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       # taz.de -- Geflüchtete auf griechischen Inseln: Das ganz kleine bisschen Vernunft
       
       > Wir haben genug Platz, um jetzt Menschen aus griechischen Lagern
       > aufzunehmen. Aber es passiert zu selten, dass mal jemand vernünftig
       > darüber redet.
       
   IMG Bild: Menschen so lange unter härtesten Bedingungen ausharren lassen, ist nicht zu entschuldigen
       
       Über manche Zustände will man nur noch schreien, weil sie immer noch so
       sind, wie sie sind. Da will man allen um den Hals fallen, die irgendwie
       versuchen, etwas zu ändern. Und deswegen will man gerade [1][Dirk Behrendt]
       um den Hals fallen, Berlins grünem Justizsenator.
       
       Der hat nämlich gesagt, er habe genug davon, dass Deutschland den Arsch
       nicht hochkriegt – also so sinngemäß. Dass es nicht sein könne, dass auf
       den griechischen Inseln immer noch Zigtausende Geflüchtete unter miesesten
       Bedingungen festsitzen, ohne Seife, ohne Dach über dem Kopf, ohne
       medizinische Versorgung. Mitten in einer Pandemie.
       
       Seit Monaten diskutieren die EU-Staaten, was mit diesen Menschen passieren
       soll. Eine [2][„europäische Lösung“] soll her. Und weil es die nicht gibt,
       passiert: nichts.
       
       Behrendt hat diese Woche angekündigt, Berlin werde notfalls als Land
       zusammen mit der Zivilgesellschaft aktiv werden. Bis zu 1.500 Menschen
       könne man aufnehmen. Die exakt gleiche Zahl hat auch das
       Bundesinnenministerium mal in den Raum geworfen – dort will man diese
       Menschen aber nicht auf eine Stadt, sondern gleich auf mehrere Staaten
       verteilen. Und da ist es dann wieder so weit, dass man nur noch schreien
       will vor lauter menschenlebenkostender Prinzipienreiterei.
       
       ## Gerade jetzt? Ja, gerade jetzt
       
       Wir haben Platz. Es gibt in Deutschland mehr als 140 Kommunen, die bereit
       sind, Geflüchtete aufzunehmen. Wenn davon im Schnitt jede gerade mal 50
       Personen aufnimmt – dann wären wir bei 7.000 Menschen, die wir aus dieser
       unwürdigen Situation herausholen können. Bei 60 Menschen pro Kommune wären
       es schon 8.400.
       
       Mitten in der Coronakrise auch noch Menschen auf die Kommunen verteilen?,
       fragt so manche*r. Die Antwort: Gerade jetzt. Und zwar sofort, bevor das
       Virus sich dort ausbreitet und die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist.
       
       Dass wir die Menschen schon so lange unter diesen Bedingungen ausharren
       lassen, ist ohnehin nicht zu entschuldigen. Sie jetzt dort sterben zu
       lassen, während wir uns verkriechen, Brot backen und unsere Hamstervorräte
       bestaunen, ist keine Option.
       
       Deswegen, liebe Länder und Kommunen quer durch die Bundesrepublik: Seid
       nicht wie Deutschland. Seid Dirk Behrendt.
       
       3 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
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