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       # taz.de -- Bedrohte Freiräume in Berlin: Potse bleibt, aber Räumung kommt
       
       > Das Räumungsurteil für das Jugendzentrum Potse wurde am Montag
       > gerichtlich bestätigt. Die Jugendlichen wollen die Potsdamer Straße 180
       > besetzt halten.
       
   IMG Bild: Jugendliche der bedrohten Potse protestieren mit einem Banner gegen die Verdrängung
       
       BERLIN taz | Das Amtsgericht Tiergarten hat das Räumungsurteil für das
       selbst verwaltete Jugendzentrum Potse in Schöneberg bestätigt. Nachdem das
       Urteil bereits im Juli gefallen war, hatte sich der Verein, der das
       Jugendzentrum betreibt, mit einem Einspruch gewehrt. Rein rechtlich steht
       einer Räumung durch den Bezirk mit dem am Montagmorgen bestätigten Urteil
       jetzt nichts mehr im Wege.
       
       Grund der Klage gegen die [1][Potse] war die Kündigung des
       Nutzungsvertrages durch den Bezirk. Der Bezirk ist Mieter der Räume des
       Jugendzentrums. Zuvor hatte der Eigentümer den Anfang 2019 endenden
       Mietvertrag nicht mehr verlängert. Das Jugendzentrum weigert sich gegen
       eine Übergabe der Räume und hält die Potsdamer Straße 180 besetzt.
       
       Laut Oliver Schworck (SPD), Jugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg,
       bereitet der Bezirk bereits die Räumung vor – unabhängig von der heutigen
       Bestätigung des Urteils. Eine Zwangsräumung „muss es geben“, wenn die
       Jugendlichen die Potse weiterhin besetzt halten, sagte Schworck der taz.
       „Wir können uns jetzt nicht zurücklehnen“, meint er und verweist auf die
       Kosten, die durch die Besetzung entstünden.
       
       Bis die Potsdamer Straße 180 geräumt wird, könne es aber einige Zeit
       dauern, da dafür noch viele rechtliche Schritte gemacht werden müssten –
       etwa ein Antrag beim Gerichtsvollzieher.
       
       „Nach wie vor sind wir im Gespräch mit der Potse und immer noch dabei,
       einen anderen Weg zu finden“, erklärt Schworck. Ein alternatives Gebäude
       habe man nicht gefunden, weil zur Auswahl stehende Räumlichkeiten wegen
       Beschränkungen, Lärmschutz oder schlechter Erreichbarkeit bislang nicht
       infrage gekommen seien. „Wir haben die Hoffnung, dass wir wenigstens für
       eine Zwischenzeit eine Lösung finden“, sagte er.
       
       Kritik gibt es weiterhin vonseiten des Jugendzentrums. Zum bestätigten
       Räumungsurteil meint Isa von der Potse: „Wir sind nicht sonderlich
       überrascht darüber. Trotzdem fordern wir natürlich, dass sich der Bezirk
       Tempelhof-Schöneberg nicht auf eine gewaltvolle Räumung einlässt“, so Isa,
       „sondern weiterhin eher nach Ersatzmöglichkeiten sucht.“
       
       Sie verweist auf den Drugstore, das Jugendzentrum, das zuvor ebenfalls in
       der Potsdamer Straße 180 ansässig war und nun [2][seit etwa eineinhalb
       Jahren „auf der Straße sitzt“]. Grund dafür ist, dass der Bezirk für den
       Drugstore zwar neue Räume in der Potsdamer Straße 134/136 angemietet hatte,
       die jedoch noch umgebaut werden sollten. Dem Drugstore war gesagt worden,
       dass das ein halbes Jahr dauern würde. Bis heute konnte das Jugendzentrum
       die Räume aber nicht beziehen. Die stehen außerdem nur für eine leise
       Nutzung zur Verfügung und kommen daher für Veranstaltungen wie Konzerte,
       die eigentlich wichtiger Bestandteil des Programms der Jugendzentren sind,
       nicht infrage.
       
       „Es kann nicht sein, dass das gesamte Land Berlin keine Ersatzräume für
       Potse und Drugstore hat“, meint Isa. Dem Bezirksstadtrat wirft sie vor, er
       erzähle in der Öffentlichkeit, „dass er sich für uns einsetzt, aber wir
       wissen genau, dass er das nicht tut“. Die Potse bleibe dabei, dass sie die
       Räume nicht verlassen.
       
       14 Sep 2020
       
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