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       # taz.de -- Corona-Tests nur bei Rumänen: Abstrich mit fadem Geschmack
       
       > Die Stadt Wesselburen in Dithmarschen will ihre Einwohner auf den
       > Corona-Virus testen – aber nur die aus Rumänien. Das könnte
       > stigmatisierend wirken.
       
   IMG Bild: Der Infektionskette keine Chance: Abstrich für einen Corona-Test, hier Ende Juli in Heide
       
       Hamburg taz | Die rumänischen Bürger der schleswig-holsteinischen
       Kleinstadt Wesselburen sollen sich auf das Coronavirus testen lassen.
       Entsprechende Postwurfsendungen mit der Bitte, einen Test zu machen, sollen
       am Donnerstag ausschließlich an rumänische Haushalte verteilt werden. Grund
       dafür ist eine große Zahl an Infektionen, besonders unter den rumänischen
       Einwohnern.
       
       Der rumänische Honorargeneralkonsul Klaus Rainer Kirchhof hält das Vorgehen
       für unglücklich. „Ich finde es fragwürdig, eine Bevölkerungsgruppe
       herauszugreifen“, sagt er. Die eigentlich anzuwendende Strategie müsste
       darin bestehen, das Umfeld der positiv Getesteten abzuklopfen, anstatt
       pauschal gegen eine Bevölkerungsgruppe vorzugehen. Er fühlt sich an einen
       Vorfall im Juni in Göttingen erinnert, wo ein ganzer [1][Wohnblock aufgrund
       von Corona-Infektionen abgeriegelt] worden war.
       
       Wesselburen, etwa 25 Kilometer südlich von St. Peter-Ording gelegen, hat
       3.400 gemeldete Einwohner. Mehr als 500 von ihnen sind rumänische
       Staatsbürger. „28 von ihnen sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert“,
       teilte der Kreis Dithmarschen am Dienstag in Heide mit. Sie stellten damit
       einen Großteil der – Stand Mittwoch – 39 Infizierten im Landkreis.
       
       Deswegen, und weil alle Infizierten in Wesselburen Rumänen sind, hält es
       Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos) für geradezu zwingend, sich auf diese
       Gruppe zu konzentrieren. „Wir behandeln die wie alle anderen auch“,
       versichert Mohrdieck. Am liebsten hätte er zwar ganze Stadtviertel
       getestet, sagt er, aber dafür hätten die Kapazitäten nicht gereicht.
       Naheliegend sei die Fokussierung auch, weil die Rumänen weitgehend unter
       sich blieben. Dazu kämen die teils beengten Wohnverhältnisse, die unter
       anderem dadurch entstünden, dass Menschen nur zum Arbeiten herkämen.
       
       Kontakte gebe es trotz eines Integrationsprogramms, das bis zum Beginn der
       Coronakrise lief, vornehmlich über die Schulen und Kindergärten. Dort seien
       die Infektionen auch aufgefallen. Bei der Kontaktverfolgung habe der Kreis
       im ersten Anlauf 140 Personen identifiziert – nicht nur Rumänen –, die
       aufgefordert worden seien, sich testen zu lassen. Aber die 28 bildeten eben
       den größten Schwerpunkt in Dithmarschen.
       
       „Die Rumänen sind eine Gemeinde für sich“, bestätigt Gunter Gust,
       SPD-Fraktionschef im Wesselburener Stadtrat. „Es ist schwierig, Kontakt
       aufzubauen.“ Dass nur die Rumänen aufgefordert werden sollen, sich testen
       zu lassen, habe ihn durchaus stutzig gemacht. „Ein gutes Bild ergibt das
       nicht“, sagt Gust. Doch die Testkapazitäten seien nun mal begrenzt und der
       Test überdies freiwillig.
       
       Die Coronatestungen auf freiwilliger Basis sollen auf dem Gelände einer
       Arztpraxis stattfinden. Die mobile Abstrichpraxis der Kassenärztlichen
       Vereinigung habe aus Kapazitätsgründen nicht kurzfristig für eine solche
       Testreihe zur Verfügung gestanden, hieß es.
       
       Dass die Fokussierung der Tests auf eine Gruppe Menschen stutzig macht,
       freut die Antidiskriminierungsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein,
       Samiah El Samadoni. So eine Fokussierung auf eine Gruppe sei nur in
       Ordnung, wenn sich der Grund dafür direkt aus dem Infektionsgeschehen
       ergebe. Auch sie fände es besser, wenn quartiersweise und nicht nach
       Nationalität getestet würde, um eine Stigmatisierung zu verhindern. Der
       Knackpunkt, warum es aber doch in Ordnung sei, sei die Freiwilligkeit:
       „Dass es ein Angebot an die rumänischen Mitbürger ist, das im Übrigen
       kostenlos ist“.
       
       Landrat Mohrdieck versichert: „Wir wollen diese Menschen schützen.“
       Schließlich wollten sie ja arbeiten und die Landwirte seien auf sie
       angewiesen. Schon vor der Ferienzeit habe der Kreis Heimreisende vor einer
       möglichen Ansteckung in Rumänien gewarnt.
       
       Der Kreis gehe auf die Leute mit einem Dolmetscher und Wurfsendungen in
       ihrer Landessprache zu. „Es ist ein weiterer Versuch, sich dem
       Infektionsgeschehen zu nähern“, sagt der Landrat. Es gebe ja auch keine
       Gewissheit, dass die eingeladenen Menschen zu dem Test erschienen. Eine
       Diffamierung oder Diskriminierung könne er deshalb nicht erkennen.
       
       Wegen der stark gestiegenen Coronazahlen reagierten die Gemeinde und der
       Landkreis mit allgemeinen Einschränkungen in Wesselburen. So wurden der
       Sportplatz, Spielplätze und die Bücherei bis zum 11. Oktober geschlossen,
       dito die Kita. Die Schulen machen Distanzunterricht.
       
       1 Oct 2020
       
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