# taz.de -- Streit zwischen Türkei und Griechenland: Europas Verantwortung
> Mit Griechenland und der Türkei streiten sich Nato-Partner um Gas im
> Mittelmeer. Die USA halten sich raus. Nun versucht es der
> Bundesaußenminister.
IMG Bild: Im Auftrag Europas: Heiko Maas am 25. August in Athen
Entspannung und Dialog war das Motto, unter dem Außenminister Heiko Maas am
Dienstag sowohl Athen als auch Ankara besuchte. Die Bundesregierung ist zu
Recht besorgt über das Säbelrasseln zwischen der [1][Türkei und
Griechenland], das bereits zum Zusammenstoß zweier Kriegsschiffe geführt
hatte und jederzeit in einen bewaffneten Konflikt ausarten kann. Im Streit
um die Ausbeutung der [2][Öl- und Gasvorkommen] im östlichen Mittelmeer
hatte Maas sich vorgenommen, beide Seiten an den Verhandlungstisch zu
bringen.
Das ist eine schwierige Mission. Beide Länder sehen sich voll im Recht,
niemand will Kompromisse machen. Mehrmals hat bereits Bundeskanzlerin
Merkel mit dem griechischen Premier Mitsotakis und dem türkischen
Präsidenten Erdoğan telefoniert, bislang ohne Erfolg. Mitsotakis brüskierte
sie, indem er einen Tag nach dem Gespräch einen Vertrag mit Ägypten
unterzeichnete, der die Türkei zusätzlich provozierte; und Erdoğan schickt
statt Friedensangeboten immer neue Kriegsschiffe in Richtung Griechenland.
Bislang wurden die Streitigkeiten zwischen den beiden Nato-Partnern im
Notfall in Washington gelöst. Als Nato-Vormacht vermochten es die USA,
[3][Konflikte in der Ägäis] zu deckeln, bevor es zu militärischen
Auseinandersetzungen kam. Seit die USA unter Präsident Trump diese Rolle
nicht mehr wahrnehmen, ist Europa in der Verantwortung. Die letzten Wochen
haben gezeigt, dass Deutschland allein dafür nicht genug Gewicht hat. Maas
kann nur etwas erreichen, wenn er beiden Seiten glaubwürdig mit
Konsequenzen drohen kann, und dafür braucht er die anderen EU-Mitglieder,
allen voran Frankreich. Mit ihrem Besuch bei Macron am vorletzten
Wochenende hat Merkel erreicht, dass Frankreich nun eine deutsche
Vermittlung unterstützen will.
Nach außen hin zeigen beide Länder auch weiterhin keine Bereitschaft zum
Einlenken. Maas hätte aber schon viel erreicht, wenn Erdoğan wenigstens
stillschweigend seine Forschungs- und Kriegsschiffe zurückzieht. Zumindest
dafür stehen die Chancen ganz gut.
26 Aug 2020
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## AUTOREN
DIR Jürgen Gottschlich
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