# taz.de -- Entspannung bei Aldi, Lidl und Co.: Corona-Hamsterkäufe gehen zurück
> Die Deutschen kauften weniger auf Vorrat als zuvor in der Coronakrise,
> sagen Lebensmittelhändler. Die Angst vor Ladenschließungen lasse nach.
IMG Bild: Genug gehamstert: Kunde mit Mundschutz in einem Berliner Supermarkt im März 2020
Berlin taz | Einen Monat nach Beginn [1][der Corona-Krise] in Deutschland
kaufen die Verbraucher weniger auf Vorrat als in den vergangenen Wochen.
„Das Einkaufsverhalten unserer Kunden hat sich in letzter Zeit verändert:
Die Hamsterkäufe werden weniger“, teilte der Discounter Lidl der taz mit.
Auch laut Aldi Nord, der Biokette Alnatura und dem Lebensmittelverband hat
sich die Lage „etwas beruhigt“. Einzelne Artikel seien jedoch immer noch
schneller ausverkauft als normalerweise.
Auch Erhebungen des Martkforschungsunternehmens Nielsen zeigen, dass der
Absatz von Mehl, Toilettenpapier, Brotmischungen und Reis allmählich
langsamer wächst: Das Plus bei allen untersuchten, besonders häufig
verkauften Produkten („Schnelldreher“) sank in der letzten Märzwoche im
Vergleich zur Vorwoche. Der Absatz von Mehl etwa war in der zweiten
Märzwoche 201 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, der Zuwachs sank dann
auf 154 Prozent und jetzt auf 64 Prozent. Von der bei „Hamstern“ besonders
beliebten H-Milch wurde in der letzten Märzwoche sogar 9 Prozent weniger
gekauft als vor einem Jahr – nach einem Plus von 68 Prozent in der zweiten
Märzwoche.
Aldi Nord vermutete, dass „sich viele Kunden offenbar in den vergangenen
Wochen bereits eingedeckt haben und daher die Einkäufe etwas zurückgehen.“
Ähnlich äußerte sich der Lebensmittelverband: „Das hat jetzt nachgelassen,
natürlich auch weil viele die für sie wichtigen Sachen schon zu Hause
haben“, sagte Pressesprecherin Manon Struck-Pacyna. Zudem habe die Angst
abgenommen, dass die Supermärkte geschlossen werden.
Dennoch liegt die Nachfrage laut Lidl immer noch „deutlich über dem
Vorjahresdurchschnitt“. Deswegen „kommt es bei vereinzelten Produkten wie
etwa Mehl, Toilettenpapier oder Frischhefe noch zu Lieferverzögerungen.“
Aldi Nord berichtet auch von Engpässen bei mehreren Konservenartikeln.
## Die Leute kochen mehr selbst
Der Lebensmittelverband sieht als Grund für die erhöhte Nachfrage nicht
nur, dass sich viele Menschen für eine Quarantäne oder durch die Krise
bedingte Versorgungsengpässe vorbereiten wollen. Die Leute würden auch mehr
zu Hause kochen, sagte Branchensprecherin Struck. „Bedingt durch die Kita-
und Schulschließungen müssen die Kinder mittags zu Hause versorgt werden
und auch beschäftigt werden. Kinder essen gerne Pizza und Pasta, und als
Zeitvertreib wird vermehrt mit den Kindern gebacken, gerade jetzt vor und
zu Ostern.“ Eine Rolle spiele auch, dass die Restaurants geschlossen und
Urlaubsreisen derzeit nicht möglich sind.
Die langwierigeren Grenzkontrollen scheinen sich nicht sehr stark
auszuwirken. „Wir haben bisher keine Probleme in der Waren-Versorgung aus
dem Ausland“, teilte Rewe/Penny mit. Aldi Nord erklärte, es gebe nur
„vereinzelt“ Verzögerungen bei Obst und Gemüse aus Südeuropa.
## Überangebot bei Salaten
Die Produktion ist den Firmen zufolge wegen der Krise bislang nicht
gesunken. Im Gegenteil: Immer wieder heißt es, die Hersteller würden wegen
der sprunghaft gestiegenen Nachfrage mehr als normalerweise produzieren.
„Alle unsere Lieferanten in Deutschland produzieren und beliefern
weiterhin. Kein einziger Lieferant hat Produktionen oder Lieferungen
eingestellt“, schrieb Rewe. „Die Produktionskapazitäten wurden erweitert,
die Produktion fährt rund um die Uhr unter Volllast.“
Bei manchen Nahrungsmitteln übersteigt das Angebot die Nachfrage sogar. Der
Grund ist laut Lebensmittelverband, dass Schulkantinen, Mensen und
Gastronomie weitgehend geschlossen sind. Zum Beispiel Frischwaren wie
Salate und Fleisch würden nun aus der „Gemeinschaftsverpflegung“ umgeleitet
in den Lebensmittel-Einzelhandel.
8 Apr 2020
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## AUTOREN
DIR Jost Maurin
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