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       # taz.de -- AKK, Maas und Spahn zu Fall Nawalny: Spielball Nord Stream 2
       
       > Spitzenpolitiker*innen überlegen laut, wie man Russland zu Aufklärung im
       > Fall Nawalny bewegen kann. Mehr und mehr im Fokus: die Gaspipeline Nord
       > Stream 2.
       
   IMG Bild: Kippt Deutschland das Pipelineprojekt? Vor Rügen verlegt 2018 ein Schiff die Rohre für Nord Stream 2
       
       Berlin dpa/reuters | Nach Außenminister Heiko Maas (SPD) hat auch
       Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Zukunft der Ostsee-Pipeline Nord
       Stream 2 mit dem Fall des [1][vergifteten russischen Oppositionellen Alexei
       Nawalny] verknüpft. „Es hat Russland vor allem in der Hand, ob und wie es
       mit Nord Stream 2 weitergehen kann“, sagte Spahn am Sonntagabend im
       Politik-Talk „Die richtigen Fragen“ auf Bild live. Es liege klar an der
       Führung in Moskau, aufzuklären und aus ihrer „sehr trotzigen Haltung“
       herauszukommen.
       
       Maas hatte zuvor der Bild am Sonntag gesagt: „Ich hoffe nicht, dass die
       Russen uns zwingen, unsere Haltung zu Nord Stream 2 zu ändern.“ In der
       ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sagte der Minister, es gebe weiter gute
       Gründe für die Pipeline. Er verwies erneut auf 100 Unternehmen, die an dem
       Projekt beteiligt seien, die Hälfte davon aus Deutschland. Er betonte aber
       zugleich, er halte es für falsch, „von vornherein auszuschließen, dass das,
       was zurzeit stattfindet, überhaupt irgendwelche Auswirkungen auf dieses
       Projekt haben könnte“.
       
       Auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zeigte sich am
       Sonntag offen für [2][Sanktionen gegen Russland bei der Gaspipeline Nord
       Stream 2]. „Ich habe immer gesagt, dass Nord Stream 2 für mich kein
       Herzensprojekt ist“, sagte die CDU-Chefin zu Reuters. „Für mich war dabei
       immer klar, dass die berechtigten Sicherheitsinteressen der
       mittelosteuropäischen Staaten und der Ukraine berücksichtigt werden
       müssen.“
       
       Die Bundesregierung hat Russland zwar mit harten Worten zur Aufklärung der
       Vergiftung Nawalnys aufgefordert, eine Verknüpfung des Falls mit dem
       deutsch-russischen Gasprojekt bislang aber vermieden. Russland bestreitet,
       in die Vergiftung des Oppositionellen verwickelt zu sein.
       
       ## Einigkeit nur bei der Uneinigkeit
       
       Maas forderte Russland erneut auf, zur Aufklärung beizutragen. Er wies in
       der ARD Vorwürfe aus Russland, die deutsche Seite würde Ermittlungen
       bremsen, als „weitere Nebelkerze“ zurück und betonte, man habe bereits dem
       russischen Botschafter gesagt, dass man einem Rechtshilfeersuchen Russland
       zustimmen werde.
       
       Die Ostsee-Pipeline ist fast fertig und soll Erdgas von Russland nach
       Deutschland bringen. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat deutliche
       Vorbehalte gegen einen Stopp des Projekts. Er sagte in der ZDF-Sendung
       „Berlin direkt“, zwar müssten wirksame Sanktionen diskutiert werden. Diese
       müssten aber zielgerichtet sein. Nord Stream 2 sei zu 90 Prozent fertig und
       diene den eigenen Versorgungsoptionen. Sanktionen müssten vorrangig auf
       andere Bereiche zielen, etwa auf den Handel oder auf Persönlichkeiten, „die
       in diesem Regime tätig sind“. Im Tagesspiegel (Montag) verwies er zudem
       darauf, dass Deutschland sich mit Nord Stream 2 eine Alternative zu
       US-Frackinggas offenhalte.
       
       SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich warnte vor einer übereilten Reaktion auf
       die Vergiftung Nawalnys. Konkrete Schritte würden vor allem davon
       abhängigen, „ob die russische Regierung die bisher vorliegenden
       Erkenntnisse aufklären und strafrechtlich verfolgen will“, sagte Mützenich
       den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).
       
       Klar für einen Baustopp hatte sich bereits Grünen-Fraktionschefin Katrin
       Göring-Eckardt ausgesprochen. „Die Bundesregierung muss jetzt einen Weg
       aufzeigen, wie Nord Stream 2 beendet werden kann“, sagte sie dem
       Tagesspiegel.
       
       In der CDU gehen die Positionen hingegen auseinander. Norbert Röttgen
       fordert einen Stopp des Pipelineprojekts. Mit Putin müsse man in einer
       Sprache sprechen, die er verstehe. „Die Sprache, die er versteht, ist die
       Sprache des Geldes, des Gases und der Macht. Und Nord Stream ist alles
       zusammen“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag
       in der ARD-Sendung „Anne Will“.
       
       Dagegen trat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Forderungen nach
       einem Baustopp von Nord Stream 2 entschieden entgegen. „Das ist ein völlig
       falscher Schritt“, sagte der CDU-Politiker im ARD-“Bericht aus Berlin“.
       Kretschmer verwies darauf, dass selbst im Kalten Krieg die
       Rohstofflieferungen weitergingen.
       
       Die Linke-Außenexpertin Sevim Dagdelen warnte bei „Anne Will“, mit einem
       Stopp des Projekts würde sich Deutschland „ins eigene Knie“ schießen. Auch
       wäre dies eine direkte Wahlkampfhilfe für US-Präsident Donald Trump, der
       Nord Stream 2 unbedingt verhindern will.
       
       7 Sep 2020
       
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