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       # taz.de -- Die Wahrheit: Schallallalie – überall Widerhall!
       
       > Wenn das liebe Tal um mich dampft, von oben der Ruf nach Echo stampft:
       > Das Spiel mit dem Schall wird einfach nie alt.
       
   IMG Bild: Hier ist beim Echo samt Schluchtenjuchzen wohl irgendwas schiefgegangen...
       
       Die Nymphe Echo gilt als Erfinderin des Echos, doch eigentlich verdanken
       wir das Phänomen des Widerhalls der rachsüchtigen Hera. Im Auftrag von Zeus
       hatte die gesprächige Nymphe dessen argwöhnische Gattin Hera in langen
       Gesprächen hingehalten, sodass dieser seinen amourösen Abenteuern nachgehen
       konnte.
       
       Als Hera dessen gewahr wurde, beraubte sie die Nymphe Echo der Sprache:
       Rache, Rache! Echo konnte fortan nur die letzte Silbe der Worte
       wiederholen, die an sie gerichtet wurden. Die sprachlich geforderte Nymphe
       verliebte sich zu allem Überfluss ausgerechnet in den selbstverliebten
       Narziss, der sie natürlich verschmähte. Die unglückliche Nymphe soll sich
       daraufhin körperlich so nach ihm verzehrt haben, dass nur Stimme und
       Gebeine übrig blieben, die sich am Ende in Felsen verwandelten. Daher kommt
       es also, dass felsige Schluchten das Echo zurückwerfen.
       
       Die beliebte Ansage auf Anrufbeantworter und Mailboxen, „Ich bin gerade
       nicht da, aber ich rufe zurück!“, ist ein schön zeitgemäßes Echo auf das
       Verschwinden der unglücklichen Nymphe. Von Urheberrechtswegen hätte das
       Echo jedoch nach der rachsüchtigen Hera benannt werden müssen. Immerhin
       erinnert die Heraldik oder Wappenkunde an Heras Vermögen, sich gegen Zeus’
       Anfechtungen zu wappnen.
       
       Als Echo noch richtig reden konnte, sagte die Nymphe gerne: „Wie man in den
       Wald hineinruft, so ruft es zurück.“ Doch in einen Wald hineinrufen ist
       weniger ratsam, denn der schweigt meistens nur bedeutsam zurück. Für einen
       richtigen Rückruf eignet sich eine schöne Schlucht viel besser. Denn jede
       bessere Schlucht hat mindestens eine Wand, die den Schall umgehend
       zurückwirft. Dabei verschluckt sie meistens die Hälfte, doch gerade das
       macht den Schluchtenjuchzern am meisten Spaß. Schluchtenjuchzer, so nennt
       man die Jünger und Jüngerinnen der neuen Trendsportart Schluchtenjuchzen.
       In einer Zeit, wo singuläre Aktivitäten im Freien gefragt sind, ist das
       Spiel mit dem Echo der letzte Schrei.
       
       ## Reim, komm raus
       
       Dabei kommt es nicht nur darauf an, wie man in die Schlucht hineinruft,
       sondern genauso wichtig ist, was man hineinruft. Der Echoklassiker lautet
       natürlich „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ Leider ist die allseits
       bekannte Esel-Antwort völlig falsch, denn der Bürgermeister von Wesel ist
       eine Frau von der SPD und heißt Ulrike Westkamp. Wichtig für einen guten
       Echojuchzer ist aber nicht, dass er politisch korrekt ist, sondern dass er
       Spaß macht, wie schon Umberto Echo feststellte.
       
       So gefällt Ina sicherlich die Antwort auf „Wie heißt der Kaiser von
       China?“, Atze hört lieber gerne das Echo von „Wer ist der schönste Mann am
       Platze?“ und Tim beömmelt sich über „Was essen Studenten? Enten“ und die
       Uhrzeit „In Machdeburch is achte durch“, also kurz nach acht. Einzelgänger
       und Menschenfeind Kalle ruft herausfordernd: „Wen hasst Kalle?“ und grinst
       beim Echo. Dem lässt er ein schallendes „Wen ich noch mal umbringe?“ folgen
       und erntet einen vernichtenden Blick von Inge.
       
       Naturgemäß sind viele Juchzerinnen und Juchzer inhaltlich eher schlicht,
       doch die meisten stört das nicht.
       
       ## Wichtig: das Wo
       
       Der dritte Echofaktor nach dem Wie und Was ist das Wo. Dazu gibt es
       Echogeheimtipps, die nur hinter vorgehaltener Hand ausgerufen werden. Ein
       ganz alter Tipp ist der Loreleyfelsen am Rhein. „Ein Pistolenschuss lässt
       sich dort 17- bis 20-mal in den merkwürdigsten Veränderungen vernehmen.“
       Berichtet der Meyer („Wer hat Eier“) von 1875.
       
       Die Rüdesheimer Grotten sind für ihre besonders deftigen Repliken bekannt
       und ganz berühmt für die Akustik ist Halle an der Saale. Der schönste
       Echosaal ist aber der Karyatidensaal im Louvre. Dort stehen an beiden Enden
       des Raumes Vasen. Spricht man leise in die eine, hört man das leise Echo in
       der anderen.
       
       Höhepunkt der wiederholten Echolalie ist der Echoflügel der Villa Simonette
       in Maimailand. Dort wiederholt sich jedes Wowort 24 bis 30 malmal. Das weiß
       wiederum der Eiermeyer von 1875, ich-ich.
       
       Ergo: Ob in Wesel, Mailand oder am Loreleyfelsen – eins ist klar, keine
       andere Trendsportart ist so nachhallig wie das Schluchtenjuchzen!
       
       9 Sep 2020
       
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