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       # taz.de -- Proteste in China: Mongolisch unter Druck
       
       > In der Inneren Mongolei soll der Schulunterricht früher als bisher auf
       > Mandarin stattfinden. Eltern, Lehrer und Schüler laufen dagegen Sturm.
       
   IMG Bild: Schülerinnen in Hohhot, Innere Mongolei, zu Beginn des neuen Schulhalbjahres 2019
       
       Peking taz | In der Inneren Mongolei, einer autonomen Region im Norden
       Chinas, sind die Behörden alarmiert: Etliche Lokalregierungen haben
       Fahndungsfotos von Demonstranten publiziert, grobkörnige Aufnahmen von
       öffentlichen Überwachungskameras. Auf die mutmaßlichen „Unruhestifter“ hat
       der Sicherheitsapparat Belohnungsprämien von umgerechnet 130 Euro
       ausgesetzt. „Jeder, der sich auf öffentlichen Plätzen versammelt, wird von
       der Polizei untersucht“, heißt es in einer offiziellen Notiz.
       
       Tatsächlich kam es in den vergangenen Wochen zu den wohl heftigsten
       Protesten unter der mongolischen Minderheit seit Jahren. Laut Angaben des
       „Southern Mongolian Human Rights Information Center“ mit Sitz in New York
       sind tausende Schüler, Lehrer und Eltern auf die Straße gezogen. Auf
       Videos, die in sozialen Medien zirkulieren, protestieren wütende
       Demonstranten vor Schulgebäuden. Etliche Eltern sollen ihre Kinder davon
       abgehalten haben, zur Schule zu gehen.
       
       Anstoß der – in China äußerst selten vorkommenden – Proteste ist eine
       überraschend eingeführte Bildungspolitik der Zentralregierung. Demnach
       solle der Unterricht in Grund- und Mittelschulen schon früher als bisher
       auf Mandarin abgehalten werden, dem Hochchinesisch der
       Mehrheitsbevölkerung. „Unsere Sprache wird langsam verschwinden – die
       Eltern der Schüler sind daher besorgt“, zitiert das Wall Street Journal
       eine Textilverkäuferin aus der Stadt Xilinhot.
       
       Tatsächlich führt die chinesische Regierung unter Präsident Xi Jinping
       einen zunehmend offensiveren Kurs gegen die Minderheiten des Landes, sich
       in die Gesellschaft stärker einzugliedern. Dabei geht es sowohl darum, die
       soziale Durchlässigkeit zu fördern als auch für mehr Patriotismus zu
       sorgen. „Alle ethnischen Gruppen müssen sich eng umarmen wie die Samen
       eines Granatapfels“, lautet ein vielzitierter Propaganda-Slogan von Xi.
       
       ## Versuch der Zwangsassimilierung
       
       Als Außenstehender fällt es schwer, die Aufregung um das bilinguale
       Schulprogramm nachzuvollziehen. Doch Kritiker sehen darin einen möglichen
       Versuch der Zwangsassimilierung der ethnischen Mongolen innerhalb der
       Volksrepublik. Die Anzahl an Schulen, die noch auf Mongolisch unterrichten,
       ist in den letzten Jahren bereits deutlich gesunken.
       
       Das Thema löst vor allem deshalb starke Emotionen aus, weil die
       Zentralregierung auch in den Minderheitenregionen Tibet und Xinjiang
       ähnliche Bildungsprogramme eingeführt hat, die zeitgleich von einer
       repressiven Politik begleitet wurden.
       
       In Xinjiang wurden nach NGO-Schätzungen hunderttausende [1][muslimische
       Uiguren] in Internierungslager gesperrt, die Peking als
       „Ausbildungszentren“ betrachtet. Von daher sind Ängste durchaus
       verständlich, dass die Zentralregierung auch in der Inneren Mongolei
       versuchen könnte, die tolerierten Grenzen für die Ausübung der mongolischen
       Kultur immer enger zu ziehen.
       
       Die Proteste haben sich vor allem im Internet abgespielt, wo Lehrer, Eltern
       und Schüler Petitionen gegen das bilinguale Bildungsprogramm unterschrieben
       haben. Die Behörden haben mit massiver Härte reagiert: Eltern, die ihre
       Kindern von der Schule fern hielten, wurden Kündigungen angedroht. Viele
       von ihnen mussten Schweigegelübde unterschreiben, sich nicht mehr gegen das
       bilinguale Schulprogramm auszusprechen.
       
       ## Erhöhte Polizeipräsenz
       
       Die Polizeipräsenz rund um Schulgebäude in der Inneren Mongolei ist dieser
       Tage deutlich erhöht. Ausländische Journalisten, die sich dort zu
       Recherchen aufhalten, werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Eine
       Reporterin der L.A. Times wurde auf eine Polizeiwache gebracht und der
       Provinz verwiesen. Demonstranten drohen zudem mehrjährige Haftstrafen.
       
       Die Innere Mongolei, ein dünn besiedeltes Steppengebiet, ist fast viermal
       so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Dort leben knapp sechs
       Millionen ethnische Mongolen, rund doppelt so viel wie in der Mongolei
       selbst. Dennoch sind sie in der Inneren Mongolei selbst zur Minderheit
       geworden, acht von zehn Einwohnern sind Han-Chinesen.
       
       Relativ explizite Unterstützungsbekundungen kommen von der mongolischen
       Politik: „Die Muttersprache zu lernen und zu benutzen, ist ein
       unveräußerliches Recht für alle. Die Wahrung dieses Rechts ist eine
       Möglichkeit für China, eine respektable und verantwortungsvolle Macht zu
       sein“, hat etwa der ehemalige Präsident Tsachiagiin Elbegdordsch auf seiner
       Facebook-Seite gepostet.
       
       5 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Minderheiten-in-China/!5661414
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Fabian Kretschmer
       
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