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       # taz.de -- Lindner entlässt FDP-Generalsekretärin: Teuteberg eiskalt abserviert
       
       > Angesichts mieser Umfragewerte wirft FDP-Chef Christian Lindner seine
       > Generalsekretärin Linda Teuteberg raus – ihr nachfolgen soll ein Mann.
       
   IMG Bild: Linda Teuteberg wird auf dem nächsten Bundesparteitag durch einen Mann ersetzt
       
       BERLIN taz | Seit Wochen pfiffen es die Spatzen im Berliner
       Regierungsviertel von den Dächern: FDP-Chef Christian Lindner will seine
       Generalsekretärin Linda Teuteberg abservieren. Am Montag verkündete Lindner
       nach Gremiensitzungen seiner Partei auch offiziell, die erst 2019 ins Amt
       gekommene Teuteberg durch einen Mann zu ersetzen. Auf dem Bundesparteitag
       im September will Lindner nun Volker Wissing, den FDP-Chef in
       Rheinland-Pfalz, als neuen Generalsekretär vorschlagen.
       
       „Wenn sich Themen verändern, muss sich auch die Teamaufstellung ändern“,
       sagte Lindner im Anschluss an die Sitzungen. Die Liberalen benötigten in
       der gegenwärtigen Corona-Krise ein stärkeres wirtschaftspolitisches Profil,
       sagte der Parteichef weiter. Auch die prekäre Lage seiner Partei nannte er
       – sie droht 2021 erneut aus dem Bundestag zu fliegen. Die Partei brauche
       „mehr Hilfe und Unterstützung“.
       
       Diese soll nun Volker Wissing liefern. Der 50-Jährige ist seit 2016
       Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident der in Mainz
       regierenden Ampelkoalition. Zuvor war er lange Jahre Finanzexperte der FDP
       im Bundestag. „Ich will meinen Beitrag leisten, dass wir 2021
       Regierungsverantwortung übernehmen“, erklärte Wissing bei seiner
       Vorstellung. Lindner nannte ihn einen „erfolgreichen Wahlkämpfer“, den die
       FDP für den anstehenden Wahlkampf brauche.
       
       Teuteberg war erst auf dem Bundesparteitag im April 2019 zur
       Generalsekretärin gewählt worden. Doch die gebürtige Brandenburgerin und
       Bundestagsabgeordnete blieb in diesem Amt ziemlich blass, manche hielten
       ihr vor, zu wenig angriffslustig zu sein. Dass sie ihre Statements häufig
       lächelnd vortrug, machte es nicht leichter. Andererseits haben es auch
       andere Liberale aus dem Parteivorstand schwer, durchzudringen – dass
       Lindner seine Partei stark auf sich zugeschnitten hat, machte sich da
       einmal mehr bemerkbar.
       
       Lindner will so seinen Kopf retten 
       
       Teuteberg selbst hatte bis zuletzt betont, ihre volle Amtszeit bis Mai 2021
       ausfüllen zu wollen. Doch in den Gremiensitzungen beugte sie sich Lindners
       Ankündigung nun. Sie war bei der Pressekonferenz nicht dabei, ließ nur eine
       nüchtern gehaltene Erklärung rum schicken: „Ich nehme zur Kenntnis, dass
       der Vorsitzende sich nun erklärt hat, mit mir in der Position als
       Generalsekretärin der FDP nicht zusammenarbeiten zu wollen und heute einen
       neuen Generalsekretär vorzuschlagen. Diesen Wunsch respektiere ich.“ Bis
       zum Parteitag will sie ihr Amt aber behalten.
       
       Viele Beobachter deuten Lindners Entscheidung als Versuch, seinen eigenen
       Kopf als Parteichef zu retten. [1][Seit langem steckt die Partei im
       Umfragetief], irrlichtert an der Fünf-Prozent-Hürde. Der Absturz wird vor
       allem Linder angelastet. Seine Liste an politischen Fehltritten ist lang,
       von dem Nein zu den Jamaika-Verhandlungen 2017 bis zu seinem ungeschickten
       Agieren, als in Thüringen ein Liberaler sich von der AfD zum
       Ministerpräsidenten wählen ließ.
       
       Zudem wirft der Rausschmiss von Linda Teuteberg ein Schlaglicht darauf,
       dass die FDP nach wie vor eine stark männerdominierte Partei ist. Es sind
       vor allem Männer, die das Gesicht der Partei abbilden. So gehören dem
       15-köpfigen Parteipräsidium aktuell nur drei Frauen an. Am Grundproblem
       ändert sich wenig, auch wenn nun die Finanzpolitikerin Bettina
       Stark-Watzinger ins Präsidium aufrücken soll. Als Nachfolger des
       scheidenden Schatzmeisters Hermann Otto Solms will Lindner mit dem
       Unternehmer Harald Christ ebenfalls einen Mann vorschlagen.
       
       Kritik an der Entscheidung kam bereits vor der offiziellen Ankündigung. So
       beklagte die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder, im
       ARD-Morgenmagazin: „Ich finde diese ganze Posse, die tut uns als Partei
       überhaupt nicht gut.“ Die Wähler hätten keine Lust darauf, eine Partei zu
       wählen, die sich ständig streitet. „Es ist an der Zeit, jetzt wirklich den
       Turbo anzuschmeißen, weil wir haben in gut einem Jahr eine Bundestagswahl“,
       sagte die JuLi-Vorsitzende weiter.
       
       17 Aug 2020
       
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