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       # taz.de -- Armin Laschet im NRW-Lokalwahlkampf: Corona, immer wieder
       
       > NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zieht im Wahlkampf durch sein
       > Bundesland. Eigentlich ein Heimspiel – wäre da nicht der Corona-Streit.
       
   IMG Bild: Armin Laschet vor dem Wahlkampfauftakt in Castrop-Rauxel
       
       Mönchengladbach taz | In normalen Zeiten wäre der Auftritt, zu dem
       NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nach Mönchengladbach fährt, ein
       Routinetermin: Kurz vor der Kommunalwahl am kommenden Sonntag will der
       CDU-Landesvorsitzende dort den Oberbürgermeisterkandidaten Frank Boss
       unterstützen. Der sitzt seit 2017 im Landtag, soll aber ins Rathaus
       wechseln – der CDU-Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners zieht sich nach einer
       Wahlperiode ins Privatleben zurück.
       
       Angesagt ist ein Spaziergang von Laschet und Boss über den Wochenmarkt im
       Stadtteil Rheydt. Bei den meist grauhaarigen Passanten, die an diesem
       Mittwoch entspannt über den Platz vor der Hauptkirche schlendern, müssten
       die beiden Rheinländer punkten: Boss setzt auf Sicherheit, Sauberkeit und
       solide Finanzen, will aber auch Wirtschaft und Kultur nicht
       vernachlässigen.
       
       Zwar wird Laschet nicht sofort erkannt. „Mit Maske ist das immer
       schwierig“, klagt OB-Kandidat Boss. Doch dann will die Kurzwarenhändlerin
       Wulla Kangas, die neben Knöpfen und Zwirn auch Coronaschutzausrüstung im
       Angebot hat, dem Ministerpräsidenten ein durchsichtiges Gesichtsvisier
       schenken. „Geht aufs Haus“, sagt die Geschäftsfrau. „So sieht man
       wenigstens Ihr Gesicht“, wirbt Kangas. Das Angebot überzeugt, am Ende zahlt
       Boss doch für Laschet mit.
       
       Sofort danach aber ist Schluss mit Heimspiel und Harmonie. Warum nicht alle
       Corona-Einschränkungen aufgehoben werden, will ein Mann wissen, der sich
       als „Unternehmer“ vorstellt. „Wollen Sie uns alle ruinieren?“, fragt er.
       Seinen Namen will er nicht nennen: Mit „Mainstream-Medien“ rede er nicht.
       
       ## In der Defensive
       
       Wenige Meter weiter kann Laschet zwar seine zentrale Botschaft setzen: „Am
       Sonntag CDU wählen!“ Gerade nach den Bildern der [1][Reichskriegsflaggen
       vor dem Bundestagsgebäude in Berlin] müssten „alle Demokraten zusammen“
       bleiben. „Die Rechtsradikalen nutzen die Ängste vor Corona aus“, warnt der
       CDU-Bundesvize.
       
       Doch unter die Menschentraube, die sich um Laschet gebildet hat, haben sich
       neue Corona-Empörte gemischt. Nur eine Handvoll sind sie, aber laut:
       Laschets Teampartner im Kampf um den CDU-Bundesvorsitz, Gesundheitsminister
       Jens Spahn, habe doch eingeräumt, dass der „Lockdown nicht nötig“ gewesen
       sei, giftet einer. Der Coronaleugner trägt eine verspiegelte Sonnenbrille,
       weigert sich aber „aus gesundheitlichen Gründen“, eine Maske zu tragen –
       und filmt per Handy mit: „Wo sind die Entschädigungen für Unternehmer?“,
       fragt er aggressiv.
       
       Laschet ist damit wieder da, wo er seit Ausbruch der Pandemie allzu oft
       war: [2][in der Defensive].
       
       Denn unsicher wirkte der Politprofi im Kampf um CDU-Bundesvorsitz und
       Kanzlerkandidatur nicht nur gegenüber seinen Konkurrenten, dem bayerischen
       CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder und Ex-Bundestagsfraktionschef
       Friedrich Merz. Seine Forderung nach Rückkehr zu einer
       „verantwortungsvollen Normalität“ kam bei seiner zur Risikogruppe zählenden
       älteren Hauptwählerschaft nicht gut an.
       
       ## Bloß nicht hektisch und nervös wirken
       
       Und durch sein erstes Statement zum massiven Corona-Ausbruch im
       Tönnies-Schlachthof im westfälischen Gütersloh schien der
       Ex-Integrationsminister plötzlich fast ausländerfeindlich: Schuld seien
       „Rumänen und Bulgaren“, also ausgebeutete Leiharbeiter, erklärte er.
       
       In Mönchengladbach versucht Laschet, nicht schon wieder hektisch und nervös
       zu wirken. „Ich wurde doch immer dafür kritisiert, vorsichtig in die
       Normalität zurückzuwollen“, hält er den Coronaleugnern entgegen. Laschet
       erinnert an „die Bilder aus Bergamo und New York“, an die „drohende
       Überlastung des Gesundheitssystems“. Vom irrlichternden Kurs seiner
       Regierung bei der Maskenpflicht in Schulen spricht der Ministerpräsident
       nicht. Stattdessen versucht er einmal mehr, sich selbst als Mann von „Maß
       und Mitte“ darzustellen: „Wir sind vorsichtig, das ist der richtige Weg.“
       
       In Mönchengladbach kommt das gut an. Die Coronaleugner bleiben isoliert,
       Applaus bekommt der Ministerpräsident. „Ich werde ihn wählen“, sagen nicht
       wenige – und meinen nicht nur Laschets Parteifreund Boss. Vom Berliner
       Gerede, der NRW-Regierungschef werde sich nach einer verlorenen
       Kommunalwahl von seinen Ambitionen auf CDU-Bundesvorsitz und
       Kanzlerkandidatur verabschieden und stattdessen Spahn vorschicken, will
       Laschet deshalb nichts wissen: „Nichts“ hätten Kommunalwahl und
       Parteivorsitz miteinander zu tun, erklärt er knapp. Dann muss er zum
       Flieger nach Berlin.
       
       10 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
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