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       # taz.de -- Drohmails gegen Politiker*innen: „Keine bedauerlichen Einzelfälle“
       
       > Die SPD-Chefin Esken fordert ein konsequenteres Vorgehen gegen
       > Rechtsextremismus bei der Polizei. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft
       > ermittelt gegen rechte Drohschreiben.
       
   IMG Bild: Fordert eine lückenlose Aufklärung in Sachen Drohmail: SPD-Vorsitzende Saskia Esken
       
       Berlin dpa/afp | Die SPD-Chefin [1][Saskia Esken] hat ein entschlosseneres
       politisches Vorgehen gegen Rechtsextremismus bei der Polizei gefordert. In
       den vergangenen Monaten hätten sich die Hinweise auf „rechtsextreme und
       gewaltbereite Täter und Netzwerke in den Reihen der Sicherheitsbehörden“
       gehäuft, sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Für die Politik
       müsse dies „ein Alarmzeichen sein, jetzt endlich konsequent zu handeln“.
       
       Die Verdachtsfälle bei der hessischen Polizei müssten auch den politisch
       Verantwortlichen deutlich machen, „dass es sich hier nicht um bedauerliche
       Einzelfälle handelt“, betonte die Ko-Vorsitzende der SPD. Die
       Empfängerinnen der Drohmails hätten eine lückenlose Aufklärung der
       Hintergründe verdient.
       
       Wegen der Affäre um rechtsextreme Drohschreiben war zuvor der hessische
       Landespolizeipräsident Udo Münch zurückgetreten. Er hatte Informationen zur
       unerlaubten Abfrage von persönlichen Daten aus Polizeicomputern nicht an
       Landesinnenminister Peter Beuth (CDU) weitergegeben, wie Beuth sagte.
       
       Zugegriffen worden war laut Medienberichten auf Daten prominenter Frauen,
       die rechtsextremistische Drohmails erhielten. Solche Drohmails hatten die
       hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, die Anwältin Seda
       Basay-Yildiz und laut „Frankfurter Rundschau“ [2][auch die Kabarettistin
       Idil Baydar] bekommen.
       
       ## Morddrohung gegen linke Bundestagsabgeordnete
       
       Die Partei Die Linke berichtete zudem von einer Morddrohung an ihre
       Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer. Der Parlamentarierin sei
       angedroht worden, es werde ihr ebenso ergehen wie dem ermordeten Kasseler
       Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), sagte Parteichef Bernd Riexinger
       der Nachrichtenagentur AFP.
       
       Bei Sommer habe es bereits wiederholt Versuche gegeben, ihr Leben mit
       Manipulationen am Auto in Gefahr zu bringen, teilte Riexinger mit. 2010 sei
       das Auto der Politikerin angezündet worden. Der Parteichef warf der Polizei
       vor, die Bedrohung Sommers nicht ernst genug genommen zu haben.
       
       Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt bei ihren Ermittlungen zu
       rechtsextremen Drohschreiben nun auch die Untersuchungen zu den nach Berlin
       versandten Mails an die Kabarettistin Idil Baydar und Politikerinnen der
       Linken übernommen. Das sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Zuvor
       hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet. Im Fall
       Baydars, die bereits im März 2019 erstmals ein Drohschreiben erhalten
       hatte, waren Daten von einem Polizeirechner in einem Wiesbadener
       Polizeirevier abgerufen worden.
       
       ## Persönliche Daten abgerufen
       
       Persönliche Daten wurden auch vor den Drohmails an die Frankfurter
       Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und die Fraktionsvorsitzende der Linken im
       Hessischen Landtag, Janine Wissler, von hessischen Polizeicomputern
       abgerufen. Die Ermittlungen nach den vor knapp zwei Jahren bekannt
       gewordenen Drohschreiben an Basay-Yildiz führten zudem zur Aufdeckung einer
       Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten in einem Frankfurter Polizeirevier.
       Wer die Schreiben verfasst hat, ist bisher nicht bekannt.
       
       Die in Berlin versandten Schreiben hätten „einen ähnlichen Ton“, sagte die
       Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Angesichts der bislang erfolglosen
       Ermittlungen zu den Drohschreiben sagte sie: „Ich fürchte, es wird nicht
       einfacher werden.“ In Berlin haben auch Linke-Fraktionschefin Anne Helm und
       die Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer Drohmails bekommen.
       
       Am Dienstag war Hessens Polizeipräsident Udo Münch über die Affäre um
       rechtsextreme Drohmails gestürzt. Münch habe um seine Versetzung in den
       einstweiligen Ruhestand gebeten, weil aus seinem Haus wichtige
       Informationen nicht an den Innenminister weitergegeben worden seien, sagte
       Ressortchef Peter Beuth (CDU).
       
       15 Jul 2020
       
       ## LINKS
       
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