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       # taz.de -- Deutsch als Zweitsprache: Kein Grund zur Panik
       
       > Laut Bundesfamilienminsterium spricht jedes fünfte Kita-Kind zu Hause
       > kein Deutsch. Doch darauf kommt es gar nicht an, sondern auf die
       > Förderung.
       
   IMG Bild: Damit sie in der Schule besser mithalten können, fordert die FDP Sprachförderung schon in der Kita
       
       Die Deutschen und Fremdsprachen, das ist schon immer heikel gewesen. Der
       grüne Außenminister und frühere Taxifahrer Joschka Fischer erwarb im
       Crashkurs die erforderlichen Englischkenntnisse. Gerhard Schröder konnte
       Bundeskanzler werden ohne verhandlungssicheres Englisch. Er konnte seine
       Sprachkenntnisse im Laufe seiner Amtsperioden erfreulich aufbessern. Also:
       Sprachen kann man lernen.
       
       Daher ist Vorsicht angebracht, wenn jetzt wieder gemahnt und gewarnt wird
       angesichts von Zahlen des Bundesfamilienministeriums. [1][Danach spricht
       jedes fünfte Kita-Kind zu Hause kaum deutsch]. In Städten wie Bremen und
       Berlin ist es sogar jedes dritte Kita-Kind, in dessen Familie zu Hause
       nicht deutsch gesprochen wird, sondern vielleicht arabisch, türkisch,
       polnisch oder auch englisch.
       
       Anstatt aber jetzt festzustellen, dass es Hunderttausende von Kindern gibt,
       die von Hause aus eine bemerkenswerte Leistung erbringen, nämlich die
       Integration der Familiensprache einerseits mit der deutschen Sprache in
       Kita, Schule und im sonstigen Leben andererseits, anstatt also diese
       Integrationsleistung zu würdigen, wird Alarm geschlagen. Diese Kinder haben
       später schlechtere Chancen, heißt es.
       
       Dann müssten die östlichen Bundesländer die High Potentials von morgen
       hervorbringen, dort wird in fast 90 Prozent der Haushalte deutsch
       gesprochen. [2][Vielsprachigkeit ist ein Zeichen der Globalisierung], und
       es kommt auf die Sprachförderung in Kitas und Schulen und auf die soziale
       Durchmischung an, damit Kinder genug Deutsch üben, in Wort und Schrift, um
       später damit in einer beruflichen Ausbildung, im Studium und im
       Geschäftsleben zu bestehen.
       
       Es ist richtig, wenn die FDP darauf besteht, die Sprachförderung in Kitas
       auszuweiten. Parallel dazu sollte man aber den Katastrophendiskurs
       überdenken, wenn es um die Zweisprachigkeit von Kindern geht. [3][Oder
       steht dahinter eine soziokulturelle Abwertung bestimmter
       Herkunftssprachen]? Der Verdacht kommt auf.
       
       6 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article215084538/Kitas-Jedes-fuenfte-Kind-spricht-zu-Hause-kaum-Deutsch.html
   DIR [2] /Sprachenvielfalt-in-Europa/!5595028&s=vielsprachigkeit/
   DIR [3] /Neues-Buch-von-Politologe-Max-Czollek/!5703362&s=integrationsleistung/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Dribbusch
       
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