# taz.de -- Proteste gegen Thailands Monarchie: Ein Zeichen großen Mutes
> Junge ThailänderInnen fordern öffentlich eine neue Verfassung. Sie legen
> sich mit einer mächtigen Elite an.
IMG Bild: Studenten in Bangkok fordern am 13. August die Änderung der Verfassung in Thailand
Thailands protestierenden Studierenden und jungen AktivistInnen ist das
Risiko bewusst: Kritik an den antidemokratischen Verhältnissen und
insbesondere an Monarchie und Militär zu äußern, kann sie hinter Gitter
bringen – oder gar lebensgefährlich sein. Denn die Vergangenheit hat
gezeigt, dass das royalistische und ultrakonservative Establishment aus
führenden Generälen, Aristokraten und Technokraten seine Narrative von der
Dreieinigkeit „[1][Nation, Religion und König]“ – wenn nötig – bis aufs
Blut verteidigen wird.
Forderungen, die vor wenigen Tagen auf einem Campus der Bangkoker
Thammasat-Universität verlesen wurden, zielen auf eine nachhaltige
[2][Reform der thailändischen Monarchie] ab, die längst als Anachronismus
gilt und als deren Beschützer sich das Militär nur deswegen aufspielt, um
den eigenen Machtanspruch zu legitimieren. Zumal das Königshaus in den
vergangenen Jahrzehnten wiederholt Putsche abgesegnet hatte.
Als sich Studierende der Thammasat-Universität 1976 gegen die Rückkehr
eines drei Jahre zuvor aus dem Land gejagten Militärmachthabers auflehnten,
spitzte sich die Krise binnen kurzer Zeit zu: Als „Kommunisten“
verunglimpft, wurden viele Protestierende von rechtsgerichteten
Gruppierungen sowie Sicherheitskräften ermordet, vergewaltigt und
verstümmelt. Bis heute gilt das Massaker an der Thammasat-Universität vom
6. Oktober 1976 als einer der dunkelsten Tage in Thailands jüngerer
Geschichte.
Umso mehr ist es Ausweis großen Mutes, dass aktuell so viele
ThailänderInnen aus der jungen Generation öffentlich Änderungen der
politischen Verhältnisse fordern, etwa eine Absetzung der militärnahen
Regierung und eine [3][neue Verfassung]. Zu Recht wollen sie die vom alten
Establishment gepredigte Dreieinigkeit von „Nation, Religion, König“ so
nicht mehr mittragen. Und sie haben zu Recht die Nase voll davon, dass eine
privilegierte, aber vergleichsweise kleine Elite meint, über den Willen von
Millionen andersdenkender Landsleute bestimmen zu können.
14 Aug 2020
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## AUTOREN
DIR Nicola Glass
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