URI:
       # taz.de -- Sporteln in Zeiten von Corona: Eat, sleep, run, repeat
       
       > Welche Einschränkungen? Für Triathleten dürften die Corona-Restriktionen
       > eigentlich nur wenig Veränderung bringen.
       
   IMG Bild: Triathlon-Training geht noch – aber der legendäre Wettkampf in Roth im Juli wurde jetzt abgesagt
       
       Nervige Kinder den ganzen Tag in der Wohnung. Kein Grün vor der Tür. Die
       Kneipe um die Ecke geschlossen, die allabendlichen Kumpels dort
       unerreichbar, jedenfalls zum Zuprosten und Anstoßen. Keine Einnahmen aus
       dem Freiberuflerjob. Alltag in Zeiten der Corona-Einschränkungen.
       
       Für alle? Nein. Es gibt da eine kleine Gruppe, die rein praktisch – was
       sich im Kopf abspielt, ist eine andere Frage – kaum ein Problem mit der
       Krise haben dürfte: die Triathleten, umso mehr, wenn sie am Stadtrand
       wohnen, einen festen Job und schon seit Anfang März eine Chlorallergie
       haben.
       
       Einschränkungen? Welche Einschränkungen? Draußen sein und allein sporteln,
       sogar zu zweit, ist erlaubt, wegen der stärkenden Kraft der Sonne schier
       erwünscht, ausdrücklich wurden mehrfach Joggen und Radfahren erwähnt. Was
       aber macht der Triathlet seit eh und je? Er läuft und läuft und setzt sich
       am Wochenende früh aufs Rad und tourt durchs Umland. Und was macht der
       Triathlet jetzt? Er läuft und läuft und setzt sich am Wochenende früh aufs
       Rad und tourt durchs Brandenburger Umland. Und das im Zweifelsfall wie
       schon vorher allein, weil ja jeder und jede eine individuellen
       Trainingsplan hat.
       
       Und falls er oder sie seit Anfang März gerade wegen akuter Chlor-Allergie
       sowieso nicht in die nun seit Monatsmitte geschlossenen Hallenbäder konnte,
       war schon klar, dass das Schwimmtraining erst wieder Mitte Mai mit
       Neoprenanzug im See beginnt.
       
       ## Abstand halten kennt jeder Triathlet längst
       
       Sogar die Kontaktsperre mit ihrer Abstandsverordnung hat der Triathlet als
       solcher bereits seit Jahren verinnerlicht: Bei vielen Wettkämpfen, vor
       allem den längeren, gilt das Windschattenverbot, damit sich keiner und
       keine im Rücken anderer ausruhen kann. Wer beim Radfahren überholen will,
       darf deshalb hinten nicht näher als zehn Meter auffahren, muss seitlich
       beim Vorbeifahren mindestens zwei Meter Abstand lassen und darf erst zehn
       Meter weiter vorn wieder einschwenken. Wer's nicht befolgt, kriegt zu Recht
       Probleme mit den Kampfrichtern – sozusagen die Triathlon-Variante von dem,
       was gerade auf Ordnungsamt und Polizei zukommt.
       
       Aber die Kneipe, die dicht ist? Und die spätabendliche Pizza mit einem
       guten Roten bei Enzo? Passte sowieso noch nie in den ausgewogenen
       Ernährungs- und Tagesplan, wenn's was werden sollte mit der Bestzeit. Eat,
       sleep, run, repeat – mampfen, ausruhen, rennen (und radeln) und dann wieder
       von vorn, das ist das klassische Mantra der Ausdauerathleten.
       
       Auf Dauer kommt aber auch auf sie ein Problem zu: All dieses Training soll
       ja irgendwann in eben diese neue Bestzeit oder eine vordere Platzierung
       münden. Dazu braucht es aber einen Wettkampf und die Begegnung mit anderen.
       Daran ist aber erst mal gar nicht zu denken. Die für Anfang Mai geplante
       Landesmeisterschaft der Kinder und Jugendlichen ist schon seit über einer
       Woche abgesagt, an diesem Donnerstag folgte das [1][Aus für den
       Langdistanz-Wettkampf im deutschen Triathlon-Epizentrum im fränkischen
       Roth]. Also weiter im Trainingsbetrieb allein durch die Krise – eat, sleep,
       run, repeat.
       
       26 Mar 2020
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://youtube.com/watch?v=BBOWi4fZPKs&feature=youtu.be
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
   DIR Triathlon
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR Schwerpunkt Sport trotz Corona
   DIR Schwimmen
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR E-Roller
   DIR Ironman
   DIR Triathlon
   DIR Triathlon
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Wärmeschutz in kalten Zeiten: Wegelagerei in Neopren
       
       Der Wunsch, die Freiwasser-Schwimmsaison unbedingt noch zu verlängern, kann
       zu skurrilen Szene am Seeufer führen.
       
   DIR Rücksichtslose Kampfjogger: Lasst mich durch, ich bin schnell!
       
       Die im Laufen dargestellte Fitness ist ein Statement. Der Kampfjogger ist
       der SUV unter den Fußgängern.
       
   DIR Wochenvorschau für Berlin: Mindestabstand durch Gesang
       
       Nur noch zu zweit raus: Was kann man denn da noch machen? So einiges:
       Singen zum Beispiel. Oder gar mal E-Roller fahren?
       
   DIR Frauenwettbewerb des Iron Man: Die beste Triathletin der Welt singt
       
       Anne Haug ist die erste Deutsche, die den Frauenwettbewerb des Iron Man in
       Hawaii gewinnt. Nur kann sie es selbst kaum glauben.
       
   DIR Selbstversuch beim Triathlon: Bekloppt oder bescheuert?
       
       Schwimmen, Radeln und Laufen: Statt Geburtstag zu feiern, ging
       Taz-Redakteur Stefan Alberti beim Langtriathlon an seine Grenzen.
       
   DIR Triathlon in Deutschland: Ein fränkischer Mythos
       
       Am Sonntag starten rund 3.000 Teilnehmer beim Triathlon in Roth. Erstmals
       dabei: Weltmeister Jan Frodeno, der Rekorde aufstellen will.