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       # taz.de -- Krise der WTO: Welthandel ohne Chef
       
       > Die Welthandelsorganisation steht ohne Chef da, die Staaten sind
       > zerstritten wie nie. Selbst eine Zwischenlösung wird von den USA
       > blockiert.
       
   IMG Bild: Vor dem WTO-Sitz in Genf stehe die Lichter auf Rot
       
       Genf dpa/rtr | Mitten in der coronabedingten weltweiten Rezession ist die
       wichtigste internationale Organisation für Kooperation im Welthandel
       führungslos geworden. Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation
       (WTO), Roberto Azevêdo aus Brasilien, [1][hat seinen Posten am 31. August
       vorzeitig verlassen]. Er wechselt zum Getränkekonzern PepsiCo. Die
       zerstrittenen Mitgliedsländer konnten sich nicht auf einen Übergangschef
       einigen.
       
       Über die Nachfolge von Azevêdo soll nach Angaben des Mitgliederrats im
       November entschieden werden. Handelsdiplomaten in Genf glauben nicht, dass
       die Entscheidung vor den US-Wahlen am 3. November fällt. Um den Posten
       bewerben sich Kandidatinnen und Kandidaten aus Ägypten, Großbritannien,
       Kenia, Mexiko, Moldau, Nigeria und Saudi-Arabien.
       
       „Dies ist in der Tat ein neuer – wenn auch leider nicht unerwarteter –
       Tiefpunkt für die WTO“, sagte der kanadische Ökonom Rohinton Medhora,
       Präsident des Instituts Centre for International Governance Innovation.
       „Die Organisation ist seit einiger Zeit, genauer gesagt seit mehreren
       Jahren, richtungslos und wird nun funktional führungslos sein.“
       
       ## Deutscher als Zwischenlösung?
       
       Die Mehrheit der 164 Mitgliedsländer wollte dem Vernehmen den deutschen
       Vizegeneraldirektor Karl Brauner als Übergangschef einsetzen. Die USA
       wollten aber nur den amerikanischen Vize Alan Wolff akzeptieren. Mangels
       Einigung führen die insgesamt vier Stellvertreter die Geschäfte nun
       gemeinsam weiter. Neben Brauner und Wolff sind das Yonov Fred Agah aus
       Nigeria und Xiaozhun Yi aus China.
       
       Abgesehen von den verheerenden Folgen der Coronakrise für den Welthandel
       steckt die Organisation selbst auch in der tiefsten Krise seit ihrer
       Gründung 1995. Sowohl der Graben zwischen den großen Handelsblöcken USA,
       China, EU als auch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wächst. Die
       USA blockieren zudem das zentrale Organ der Streitschlichtung bei
       Handelsdisputen. Sie sehen sich in der WTO unfair behandelt und verlangen
       Reformen, ohne konkret zu werden. US-Präsident Donald Trump hat mit dem
       Austritt gedroht.
       
       Die WTO ist keine Weltpolizei, die den internationalen Handel reguliert. Es
       ist eine Regierungsorganisation, deren Mitglieder sich auf Regeln für den
       freien Welthandel geeinigt haben. Die Länder entscheiden im Konsens, und
       jede Regierung kann Einigungen mit einem Veto verhindern.
       
       1 Sep 2020
       
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