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       # taz.de -- Werbevideo einer Bäckerei: Spachteln wie im Baumarkt
       
       > Die Chefin einer österreichischen Bäckereikette erinnert uns an das
       > Wesentliche im Leben: Topfengolatschen. Und wir nageln sie uns rein.
       
   IMG Bild: Mehlspeisen, lecker, reinhämmern!
       
       Haben Sie Hunger? Das ist gut. Haben Sie vor lauter Corona vergessen, wie
       das nochmal geht: Essen? Noch besser. Für diesen Fall nämlich erklärt es
       Ihnen und all den „lieben Heimwerkerinnen“ und „Heimwerkern“, die nach
       Ostern in Österreich endlich wieder in den Baumarkt durften,
       [1][Bäckereiinhaberin Doris Felber höchstpersönlich in einem Werbevideo].
       Denn auch Baumarktgänger*innen wollen was zu beißen haben – und wissen
       außerdem, mit Hammer und Nagel umzugehen: „Häckseln Sie ein Weckerl nach'n
       andern hinein. Nageln Sie sich in der Pause eine Topfengolatsche. Schrauben
       Sie sich einen Kürbiskernspitz hinein. Zerrreißen Sie ein Mohnweckerl!“
       
       Frau Felber ist mit Herzblut dabei. Sie strahlt, als wäre sie gerade aus
       einem tausendjährigen Schlaf inmitten eines baumarktgroßen Brötchenkorbes
       erwacht, und könnte ihr Glück schier nicht fassen. Ihr Bewegungsablauf ist
       flüssig wie der eines gut geölten Schwingschleifers, was für die Qualität
       ihrer Produkte, von denen sie sich mutmaßlich ernährt, und damit ihre
       Werbebotschaft spricht. Die Schnitte zwischen jeder der gepriesenen
       Backwerke sind präzise wie mit einer Heckenschere und immer gerade in dem
       Moment gesetzt, vor dem Felber allen Heimwerkerinnen dieser Welt ihre
       Topfengolatschen durch die Kameralinse hindurch in den Mund nageln würde.
       
       Es sind außergewöhnliche Zeiten: Wer hätte vor ein paar Wochen geahnt, wie
       systemrelevant eine „Aromasemmel“ ist? Aber sie werfen doch ein Licht auf
       das Gewohnte, die Zeiten der Gewöhnlichkeit. In denen einem niemand
       Backwerk zum Sichreinschrauben vorsetzt. In denen niemand einem die
       grundlegendsten Features des eigenen lebendigen Körpers mimetisch vormacht.
       Und wenn doch, das nicht so sagt.
       
       „Ist das, was wir in diesem aktuellen ‚Felber‘-Video sehen, eigentlich die
       Anwesenheit oder die Abwesenheit von Werbeagenturen?“, fragte ein
       Twitter-Nutzer. In der Tat: Was ist hier eigentlich los? Hat Felber das
       Video aus Scham vom firmeneigenen Facebook-Account wieder heruntergenommen?
       Ein schiefgegangener Viral-Versuch? Oder ist das Ganze ein geniales Spiel
       in der Ofenwärme einer in der Krise schlingernden Ladung
       Gegenwartsgolatschen? Und ist das überhaupt wichtig?
       
       Zum Ende des Videos setzt Felber dann buchstäblich dazu an, von der Erde
       abzuheben: „Häckseln, streichen, bohren, nageln“, hämmert sie, als könnte
       sie ewig so weitermachen.
       
       15 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://twitter.com/lukaswww_/status/1250075603249790978
       
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   DIR Adrian Schulz
       
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