# taz.de -- Evangelische Akademie gegen Rassismus: Welch himmlische Erkenntnis
> Die Evangelische Akademie schreibt, Rassismus und Antisemitismus seien
> nicht mit dem Christentum vereinbar. Doch folgen auch Taten?
IMG Bild: Rassismus und Antisemitismus sind laut der Evangelischen Akademie mit dem Christentum unvereinbar
Herr, lass Hirn vom Himmel fallen! Diese Bitte ward erhört, und der Brägen
landete direkt in der Evangelischen Akademie zu Berlin. Aus dem Schoß
dieser ehrwürdigen Institution ist dieser Tage unter dem [1][Titel „Glaube,
Liebe, Hoffnung“ ein Pamphlet gekrochen], das zu den großen Fragen des
irdischen Hier und Jetzt Position bezieht.
In dem Papier findet sich Bemerkenswertes. So wird jeder Form des Rassismus
eine klare Absage erteilt, da dieser mit der Zugehörigkeit zum Leib Christi
unvereinbar sei. Die Migration ist laut Bibel die „Mutter“ aller
Entwicklung, wobei die Zeile des Kirchenliedes „Macht hoch die Tür, die Tor
macht weit“ wörtlich zu nehmen wohl doch etwas zu weit gehen dürfte.
Auch in der Frage des Antisemitismus gibt es kein Vertun. Es sei
unerträglich, die Politik Israels mit der des nationalsozialistischen
Deutschland zu vergleichen. Gleichzeitig ist aber auch die Umdeutung des
Nationalsozialismus in eine „Fußnote der Geschichte“ No-go-Area. Damit wäre
auch die Abgrenzung vom [2][Gauland’schen Delirieren von der NS-Zeit als
einem „Vogelschiss“] klar vollzogen.
Na bitte, endlich bekomme ich mal etwas für mein Geld, mag da so manche/r
denken. Schließlich hält die Kirche nicht nur den Klingelbeutel, sondern
auch via Vater (Mutter?) Staat die Hand auf. Nebenbei bemerkt: Es wäre
interessant, zu erfahren, für welchen Zweck die Obolusse verwendet werden.
Doch lassen wir den pekuniären Aspekt beiseite. Mit dem Glauben an die
evangelische Kirche ist es ja so eine Sache. Schließlich hatte auch
[3][Luther, in dem Verein beileibe keine Randfigur,] über die Juden so
seine Ansichten. Auch unter dem Talar manch eines Popen offenbarte sich
sündhaftes Treiben, die [4][Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs] dagegen
kommt nur langsam voran.
Vielleicht erklärt das, warum immer mehr Schäfchen die Herde verlassen. In
Berlin haben sich von 2016 bis 2019 knapp 40.000 Evangel*innen
verabschiedet. Auch dieser Aspekt kommt in der Erklärung zur Sprache, was
auf erfreuliche Realitätsnähe schließen lässt. Wer auch immer versucht,
diesen Trend umzukehren: Glaube allein wird nicht reichen.
Die Autorin zahlt monatlich 31,88 Euro Kirchensteuer.
2 Aug 2020
## LINKS
DIR [1] https://www.eaberlin.de/nachlese/chronologisch-nach-jahren/2020/orientierungsversuche-in-zeiten-des-streits/glaube-liebe-hoffnung.pdf
DIR [2] /Gaulands-Relativierung-der-NS-Zeit/!5510144
DIR [3] /Martin-Luther-im-Nationalsozialismus/!5402184
DIR [4] /Studie-zu-sexualisierter-Gewalt/!5696230
## AUTOREN
DIR Barbara Oertel
## TAGS
DIR Schwerpunkt Rassismus
DIR Antisemitismus
DIR Evangelische Kirche
DIR Martin Luther
DIR Seenotrettung
DIR Bremen
DIR Sexualisierte Gewalt
DIR Seenotrettung
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Evangelische Kirche in Deutschland: Bedford-Strohm will aufhören
Seit 2014 steht er an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Jetzt hat Heinrich Bedford-Strohm seinen Rückzug vom Vorsitz angekündigt.
DIR Evangelikale in Bremen: Schon wieder ein Missionar
Trotz Problemen mit Hassprediger Olaf Latzel: Die Bremische Evangelische
Kirche baut für ihre Jugendarbeit weiterhin auf Evangelikale.
DIR Studie zu sexualisierter Gewalt: EKD will Missbrauch aufarbeiten
Die evangelische Kirche hat eine Studie zu sexualisierter Gewalt in
Gemeinden beschlossen. Sie soll helfen, zukünftige Übergriffe zu
verhindern.
DIR Christliche Seenotrettung im Mittelmeer: „Poseidon“ kann auf Kurs gehen
Um Menschen im Mittelmeer zu retten: Ein von der Evangelischen Kirche in
Deutschland mitgegründetes Bündnis kauft ein früheres Forschungsschiff.