# taz.de -- Medizinische Versorgung für Geflüchtete: Die gleiche Angst vor dem Virus
> Keinen Notarzt zu rufen, wenn ein Mensch Hilfe braucht, und die zu
> bestrafen, die dagegen protestieren, ist zynisch.
IMG Bild: Für ein Recht zu bleiben: Demo in Mecklenburg-Vorpommern
Was macht das wohl mit Menschen? Hinter Zäunen auf einen Notarzt zu warten
und der kommt einfach nicht? Sich an die Betreiber der Unterkunft zu
wenden, davon zu berichten, dass [1][ein Bewohner Fieber] hat, und an
Mitarbeiter:innen zu geraten, die die eigene Angst nicht ernst nehmen? Die
erst reagieren, wenn man so laut ist, dass man nicht mehr ignoriert werden
kann. Was macht das mit dem Vertrauen?
Der Betreiber der Unterkunft, die Malteser Werke, erkennt den Betroffenen
mit seinem Verhalten ihre Menschlichkeit ab. Das wird nicht zuletzt dadurch
deutlich, dass die Geflüchteten für ihren Protest auch noch bestraft
werden. Steckt dahinter die Haltung, dass sie kein Recht dazu hatten, die
medizinische Hilfe einzufordern?
Alle Menschen haben Angst davor, sich mit dem [2][Coronavirus] zu
infizieren, vielleicht auf die Intensivstation zu kommen oder
Familienmitglieder, die zur Risikogruppe gehören, zu verlieren. Wir alle
gehen auf Distanz, schränken unser soziales Leben ein, um die, die wir
lieben, zu schützen. Geflüchtete, die in so großen Unterkünften leben,
können das nicht.
## In Wohnungen unterbringen
Manche teilen sich die Zimmer, viele das Bad. [3][Sie können nicht weg].
Sinnvoll wäre es, Geflüchtete aus Sammelunterkünften auf die Kommunen zu
verteilen. In eigene Wohnungen. Natürlich nachdem sie auf das Virus
getestet wurden, um auszuschließen, dass sie es verbreiten. Dafür fehlt der
politische Wille. Man will schließlich keine falschen Anreize setzen.
Menschen mit angeblich geringer Bleibeperspektive keine „Geschenke“ machen.
Vor diesem Hintergrund ist es das Mindeste, dass Geflüchtete im Akutfall
schnellen Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen. Es ist ganz einfach:
Diejenigen, die in so großen Unterkünften leben, sind Menschen. Sie haben
die gleichen Ängste wie wir alle. Sie sind keine Nummern oder Formulare. Es
wird Zeit, dass wir sie auch so behandeln.
20 Apr 2020
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## AUTOREN
DIR Andrea Maestro
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