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       # taz.de -- Regierung im Kosovo gestürzt: Zu viel Druck auf Albin Kurti
       
       > Weil er Gebietstausche nach ethnischen Kriterien ablehnte, stellte sich
       > Kosovos neuer Premier Albin Kurti gegen die USA. Jetzt ist er abgewählt.
       
   IMG Bild: Albin Kurti im Februar
       
       Split taz | Jetzt ist es doch passiert. Die Regierung unter [1][Albin
       Kurti] ist gefallen. Nach weniger als zwei Monaten verlor der Vorsitzende
       der Partei „Selbstbestimmung“ (Vetevendosje) eine Vertrauensabstimmung im
       Parlament. Damit ist erst einmal das [2][Experiment] der Regierung des
       Linken Albin Kurti mit der Mitte-rechts eingeordneten Demokratischen Liga
       LDK geplatzt, die sehr viele Reformprojekte durchsetzen wollte.
       
       Der Druck von Seiten der US-Regierung war zu stark geworden, ein Abkommen
       zwischen Serbien und Kosovo zu schließen. Kosovo sollte zunächst die 2018
       erhobenen Strafzölle von 100 Prozent wieder senken. Dem wollte Kurti noch
       nachgeben. Doch im Hintergrund geht es um den Austausch von Territorien mit
       Serbien auf ethnischer Grundlage. Das lehnen Kurti und der größte Teil der
       Öffentlichkeit ab.
       
       US-Präsident Donald Trump will im Wahljahr nach einer Reihe
       außenpolitischer Misserfolge wenigstens in Europa einen außenpolitischen
       Erfolg verbuchen. Ein Friedensschluss zwischen Serbien und Kosovo wäre so
       ein Erfolg.
       
       Am letzten Montag waren Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und der
       Präsident Kosovos Hashim Thaçi gemeinsam ins Weiße Haus eingeladen, wo sie
       beide mit dem Sicherheitsberater Robert O'Brien und Geheimdienstkoordinator
       und US-Botschafter in Deutschland, [3][Richard Grenell], zusammentrafen,
       den Trump letzten Oktober zum Sondergesandten für Serbien und Kosovo
       ernannt hatte.
       
       ## Kurtis Todsünde: Meinungsverschiedenheiten mit Trump
       
       Grenell war in den letzten Monaten schon aktiv geworden. Am 14. Februar
       managte er einen Deal zwischen beiden Seiten über die [4][Wiedereröffnung
       der Eisenbahnlinie und den Bau einer Autobahn] zwischen Belgrad und
       Prishtina. Zudem soll die Flugverbindung zwischen beiden Hauptstädten
       wieder aufgenommen werden.
       
       Nach dem Treffen im Weißen Haus war die Entscheidung gegen Kurti gefallen.
       Der konservative Teil der Demokratischen Liga Kosovos hatte schon vorher
       erklärt, dass die Koalitionsregierung sich nicht gegen die USA stellen
       dürfte. Eine Pressekampagne gegen Kurti folgte mit dem Tenor: Kurti stelle
       sich gegen den wichtigsten Verbündeten des Landes
       
       Die USA gelten in Kosovo als Garant der Freiheit und Unabhängigkeit des
       Landes. In Prishtina wurde Ex-Präsident Bill Clinton, der den Nato-Angriff
       auf Serbien befahl, ein Boulevard gewidmet. Indem Kurti sich gegen Trump
       stelle, verstoße er gegen die nationale Sicherheit des Landes, erklärte ein
       Sprecher des ehemaligen Koalitionspartners. Der innenpolitische Druck wurde
       einfach zu groß.
       
       Doch seine Anhänger stützen Kurtis Kurs. Auch Mitglieder anderer Parteien
       wollen einen Gebietsaustausch nicht. Seit der Entscheidung der EU,
       Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien aufzunehmen und die
       Visafreiheit für die Bürger Kosovos zu gewähren – was auf dem Balkangipfel
       der EU im Mai wohl entschieden wird –, könnte die EU wieder als Akteur in
       Bezug auf Kosovo auftreten.
       
       Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich strikt gegen Grenzverschiebungen auf
       ethnischer Grundlage auf dem Balkan ausgesprochen, weil dies viele
       Konflikte in der gesamten Region nach sich zöge.
       
       26 Mar 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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