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       # taz.de -- Waldbrände in den USA: Alle mal wegschauen
       
       > Die Bilder der Waldbrände in den USA erinnern an apokalyptische Filme.
       > Trotzdem ist die Gesellschaft nicht sehr beunruhigt – leider erwartbar.
       
   IMG Bild: Der Rauch der Brände in Kalifornien und Oregon verhüllt die Sonne: San Francisco in rotem Zwielicht
       
       Es sind Bilder, wie man sie sonst nur von Filmplakaten kennt: Rauchende
       Ruinen und Baumskelette ragen aus von rußiger Luft vernebelten
       Landschaften. Die US-amerikanischen Weltmetropolen wie Los Angeles liegen
       unter einem beige-bräunlichen oder rötlichen Schleier dunstiger Schwaden.
       Wie auf einem ziemlich übertrieben gephotoshopten Symbolbild hebt sich die
       Golden Gate Bridge in San Francisco von einem giftorangefarbenen Himmel ab
       – beim Orange County dachte man bislang eher an einen
       sonnenverwöhnt-paradiesischen Landstrich in Kalifornien, [1][nun bekommt
       der Begriff eine ganz neue Bedeutung].
       
       Als wäre der Schrecken in Orange noch nicht groß genug, [2][reiste nun
       Donald Trump in das Krisengebiet]. Alles, was ihm zu der Apokalypse
       einfällt, ist einmal mehr, dass die Demokraten halt nicht für ausreichend
       Law and Order im Wald sorgen, den man nur mal ordentlich durchfegen müsste.
       Klimawandel? Ach was!
       
       Verheerende Großbrände in den USA, in Sibirien und Australien, eine Häufung
       zerstörerischer Wirbelstürme und Überschwemmungen, durch Wetteranomalien
       ausgelöste Heuschreckenplagen biblischen Ausmaßes, das Abschmelzen der
       Polkappen und immer neue Temperaturrekorde, ob im Tal des Todes oder dem
       des Rheins – genau diese Szenarien, die wir inzwischen im Vierteljahrestakt
       in allen Ecken der Welt erleben, wurden von der Wissenschaft seit
       Jahrzehnten angekündigt, falls die vom Menschen verursachte Erderwärmung
       nicht deutlich gebremst würde.
       
       Nun zeigt sich: stimmt genau. Und die Realität entwickelt sich eher entlang
       der pessimistischeren Modelle.
       
       Die Beunruhigung in der Bevölkerung hält sich dennoch in Grenzen. In
       Deutschland scheint die Sorge eher der Frage zu gelten, wann wieder wie
       viele Zuschauer in die Bundesligastadien dürfen und ob die
       Verbrennungsmotor-Industrie bloß keinen Coronaschaden erleide. Und in den
       USA will immer noch rund die Hälfte der Menschen Trump zum Präsidenten
       wählen, dem zum Klimawandel nichts anderes einfällt als: „Ich glaube nicht,
       dass die Wissenschaft das wirklich weiß.“
       
       Immerhin, ein Fortschritt ist erkennbar: Während bei uns immer noch
       abgehalfterte Lungenärzte, Zausel aus selbst ausgedachten
       Forschungsinstituten, gezuzelt werden, die dann behaupten, die Wissenschaft
       sei sich nicht einig, bestreitet Trump das gar nicht – er glaubt ihr nur
       nicht.
       
       ## Fehlt es an Bildern?
       
       Ein beliebter Erklärungsansatz lautete stets, es fehle den Menschen an
       Bildern. Die Klimakatastrophe käme schleichend und unsichtbar daher,
       deswegen fiele es schwer, adäquat auf sie zu reagieren. Von wegen. Würde
       man die Katastrophenbilder der vergangenen drei Jahre hintereinander
       schneiden, käme ein Eins-a-Hollywood-Weltuntergangsschocker dabei herum,
       sogar ganz ohne Special Effects.
       
       Auch der Erklärungsansatz, der Wandel sei von den Menschen nicht erfahrbar,
       dürfte sich erledigt haben. Ob im Münsterland oder in Brandenburg – überall
       hört man Klagen über die stetig zunehmende Trockenheit, und dass es das so
       früher nicht gegeben habe. Die großen Umwälzungen sind längst
       Alltagserfahrung.
       
       Dagegen scheint am Ende nur eine Mischung aus Beschwichtigung und blankem
       Wunderglauben zu helfen. „Es wird wieder kälter werden, du wirst sehen“,
       sagte Trump in Kalifornien. Eine Prognose, so fundiert und
       vertrauenseinflößend wie seine Versicherung, das Coronavirus werde schon
       ganz von selbst sehr bald wieder verschwinden. Offensichtlich reicht das,
       damit wir die von den Rauchschwaden brennen Augen vor der Bedrohung
       schließen. Andererseits: Was will man erwarten von einer Gesellschaft, in
       der die Leute ernsthaft an kindersaftsaugende Eliten, Impf- oder jüdische
       Weltverschwörungen, an Globuli, Jungfrauengeburt, Fegefeuer und göttliche
       Belohnungen für Märtyrer glauben?
       
       Da helfen am Ende keine Bilder, da hilft wohl nur beharrliche Aufklärung.
       „United behind the Science“ – höchste Zeit, dass die
       Fridays-for-Future-Kids wieder aus dem Lockdown kommen und den kindischen
       Wunderglauben der Alten unter Feuer nehmen.
       
       16 Sep 2020
       
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