# taz.de -- Die Wochenvorschau für Berlin: Es gibt wieder was zu sehen
> Nachdem Museen, Jugendprojekte und Initiativen wegen Corona vieles ins
> Internet verlagert hatten, wagen sie nun langsame Schritte zurück ins
> Analoge
IMG Bild: Trost in der Corona-Krise: Die Feuerwehr würde sicher auch Flamingos retten
Der Anblick eines mit Blaulicht quer auf der Straße stehenden Polizeiautos
am Sonntagmorgen an der Hasenheide irritiert. Sperren die so nicht
normalerweise die Straße für Demos oder den Karneval der Kulturen ab? Und
ist denn dieses „Normalerweise“ nicht seit Wochen ausgefallen, abgesagt,
verschoben?
Die wenigen Passant*innen, die schon so früh unterwegs sind, jedenfalls
bleiben neugierig stehen und wirken leicht euphorisch. Endlich gibt es mal
wieder etwas zu sehen: in diesem Fall einen Feuerwehrmann, der gerade einen
[1][Schwan] auf den Arm genommen hat, ihn liebevoll am langen Hals krault
und von der Straße trägt. „Der stand hier die ganze Zeit und wollte einfach
nicht weg“, sagt ein Radfahrer. Er klingt sehr zufrieden. Dieser
Rettungsaktion auf der Straße zuzugucken ist definitiv besser als ein
Tiervideo auf Youtube.
Auch abseits von Schwanrettungen gibt es ab Montag wieder mehr in analogen
Räumen zu sehen und zu unternehmen. So dürfen sich etwa die
Mitarbeiter*innen von Familienzentren, Jugendfreizeitstätten und anderen
Projekten für Familien, Kinder und Jugendlichen ab Montag wieder in den
Kiezen bewegen – im Rahmen der Abstands- und Hygieneregeln. Die
Einrichtungen hatten viele ihrer Angebote so weit wie möglich auf digitale
Angebote umgestellt. Nun sollen Graffiti, Spiele, Bewegung, aber auch
Gespräche wieder für einzelne Kinder und in Kleingruppen möglich sein.
Im Deutschen Historischen Museum eröffnet die Ausstellung über „[2][Hannah
Arendt und das 20. Jahrhundert]“. Dieses sei ohne Arendt nicht zu
verstehen. Es geht um Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von
Flüchtlingen und Feminismus. Könnte also auch beim Verstehen des 21.
Jahrhunderts helfen.
Das „Bündnis gegen Homophobie“ flutet dann gegen Ende der Woche den ganzen
Stadtraum. Im Vorfeld des [3][Internationalen Tages gegen Homophobie],
Biphobie und Transphobie am kommenden Sonntag starten sie eine Kampagne
gegen Hasskriminalität und häusliche Gewalt. Die Plakate sollen an mehr als
2.000 Orten zu sehen sein. Das Bündnis fordert Anerkennung und Respekt
gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Am Mittwoch
stellen sie die Motive vor.
Auf der Weiterfahrt in Richtung Südstern bleibt das Bild des Feuerwehrmanns
mit dem Schwan. Trug Alice im Wunderland nicht auch so ein großes
langhalsiges Vogeltier mit sich herum? Nur dass es dort ein rosa Flamingo
war.
Und eine andere verschobene Normalität.
11 May 2020
## LINKS
DIR [1] /Schwanenhass-hat-Tradition-in-Berlin/!5679469
DIR [2] https://www.dhm.de/ausstellungen/hannah-arendt-und-das-20-jahrhundert.html#/
DIR [3] https://berlin.lsvd.de/projekte/buendnis-gegen-homophobie/
## AUTOREN
DIR Uta Schleiermacher
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