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       # taz.de -- Frankreich nach Regierungsumbildung: Macron sieht eine Vertrauenskrise
       
       > Zum Nationalfeiertag zeigt der Präsident ein klein wenig Selbstkritik.
       > Doch bei Knackpunkten wie der umstrittenen Rentenreform will er bleiben.
       
   IMG Bild: Präsident Macron bei der Parade zum 14. Juli, hinter ihm der neue Premier Castex
       
       Paris taz | Frankreich steckt nach Ansicht des Staatspräsidenten Emmanuel
       Macron [1][in einer „Vertrauenskrise“]. Das sagte Macron in einem
       TV-Interview zum Nationalfeiertag am 14. Juli. Es sei ihm „nicht gelungen,
       die Spaltungen zu überwinden“, wie er es sich vorgenommen hatte.
       
       Die Vorsicht gebot es, in diesem Jahr wegen Covid die übliche imposante
       Truppenparade und Rüstungsmaterial-Show auf der Avenue des Champs-Elysées
       in Paris abzusagen. Ganz wollte Präsident Emmanuel Macron aber nicht auf
       die traditionelle Zeremonie verzichten. Auf der Place de la Concorde fand
       darum eine reduzierte Feier mit im Kreis marschierenden Militärs statt.
       
       An ihrer Seite entrollten Angehörige des Pflegepersonals aus dem
       öffentlichen Gesundheitswesen eine riesige Trikolore. Sie repräsentieren
       die Helden und Heldinnen, die in den vergangenen Monaten die Epidemie
       bekämpft und dabei persönlich schwere Opfer gebracht haben. Bei der
       förmlichen Ehrung soll es nicht bleiben: Das bisher notorisch unterbezahlte
       Krankenhauspersonal bekommt eine Gehaltserhöhung von monatlich 183 Euro,
       hat der neue Premierminister Jean Castex Ende der Woche bestätigt.
       
       Neben Macron und seiner Regierung standen auf der Ehrentribüne auch die
       Gesundheitsminister aus den vier Ländern Deutschland, Luxemburg, Österreich
       und die Schweiz, die Covid-Patienten aus Frankreich aufgenommen hatten.
       Unter den maskierten Ehrengästen war darum Gesundheitsminister Jens Spahn,
       der sich am Nachmittag mit seinen Amtskollegen zu einem Austausch traf.
       
       ## Macron: Frankreich ist für zweite Welle bereit
       
       In Frankreich, wo die oft widersprüchliche oder zögerliche Präventivpolitik
       auch in Fachkreisen auf starke Kritik stößt, war in den Medien immer wieder
       der Vergleich mit dem besser gerüsteten Deutschland gezogen worden. Jetzt
       aber sei Frankreich „für den Fall einer zweiten Welle bereit“, versicherte
       Macron im Fernsehinterview.
       
       Er antwortete zwei Journalisten auf Fragen zur [2][Covid-Krise], aber auch
       zur Enttäuschung vieler Bürger, die sich in den Popularitätsumfragen
       widerspiegelt, in denen Macron erneut um 2 Punkte auf 38 Prozent gesunken
       ist. „Wir haben nicht genug Ergebnisse erzielt“, meinte er selbstkritisch.
       Hinsichtlich der Widerstände gegen seine Reformpolitik und der
       Protestbewegungen wie jene der „Gilets jaunes“ fügte er hinzu: „Wir haben
       vielleicht den Eindruck erweckt, das Land an ein Modell anpassen zu wollen,
       das den Leuten nicht gefiel.“
       
       An der heftig bekämpften und zuletzt verschobenen Reform des Rentensystems
       und dessen Finanzierung hält Macron fest: „Ich glaube an diese Reform, sie
       muss in den kommenden Jahren erfolgen. Wer das Gegenteil sagt, belügt die
       Franzosen.“ Bedeutet dies, dass er für eine zweite Amtszeit antreten will?
       Auf die ihm dazu gestellte Frage, ließ sich Macron lächelnd alle
       Möglichkeiten offen. „Man kann weit voraus blicken, auch wenn man 600 Tage
       vor sich hat.“
       
       Konkreteres zu den wirtschaftspolitischen Maßnahmen in den nächsten Monaten
       wird am Mittwoch von der Regierungserklärung des [3][Premierministers
       Castex] vor dem Parlament erwartet.
       
       14 Jul 2020
       
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