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       # taz.de -- Verschwörungstheoretiker gegen Corona: In rechter Gesellschaft
       
       > Auch in Hamburg will eine Initiative gegen Corona-Maßnahmen demonstrieren
       > – und klagen. Sie bedient neurechte Argumente und Verschwörungstheorien.
       
   IMG Bild: Für Grundrechte, gegen das „diktatorische Corona-Regime“: Verschwörungsdemo
       
       Hamburg taz | „Wir machen uns Sorgen um die Zukunft unserer Kinder, unserer
       Familie, Freunde und Liebsten“, schreiben die Autor*innen auf der
       Internetseite unsere-grundrechte.de. Die Maßnahmen, die der Hamburger Senat
       gegen die Verbreitung der Corona-Pandemie verordnet hat, halten sie für
       verfassungswidrig und wollen dagegen klagen. Unter „Wer wir sind“ stellen
       sich die Autor*innen als Angelika, Anne, Dijana, Toni und Rosa vor. Was
       erst mal nach den netten Nachbar*innen von nebenan klingt, ist bei
       genauerem Hinsehen gar nicht so harmlos.
       
       Argumentationsmuster aus dem verschwörungstheoretischen und dem neurechten
       Spektrum stehen hinter der vermeintlich auf die Einhaltung der Grundrechte
       zielenden Initiative. Das wird deutlich, wenn man sich die Themen und die
       verlinkten Artikel auf der Website ansieht: Von der Manipulation der
       Bevölkerung durch die „Mainstream Medien“ ist da die Rede, von
       Infektionsschutzmaßnahmen, die deutlich gefährlicher seien als das Virus
       selbst, vom Impfzwang in der „Gesundheitsdiktatur“, und dem „Volk, das von
       Angst getrieben seiner eigenen Entrechtung zustimmt“.
       
       Publiziert sind die meisten der verlinkten Artikel und Videos auf dem
       verschwörungstheoretischen Youtube-Kanal KenFM und dem Blog Rubikon, das
       den Flensburger Mediziner und Corona-Skeptiker [1][Wolfgang Wodarg] (SPD)
       zum „Gesicht des Widerstands gegen die Virus-Hysterie“ erklärt.
       
       Mit ihrer Überzeugung, die Infektionsschutzmaßnahmen seien
       verfassungswidrig, stützt sich die Initiative unsere-Grundrechte.de
       hauptsächlich auf die Einschätzung der Heidelberger Juristin Beate Bahner.
       Diese hatte am Mittwoch einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht
       gestellt, in dem sie das Gericht auffordert, festzustellen, dass alle
       Bundesländer die Infektionsschutzmaßnahmen gegen Corona sofort zurücknehmen
       müssen. Das neurechte Blog „Achse des Guten“ hatte vorab darüber berichtet.
       
       ## Demo-Spaziergang am Jungfernstieg
       
       Am Samstagnachmittag wollen sich die vermeintlichen
       Grundrechteverteidiger*innen sogar außerhalb des Internets treffen. Für
       15.30 Uhr mobilisieren sie zum Treffpunkt am Jungfernstieg. Die
       Versammlungsbehörde hat die Demonstration allerdings aus
       infektionsschutzrechtlichen Gründen verboten. Laut einem Polizeisprecher
       hatte die Anmelderin 20-70 Teilnehmer*innen erwartet. Die Initiator*innen
       schreiben unterdessen: „Am selben Tag machen überall in Deutschland
       Bürger*innen für ihre Grundrechte einen Spaziergang.“
       
       „Überall“ ist wohl maßlos übertrieben, aber zumindest in Berlin will der
       Verein „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ am Samstag zum
       dritten Mal auf die Straße gehen. Dieser hatte im Internet aufgerufen sich
       bundesweit anzuschließen. Hamburg ist nun wohl die erste Stadt, die dem
       folgt.
       
       Einer der Berliner Initiatoren ist der ehemalige freie taz-Autor Anselm
       Lenz. Nach einem [2][taz-Bericht über seine Aktivitäten] in dem neu
       gegründeten Verein hatte Lenz angekündigt, politisches Asyl in Schweden zu
       beantragen. Darüber hatte wiederum der Erdoğan-Fan und selbsternannte
       Journalist Martin Lejeune berichtet, der auf seinem Blog ebenfalls zum
       Widerstand gegen das „diktatorische Coronaregime“ mobilisiert.
       
       Rosa van der Beek, die Autorin der meisten Einträge auf
       unsere-grundrechte.de und Hauptverantwortliche laut Impressum, ließ eine
       taz-Anfrage bis zum Karfreitag unbeantwortet.
       
       10 Apr 2020
       
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   DIR Katharina Schipkowski
       
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