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       # taz.de -- Corona setzt auch Blumenzüchtern zu: Tulpen im Schredder
       
       > Überproduktion statt Hochkonjunktur: Wegen der Corona-Krise bleiben
       > niederländische Tulpen-Züchter in diesem Frühjahr auf ihren Pflanzen
       > sitzen.
       
   IMG Bild: In den Niederlanden droht eine Tulpen-Krise
       
       Amsterdam taz | Für Tulpen-Züchter in den Niederlanden kommt der
       Corona-Ausbruch zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Eigentlich ist nun
       Hochsaison, Ostern und Muttertag stehen vor der Tür. Doch stattdessen
       werden hochwertige Produkte in diesen Wochen zu Millionen vernichtet, weil
       sie keine Abnehmer finden. Laut Royal FloraHolland, der weltgrößten
       Blumenauktion mit mehreren Filialen im Land, droht der Branche ein
       Kahlschlag. Ohne Notkredite von Staat und Banken werden in den nächsten
       Wochen zahlreiche Betriebe in Konkurs gehen.
       
       Entscheidender Faktor ist der Wegfall des Exports, der 2019 mit dem
       Rekordumsatz von 6,2 Milliarden Euro für den überwiegenden Teil des
       7-Milliarden-Euro-Umsatzes der Branche verantwortlich ist. „Die
       Marktsituation ist dramatisch“, zitiert der Radiosender Omroep West Steven
       van Schilfgaarde, den Direktor von [1][Royal FloraHolland]. Im März seien
       die Preise 50 Prozent unter dem normalen Niveau geblieben. Zum Teil habe
       man 20 Prozent der Produktion vernichtet.
       
       Die Branchenzeitung [2][Hortipoint ] beschrieb die Situation in den großen
       Auktionszentren schon kurz nach Ausbruch der Corona-krise als
       „Schlachtung“. Der Gewerkschaftsverband FNV konferierte Ende März mit Royla
       FloraHolland. “Der Sektor wurde schwer getroffen, von Züchtern bis zum
       Handel“, heißt es in einer Erklärung.
       
       Positiv vermerkt der Verband die Notfallmaßnahmen der Regierung, wonach
       Arbeitgeber bis zu 90 Prozent der Lohnkosten erstatten bekommen können.
       Steven van Schilfgaarde fordert derweil einen speziellen Notfallfonds für
       den Blumenzucht-Sektor, der andernfalls vollständig umzufallen drohe. Die
       bisher angekündigten Hilfsmaßnahmen der Regierung seien nicht ausreichend.
       
       ## Tulpen werden verschenkt
       
       Dramatisch ist die Situation auch für Erntehelfer, die normalerweise in
       dieser Jahreszeit auf niederländischen Feldern im Einsatz sind und nun
       entlassen werden. Vielfach kommen sie aus Polen, wo sie sich nach einer
       Rückkehr zunächst in Quarantäne begeben müssten.
       
       Um die überflüssigen Blumen nicht allesamt zu schreddern, kamen Vertreter
       des Sektors mehrfach zu Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, um dem
       Personal Sträuße zu überreichen. Allein in der Provinz Flevoland wurden bei
       einer dieser Aktionen eine halbe Million Tulpen verschenkt. Bereits kurz
       nach dem Corona-Ausbruch, als durch die geschlossenen Grenzen die Ware
       liegen blieb, öffnete ein Betrieb in Nordholland sein Gewächshaus und bot
       Selbstpflückern Tulpen zum Niedrigpreis an.
       
       Inzwischen wäre das durch die Regeln zur Coronabekämpfung nicht mehr
       möglich. In einem benachbarten Dorf gibt es dafür inzwischen einen
       Tulpen-Drive-in. Dass sich in den Kühlhäusern die Ware stapelt, wird
       dadurch freilich nicht verhindert.
       
       6 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.royalfloraholland.com/de
   DIR [2] https://www.hortipoint.nl
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tobias Müller
       
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