# taz.de -- Corona und Lebensmittel: Angst vor der Wursttheke
> Virologen erkennen keine erhöhte Ansteckungsgefahr beim Einkauf – wenn
> man sich schützt. Ein Risiko sind nur die Mitmenschen, wenn sie zu nah
> kommen.
IMG Bild: Guit geschützt zum Einkaufen
Berlin taz | Die Frage stellen sich viele derzeit: Wie riskant ist
Einkaufen? Die Gefahr, sich im Supermarkt mit Corona anzustecken, scheint
erst mal erhöht zu sein. Es ist schwer, in den engen Gängen die geforderten
1,5 Meter Abstand zu halten. Dazu gehören Lebensmittelläden zu den wenigen
Orten, an denen sich derzeit noch viele Menschen gleichzeitig aufhalten
dürfen.
Einige Supermärkte haben inzwischen als Maßnahme Abstandslinien aufgeklebt,
um die Schlangen an den Kassen zu entzerren. Der Virologe Hendrik Streeck
sieht die Ansteckungsgefahr in so einer Situation eher gering an. Bei
Markus Lanz sagte er, es gebe bisher „keine nachgewiesenen Ansteckungen
beim Einkaufen“.
Wissenschaftler wie Streeck weisen darauf hin, dass die Gefahr einer
Ansteckung größer wird, je länger man sich mit einer infizierten Person in
einem Raum aufhält. Deshalb lautet der Rat des Mikrobiologen Donald
Schaffner: Einkäufe möglichst schnell erledigen, Hände vor und nach dem
Einkauf mindestens waschen und wiederverwendbare Einkaufstüten reinigen.
Der FDP-Gesundheitspolitiker und Professor für Infektiologie, Andrew
Ullmann, bezeichnete es in der Rheinischen Post als sinnvoll, wenn
„Lebensmittelläden und Apotheken beim Ein- und Ausgang Desinfektionsmittel
bereitstellen würden“.
Eine Schmierinfektion durch das Berühren von kontaminierten Oberflächen ist
beim Coronavirus zwar möglich, kommt nach Meinung von Virologen aber selten
vor. Die große Mehrheit der Ansteckungen findet durch Tröpfchen statt, die
beim Husten und Niesen ausgestoßen werden. Auch gibt es noch keine
gesicherten Erkenntnisse, wie lange genau das Virus auf Oberflächen aktiv
und ansteckend bleibt. Der Mikrobiologe Schaffner sagt dazu, bei
Raumtemperatur sei eine Halbwertszeit des Virus von ungefähr acht Stunden
festgestellt worden.
## Mit Wasser abwaschen
Er hält es für den besten Schutz, die allgemeinen Hygieneregeln
einzuhalten. Selbst wenn man eine Oberfläche berühre, auf der Viren
vorhanden sind, sei man nicht automatisch infiziert. Von der Idee,
Lebensmittel mit Seife zu waschen oder direkt zu desinfizieren, rät
Schaffner hingegen ab. Der Verzehr von Seife etwa könne zu Übelkeit,
Erbrechen und Durchfall führen. Frische Früchte und Gemüse solle man aber
gründlich mit kaltem Wasser abwaschen.
Auch das Tragen von [1][Schutzmasken] wird kontrovers diskutiert. Die
[2][Stadt Jena] etwa folgte dem [3][Beispiel Österreichs] und möchte seine
Einwohner verpflichten, beim Einkauf sowie im öffentlichen Nahverkehr
Schutzmasken zu tragen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt, es gebe keine
wissenschaftlichen Beweise, „dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das
Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant
verringert“. Allerdings würden sie helfen, andere zu einem gewissen Grad
vor der Ansteckung zu schützen.
1 Apr 2020
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## AUTOREN
DIR Frederik Schmidt
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