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       # taz.de -- Steigende Infektionszahlen in Berlin: Kommando: zurück
       
       > Der Turning-Point ist erreicht: Nun drohen wieder Verschärfungen der
       > Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie.
       
   IMG Bild: Der Sommer und die Party sind zuende: Corona ist zurück. Friedrichshain Ende September
       
       Es ist schon spannend, in diesem Jahr in Echtzeit verfolgen zu können, wie
       Wissenschaft funktioniert, sprich wie sie versucht, den richtigen Umgang
       mit der Coronakrise zu ergründen, zu erklären und schließlich von der
       Politik umsetzen zu lassen. Ein bisschen fühlt man sich dabei freilich wie
       eine Labormaus, der – zusammen mit Millionen weiteren Tieren – immer wieder
       neue Vorgaben vorgesetzt werden. In dieser Woche hat sich deren
       Zusammensetzung zwar nicht verändert. Aber es gab einen Vorgeschmack, auf
       das, was kommen dürfte. Und der war ziemlich fad.
       
       Am Donnerstag hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD)
       ausgesprochen, was viele bereits befürchteten. Er gehe davon aus, „dass wir
       tatsächlich auch wieder Einschränkungen vornehmen müssen, bei diesen Feiern
       vor allen Dingen im öffentlichen Raum. Das wird man so nicht zulassen
       können“, so Müller mit Blick auf die Senatssitzung kommenden Dienstag.
       Zuvor waren Anfang der Woche erstmals zwei der drei Corona-Ampeln – das
       Warnsystem des Senats – auf Gelb gesprungen; die Zahl der Infektionen in
       mehreren Innenstadtbezirken ist sprunghaft gestiegen.
       
       Vor allem 20- bis 35-Jährige würden sich derzeit infizieren und damit das
       Virus potenziell auch weitergeben, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs
       Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) der taz. Hotspots seien
       Partys, so der Stadtrat. „Wir werden die bekannten Expositionsorte stärker
       kontrollieren.“ Parallel dazu häufen sich die ausländischen Orte, die vom
       Robert Koch-Institut zu Risikogebieten erklärt wurden.
       
       Es geht also wieder los. Das in den vergangenen Monaten mühsam
       zusammengebastelte Gefühl einer weitgehenden Normalität – trotz
       Mund-Nasen-Schutz und reduziertem Platzangebot im Kino, trotz
       Namenserfassung in der Kneipe und dauerhändewaschenden Schulkindern –
       dürfte in den nächsten Wochen wieder jener Unsicherheit weichen, die viele
       schon im April und Mai beherrscht hat. Anders als damals wird der
       Einschnitt aber nicht so drastisch und schnell kommen, sondern langsam,
       nach und nach und stets mit der Frage verbunden, ob die jüngsten Maßnahmen
       ausreichen. Sprich: ob es wieder zu einem Lockdown kommen wird und muss.
       
       Darüber Prognosen anzustellen, ist schwer und reichlich unseriös.
       Verhindern ließe sich viel, gleichzeitig will man ja auch Dinge möglich
       bleiben lassen – womit jetzt nicht Fußballbundesligaspiele ohne Abstand
       Marke Union Berlin gemeint sind. Und es sind nicht nur die Politik und die
       Wissenschaft, die seit März mehr Erkenntnisse über Corona gewonnen haben
       und entsprechend feiner reagieren können. Auch die Menschen, sprich die
       Mäuse in den Laboren, haben ihre Erfahrungen gemacht und Verzicht gelernt.
       Und mal ehrlich: Was wäre schlimm daran, wenn 2020 ohne Weihnachtsmärkte zu
       Ende ginge?
       
       26 Sep 2020
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bert Schulz
       
       ## TAGS
       
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