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       # taz.de -- Rücktritt von Berlins Bausenatorin: Keine Frage der Ehre
       
       > Katrin Lompscher hätte nicht zurücktreten sollen und dürfen. Ihr Schritt
       > beruht auf einem überholten Ehrbegriff – und nutzt nur der AfD.
       
   IMG Bild: Selbst ihre politischen Gegner halten sie für moralisch integer: Katrin Lompscher
       
       Sie habe einen „schweren persönlichen Fehler“ gemacht, der ihre weitere
       Arbeit „dauerhaft überschatten“ würde – so lautete Katrin Lompschers
       Erklärung [1][für ihren Rücktritt als Bausenatorin]. Das ist richtig.
       Dennoch war ihr Rücktritt ein noch größerer Fehler.
       
       Denn die Linken-Politikerin unterwirft sich damit einem Ehrbegriff, der
       durch und durch patriarchalisch ist und deshalb überholt. Ihn zu
       akzeptieren, wie Lompscher das mit ihrem Rücktritt tut, freut vor allem die
       AfD, die sich jetzt als Hüterin politischer Moral gerieren kann. Zudem
       erspart es der CDU die Entscheidung, ob sie ins gleiche Horn stoßen oder
       lieber etwa Distanz zur AfD halten will.
       
       Was ist passiert? Lompscher hat es versäumt, Vergütungen für
       Aufsichtsratsposten in Landesunternehmen (die sie als Senatorin von Amts
       wegen innehat) anteilig an das Land zurückzuzahlen, und sie hat diese auch
       nicht versteuert. Es geht um etwa 8.000 Euro, die sie zum Teil bereits
       nachgezahlt hat.
       
       Lompscher versichert, „nicht mit Vorsatz gehandelt“ zu haben. Dass ihr
       nicht einmal ihre politischen Gegner*innen unterstellen, sie habe sich
       persönlich bereichern wollen – also moralisch falsch gehandelt –, belegt,
       für wie integer sie gilt.
       
       Dass sie trotzdem zurücktritt, beruht auf einer überkommenen Vorstellung
       moralischer Unbeflecktheit, in der ein einziger Fehler alles andere Tun
       einer Person entwertet und überschattet. Siehe Lompschers eigene
       Formulierung.
       
       Das stimmt. Frau Lompscher wäre immer wieder mit diesem Fehler konfrontiert
       worden, hätte sich immer wieder erklären und rechtfertigen müssen – auch
       dafür, warum sie trotzdem weitermacht. Und genau dem hätte die
       Linken-Politikerin sich stellen sollen. Denn das hätte einem moderneren,
       weil menschlicheren Moral- und Politikbegriff entsprochen, anders, als aus
       einem altmodischen Ehrverständnis heraus wegen eines Schattens auf der
       weißen Weste hinzuschmeißen.
       
       4 Aug 2020
       
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