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       # taz.de -- Abschulung trotz Corona-Schließung: Hamburg besteht auf Aussieben
       
       > Weil die Kinder wenig Lernzeit hatten, fordert Hamburgs Elternkammer, auf
       > Abschulungen vom Gymnasium zu verzichten. Die Schulbehörde lehnt das ab.
       
   IMG Bild: Die Sechstklässler der Gymnasien sollen ab 4. Mai zur Schule, die Stadtteilschüler bleiben Zuhause
       
       Hamburg taz | Schulsenator Ties Rabe (SPD) rechnet damit, dass der
       Fernunterricht bis nach den Sommerferien dauert, das sagte er gestern auf
       Radio Hamburg. Doch für das Aussieben von Leistungsschwachen gibt es
       Ausnahmen. So sollen ab dem 4. Mai nicht nur die Viertklässler, für die die
       „Schulform-Empfehlung“ ansteht, wieder zur Schule gehen, sondern auch die
       Sechstklässler am Gymnasium. Indes belässt Hamburg die Gleichaltrigen an
       den Stadtteilschulen im Homeschooling.
       
       Die sechste Klasse ist der Zeitpunkt, zu dem Gymnasien Kinder auf andere
       Schulformen abschulen. Die Hamburger Elternkammer fordert nun, in diesem
       Jahr auf „verpflichtende Schulwechsel“ nach Klasse sechs zu verzichten.
       Hessen und Bayern hätten schon erklärt, dass wegen der Coronakrise kein
       Kind sitzen bleibe. „Diese Analogie sollte auch bei der Frage des
       Schulwechsels angewandt werden.“
       
       Die Elternkammer veröffentlichte eine Umfrage unter rund 22.000 Eltern, der
       zufolge an den Gymnasien die Schüler von den Lehrern weniger eng betreut
       würden. Die Eltern machten sich Sorgen um die Bewertung ihrer Kinder, weil
       ihnen nach neun Wochen ohne Schule nicht klar sei, „auf welche Leistungen
       sich die Noten am Ende des Schuljahres beziehen“.
       
       Besonders wichtig sind die am Ende der 6. Klasse. Nur Kinder, die in
       Deutsch, Mathe und Englisch eine 4 haben, können auf dem Gymnasium bleiben.
       Laut Kammer bekamen in diesem Jahr rund 3.300 Sechstklässler mit dem
       Halbjahreszeugnis den Hinweis, dass ihr Verbleib auf dem Gymnasium
       gefährdet sei. Normalerweise nutzen viele das zweite Halbjahr, um sich zu
       verbessern. Doch seit Februar gab es kaum vier Wochen Unterricht. Und laut
       Elternkammer helfen auch die nun ab dem 4. Mai angesetzten „ersten
       Unterrichtsangebote“ nicht, das Versäumte aufzuholen.
       
       ## Linke will Fernunterricht ohne Noten
       
       Die Elternkammer schlägt vor, dass jene Familien, die ihr Kind an die
       Stadtteilschule geben möchten, dies auch tun, die übrigen jedoch „im
       Zweifel“ am Gymnasium blieben. Spätestens nach Klasse sieben könnte ein
       Wechsel immer noch erfolgen.
       
       Schulbehördensprecher Peter Albrecht sagt, der Vorschlag sei „nicht nötig
       und nicht sinnvoll“. Die Zeugniskonferenzen könnten aufgrund der bisher
       erbrachten Leistungen „gut einschätzen, ob jemand ab Klasse 7 den erhöhten
       gymnasialen Leistungsanforderungen gewachsen“ sei. „Daran ändert die
       Coronakrise nichts.“
       
       Die Schulpolitikerin Sabine Boeddinghaus von der Linken fordert in einem
       Antrag, dass der Fernunterricht nicht benotet wird und Schülern nur
       „optional“ ermöglicht wird, sich zu verbessern. „Insofern begrüße ich den
       Vorschlag der Elternkammer“, so Boeddinghaus. Dass zwölfjährige
       Gymnasiasten zur Schule müssten, während die Stadtteilschüler zu Hause
       blieben, sei „zynisch und nicht von den Kindern her gedacht“.
       
       23 Apr 2020
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
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