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       # taz.de -- Fußball in Armenien: Abgekartete Spiele
       
       > Beim Kampf gegen die Korruption in Armenien gerät auch der Fußball ins
       > Visier der Ermittler. Über 50 Akteure sind bereits gesperrt worden.
       
   IMG Bild: Proteste gegen die Verbandsführung bei einem Länderspiel im November 2019 in Jerewan
       
       Fast 70 Jahre lang waren die Proletarier der Sowjetvölker brüderlich
       verbunden, heute gibt es Wettbetrügereien und verschobene Fußballspiele aus
       den Staaten des einstigen Imperiums. Doch die Kaukasusrepublik Armenien
       will mit den korrupten Traditionen Schluss machen – zumindest im nationalen
       Fußball.
       
       Anfang Juli knöpfte sich der armenische Fußballverband (FFA) fünf Klubs der
       ersten Liga vor – den Aragaz FC, Torpedo, den Masis, Lokomotiv und den
       Jerewan FC. Am Ende stand eine Liste mit 58 Fußballern und Trainern, die
       gesperrt wurden. Über 45 Akteure wurde ein lebenslanges Spielverbot im
       internationalen Fußball verhängt.
       
       Die große Mehrheit der betroffenen Spieler trägt keine armenischen Namen.
       Es sind vor allem Sportler aus den ehemaligen Sowjetrepubliken – darunter
       25 Ukrainer, von denen 20 lebenslang gesperrt wurden. Viele der Spieler
       haben in der ukrainischen Premjer Liga gespielt. In der Liste finden sich
       die Namen von Rostislaw Kozar, Juri Okul und Jegor Lugawo, die bereits in
       Spielmanipulationsskandale in ihrer Heimat verstrickt sind. Andere Spieler
       kommen aus Russland oder Belarus.
       
       Eine der schillerndsten Figuren ist nach Untersuchungen des armenischen
       Sicherheitsdienstes der lettische Fußballspieler Kirils Grigorovs, unter
       dessen Regie Spiele des Provinzklubs Masis FC manipuliert worden sein
       sollen. Der 27-jähige Profi aus Riga hat in Lettland, Irland, Tschechien
       und Zypern gekickt, bevor er nach Armenien gewechselt ist. Er gehört zu den
       Spielern, die, geht es nach dem armenischen Verband, lebenslang gesperrt
       werden sollen.
       
       ## Ermittlungen mit Interpol und der Uefa
       
       „Wir beginnen gerade einen institutionellen Kampf gegen manipulierte
       Spiele“, sagt Armen Melikbekjan. Der neue Verbandschef stützt sich auf von
       der Uefa und Interpol vorgelegte Fakten und Materialien sowie auf Beweise
       des armenischen Sicherheitsdienstes. Es geht dabei vor allem um
       Spielabsprachen.
       
       Der ehemalige Journalist Melikbekjan, 40, ist seit Dezember 2019 im Amt,
       nachdem sein Vorgänger Artur Vanetsjan den Posten nach nicht einmal einem
       Jahr geräumt hatte. Vanetsjan war zudem Chef des Nationalen
       Sicherheitsdienstes Armeniens. Auch von diesem Amt trat er zurück. Laut
       armenischen Medien ist er so etwas wie ein „Kreml-Vertreter“ in Armenien.
       Für Premierminister [1][Nikol Paschinjan] ist Vanetsjan jedenfalls ein
       politischer Widersacher.
       
       Seit der [2][Samtenen Revolution] im Frühjahr 2018 ist es Paschinjans
       erklärtes Ziel, die Korruption zu bekämpfen. Es wurden etliche Oligarchen
       festgenommen. Einer von ihnen ist Ruben Hayrapetjan. Gegen ihn wird wegen
       Korruption und Geldwäsche ermittelt. Der Oligarch mit dem Spitznamen „Nemez
       Rubo“, deutscher Rubo, hat 14 Jahre lang den armenischen Fußballverband
       geleitet und saß für die damals regierende Republikanische Partei im
       Parlament.
       
       Die neue Verbandsführung will nun im Sinne der Revolution von Paschinjan
       die armenische Fußballwelt entkriminalisieren. Seit April untersucht ein
       Sonderausschuss des Verbands Berichte aus den vergangenen anderthalb
       Jahren, darunter etwa 2.000 Seiten über einzelne Mannschaften und Spieler,
       die die Uefa zur Verfügung gestellt habe, wie Artur Azarjan in einem
       Interview mit lokalen Website [3][vnews.am] meinte.
       
       Der Generalsekretär der FFA sieht die größte Herausforderung im
       juristischen Bereich. Bis jetzt gebe es keine Artikel im armenischen
       Strafgesetzbuch, die Spielmanipulationen regeln. „Wir haben beim
       Justizministerium beantragt, eine Gesetzesinitiative zu erarbeiten und
       einen entsprechenden Artikel im Strafgesetzbuch zu definieren“, sagt
       Azarjan. Der Kampf gegen Manipulation im Fußball steht trotz der
       ausgesprochenen Sperren noch am Anfang.
       
       16 Jul 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Massenproteste-in-Armenien/!5499300
   DIR [2] /Armeniens-Praesident-im-Interview/!5504247
   DIR [3] https://www.vnews.am/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tigran Petrosyan
       
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