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       # taz.de -- Ansturm auf Hilfen für Kleinunternehmen: In der Corona-Warteschleife
       
       > Server brechen zusammen, Betrugsversuche, Antragschaos: Der Run auf die
       > milliardenschweren Soforthilfen ist enorm.
       
   IMG Bild: Kein Publikumsverkehr, keine Kundschaft: geschlossenes Geschäft am Berliner Ku'damm
       
       Berlin taz | Überlastete Server, [1][Betrugsversuche] und Antragschaos:
       Unternehmer, die auf Coronahilfen angewiesen sind, müssen derzeit viel
       Geduld haben. [2][Bundestag und Bundesrat haben zwar in der vergangenen
       Woche im Eiltempo ein Sofortprogramm] für 4,2 Millionen Selbstständige,
       darunter 2,2 Millionen Solo-Unternehmer in Deutschland auf den Weg
       gebracht, aber der Start der Programme hakt gewaltig.
       
       Eine Selbstständige aus Berlin, die einen Antrag auf Soforthilfe gestellt
       hatte, wurde so Samstagnacht um 22.56 Uhr per E-Mail kontaktiert, dass sie
       nun an der Reihe sei. Leider schlief sie aber bereits und rutschte so
       wieder nach ganz hinten in der Warteschlange. So erzählt es Max Hilgarth,
       Geschäftsführer des Verbands der Gründer und Selbstständigen, am Telefon.
       
       Der Bundeszuschuss als Soforthilfe für Solo-Selbstständige und kleine
       Unternehmen läuft erst diese Woche an, doch in den meisten Bundesländern
       konnten schon seit vergangener Woche Anträge gestellt werden. In vielen der
       zuständigen Behörden und Institute sind die Angestellten deshalb gerade im
       Schichtbetrieb und auch am Wochenende im Volleinsatz.
       
       Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen meldete bis zum
       Montagvormittag 210.000 Anträge. Von diesen seien schon 150.935 genehmigt
       worden, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf. Dies sei
       möglich, da das Antrags- und Bewilligungsverfahren komplett digital
       ablaufe. 700 Mitarbeiter werden eingesetzt, um unklare Anträge zu
       überprüfen.
       
       ## Eine noch nie dagewesene Situation
       
       Auch im ungleich kleineren Schleswig-Holstein wurde zur Bearbeitung der
       Antragsmasse das Personal aufgestockt. Seit Donnerstag können dort Anträge
       gestellt werden. Es sei eine noch nie dagewesene Situation, sagte ein
       Sprecher der zuständigen Investitionsbank.
       
       Die Soforthilfen des Bundes sind abrufbar für Selbstständige, Freiberufler
       und Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten. Die Gesamtsumme des
       Hilfspakets beläuft sich auf 50 Milliarden Euro. Einige Bundesländer haben
       noch zusätzliche Mittel freigemacht.
       
       Hilfe beantragen können [3][kleine Unternehmen], um eine durch die
       Coronavirus-Flaute entstandene existenzgefährdende Wirtschaftslage durch
       Liquiditätsengpässe schnell zu überwinden. Einschränkung: Die
       Selbstständigen und Unternehmen dürfen nicht schon in Schwierigkeiten
       gewesen sein. Die angebotenen Soforthilfen müssen nicht zurückgezahlt
       werden. Außerdem gibt es für Unternehmer und Selbständige Kredite und
       erleichterten Zugang zur Grundversicherung.
       
       Seit wann und wie genau Selbstständige und kleine Unternehmen Anträge
       stellen können, unterscheidet sich in den Ländern stark. Die
       Länderprogramme werden nun meist vom Bundesprogramm, das seit Montag
       abrufbar ist, abgelöst oder damit aufgestockt. Auch können bereits
       bewilligte Anträge aus den Bundesmitteln refinanziert werden. Für die
       Antragsteller*innen ändert sich nichts. Egal, ob das Geld vom Bund oder
       Land kommt, es muss immer nur ein Antrag gestellt werden von den
       Betroffenen.
       
       ## Es wird geschummelt
       
       Vielerorts brachen die Server der Förderstellen zusammen: So waren die
       Seiten der Sächsischen Aufbaubank in Dresden am Montag für einige Stunden
       nur schwer zu erreichen. Auch der Server eines hessischen
       Regierungspräsidiums war zeitweise überlastet. Die niedersächsische NBank
       hatte bereits am Freitag vom Absturz ihrer Server berichtet, da es zu
       250.000 Zugriffen auf ihre Webseiten kam. Das steht in Hamburg noch bevor.
       Bis Montagmittag konnten dort noch keine Anträge gestellt werden. Erst im
       Laufe des Tages sollte die Möglichkeit freigeschaltet werden.
       
       Wo es so viel und so leicht Geld gibt, wird geschummelt: Laut Sprecher des
       Bremer Wirtschaftssenators gebe es Anträge, „bei denen offensichtlich ist,
       dass keine Notlage vorliegt“. Es könne sich um Subventionsbetrug handeln.
       Zurzeit stehe jedoch Schnelligkeit im Vordergrund. Deshalb würden die
       Angaben zumindest stichprobenartig im Nachhinein überprüft.
       
       Auch in Berlin kam es offenbar schon zu Betrugsversuchen. Den
       Mitarbeitenden der zuständigen Investitionsbank Berlin seien die Anträge
       mutmaßlicher Betrüger unter anderem durch fehlende oder ungültige Angaben
       aufgefallen, sagte IBB-Sprecher Jens Holtkamp dem Online-Portal rbb|24 am
       Sonntag. „Offenbar versuchen Unberechtigte, an Corona-Hilfsmittel
       heranzukommen“, so Holtkamp. Um wie viele Fälle es sich dreht, wisse man
       noch nicht.
       
       In Thüringen waren bis zum Freitag 20.000 Anträge gestellt worden, danach
       hörte die Aufbaubank auf zu zählen. Es seien bisher 1.000 Anträge genehmigt
       worden, die Gesamtsumme läge bei 7 bis 8 Millionen Euro, hieß es vom
       Wirtschaftsministerium in Erfurt.
       
       Wie begehrt die Mittel sind, zeigt eine Episode aus Berlin:
       Solo-Selbständige bekamen dort laut Tagesspiegel folgenden Onlinehinweis:
       „Sie sind Nummer 111.728 in der Warteschlange – Anzahl der Nutzer vor
       Ihnen: 46.931.“
       
       30 Mar 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.rbb24.de/wirtschaft/thema/2020/coronavirus/beitraege/investitionsbank-berlin-ibb-coronavirus-soforthilfen-hilfspaket-wirtschaft-kleinunternehmen.html
   DIR [2] /Milliardenhilfen-der-Bundesregierung/!5674412
   DIR [3] /Folgen-der-Coronakrise/!5672422
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Mareike Andert
   DIR Frederik Schmidt
       
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