daneben spricht sich das Gremium dafür aus, die Isolationszeit nach
       Symptombeginn bei einer nachgewiesenen Infektion auf „etwa eine Woche“ zu
       verkürzen und die Quarantänezeit von Personen, etwa Rückkehrern aus
       Risikogebieten, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren, von
       derzeit 14 auf 10 Tage zu reduzieren.
       
       Tests sollen weiterhin eine zentrale Rolle dabei spielen, das
       Infektionsgeschehen zu kontrollieren. Hierzu sei es nötig, gezielt und
       abhängig vom jeweiligen Infektionsrisiko zu testen und Teststrategien
       festzulegen, die besonders schutzbedürftige Gruppen priorisierten. Die Zeit
       zwischen Test und der Kommunkation des Ergebnisses an den Patienten müsse
       verkürzt werden. Außerdem würden „zeitsparende, laborunabhängige und
       dezentral durchführbare Testverfahren“ gebraucht, die schneller als bisher
       eine Sars-CoV-2-Infektion von einer gewöhnlichen Erkältung oder der Grippe
       unterscheiden könnten. Antigen-Schnelltests könnten „trotz einer geringeren
       Spezifität und Sensitivität den Nachweis einer Infektiosität erbringen“.
       
       23 Sep 2020
       
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