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       # taz.de -- Rathaus-Affäre vor Gericht: Schostock will ahnungslos sein
       
       > In Hannover steht das Urteil gegen den Ex-Oberbürgermeister an. Ihm und
       > zwei hochrangigen Mitarbeitern wird Untreue vorgeworfen.
       
   IMG Bild: Auf der Anklagebank: Frank Herbert, Stefan Schostock und Harald Härke
       
       Hannover taz | Am Donnerstag soll vor dem Landgericht in Hannover das
       Urteil in der sogenannten Rathausaffäre gesprochen werden. Das ist dann das
       Ende einer Seifenoper, die vor allem davon handelt, wie sich ein
       Old-Boys-Network selbst zerlegt.
       
       Die Protagonisten: SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostock, sein ehemaliger
       Büroleiter Frank Herbert und der Personaldezernent Harald Härke. [1][Der
       Vorwurf: schwere Untreue] zulasten der Stadt Hannover.
       
       Im Kern dreht sich alles darum, dass Herbert, engster Mitarbeiter des
       Oberbürgermeisters, Gehaltszulagen von rund 50.000 Euro kassiert hat, die
       er nie hätte erhalten dürfen. Und um die Frage, wem zu welchem Zeitpunkt
       klar war, dass diese Zulagen illegal waren.
       
       Der Prozess hatte durchaus unterhaltsame Facetten: Zum Beispiel den
       Auftritt der persönlichen Coachin des Oberbürgermeisters. Zu deren Job es
       offenbar gehörte, Schostock per Textnachricht Erkenntnisse zu vermitteln
       wie „Das ist ein Machtspiel“.
       
       Es gab auch Rätsel, die das Gericht nicht klären konnte: [2][wie zum
       Beispiel vertrauliche Personalunterlagen Herberts] in die Hände der CDU
       gelangten? Und warum die damit nichts Besseres zu tun hatte, als sie zum
       SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil zu tragen?
       
       Im Urteil wird es aber natürlich nicht darum gehen, wer hier sonst noch
       wessen Hände gewaschen hat. Sondern bloß darum, [3][ob die Untreue
       nachweisbar ist]. Bewährungsstrafen von 15 Monaten für den
       Ex-Personaldezernenten Härke, 14 Monaten für den Ex-Büroleiter Herbert und
       acht Monaten für den Ex-Oberbürgermeister Schostock hat die
       Staatsanwaltschaft gefordert. Dazu jeweils 15.000 Euro Geldstrafe.
       
       Die Verteidiger fordern Freisprüche für Schostock und Herbert, weil die
       nicht gewusst hätten, dass die Zulagen illegal seien. Härke gibt sich
       reumütig und hofft auf ein mildes Urteil. Eine Strafe steht schon fest: Im
       Rathaus regiert jetzt mit [4][Belit Onay ein Grüner] – nach 73 Jahren
       SPD-Herrschaft.
       
       19 Apr 2020
       
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