# taz.de -- Konflikt zwischen Ankara und Athen: Aufrüstung am Mittelmeer
> In der Vergangenheit haben die USA verhindert, dass der Streit zwischen
> der Türkei und Griechenland eskaliert. Jetzt muss das die EU übernehmen.
IMG Bild: Auf Konfliktkurs: Griechische Militärübung im östlichen Mittelmeer
Die Welt hat sich leider daran gewöhnt, dass am Südostrand des Mittelmeeres
immer wieder Krieg geführt wird. Dagegen war der nördliche Rand des
östlichen Mittelmeers bislang vergleichsweise stabil. Und das, obwohl die
[1][Konflikte zwischen Griechenland und der Türkei] bereits Jahrzehnte vor
sich hin schwelen. Dass daraus bislang kein offener militärischer
Schlagabtausch wurde, ist ein Verdienst der Nato und da insbesondere der
Vormacht USA.
Dass die USA einen Krieg zwischen Griechenland und der Türkei in der
Vergangenheit verhindern konnten, lag auch daran, dass beide Länder im
Wesentlichen ihr Kriegsgerät aus ebenden USA bezogen. Jahrzehntelang gab es
sogar einen festen Schlüssel, nach dem die US-Regierungen beide Länder mit
Militärgerät versorgten und dadurch auch den Einsatz der Waffen steuern
konnten.
Beide Länder haben sich von dieser „Bevormundung“ weitgehend „befreit“ –
natürlich auch durch die Veränderung der geopolitischen Lage – und können
nun ungehemmt ihre Interessen vertreten. Die Türkei hat schon länger massiv
aufgerüstet und sich mit einer eigenen Rüstungsindustrie „unabhängiger“ von
Lieferungen aus dem Ausland gemacht. Griechenland, durch die Finanzkrise
ins Hintertreffen geraten, will nun nachlegen. Weil Emmanuel Macron sich im
Konflikt mit der Türkei so enorm „solidarisch“ gezeigt hat, kauft Athen zum
Dank Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in Frankreich.
Das Ganze ist nicht nur hochgefährlich, sondern auch ohne Krieg schon fatal
für die Bewohner beider Länder. Das Geld fehlt für die Versorgung, die
Wirtschaft liegt in Griechenland und in der Türkei am Boden.
Nach dem Motto „Nationalismus ist das Brot der Armen“ heizen der türkische
Präsident Erdoğan und der konservative griechische Ministerpräsident
Mitsotakis den Konflikt immer weiter an. [2][Die EU schaut zu] und lässt
Macron mitzündeln, statt energisch [3][das Vakuum zu füllen], das der
Rückzug Washingtons hinterlassen hat. Da wünscht man sich doch fast die
alten Amis zurück.
13 Sep 2020
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## AUTOREN
DIR Jürgen Gottschlich
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Dabei braucht diese niemand wirklich.