# taz.de -- EU-Beitrittsgespräche mit dem Westbalkan: Das politische Vakuum füllen
> Die EU muss sich auf dem Westbalkan stärker engagieren. Sonst tun es
> weiterhin Russland, China und die Türkei.
IMG Bild: Ursula von der Leyen und Charles Michel mit den Führern des West-Balkans im Februar in Brüssel
Eigentlich war schon viel Porzellan zerschlagen. Dass die Europäische Union
[1][jetzt endlich zustimmen wird], Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien
und Albanien zu führen, hat viele Menschen in der Region erleichtert. Trotz
Corona-Stress konnte man das Aufatmen der proeuropäischen, demokratischen
und zivilgesellschaftlichen Kräfte im gesamten Westbalkan hören. Die EU ist
als politischer Spieler in die Region zurückgekehrt.
Sicher ist die Frage, [2][die Macron in Bezug auf die EU-Erweiterung]
aufgeworfen hat, durchaus berechtigt. Schon jetzt müssen 27 Mitglieder der
Union in vielen Angelegenheiten zu einem gemeinsamen Votum kommen. Eine
Reform der Entscheidungsstrukturen der EU ist nötig.
Aber es zeugt nicht gerade vom außenpolitischen Fingerspitzengefühl des
französischen Präsidenten, diese Frage mit der Aufnahme von Gesprächen mit
den beiden Westbalkanstaaten zu vermengen. Die Bevölkerungen dort wurden
benutzt, um etwa Berlin davon zu überzeugen, endlich die
Entscheidungsstrukturen in der EU zu reformieren.
[3][Die Enttäuschung] über die von Frankreich, den Niederlanden und einigen
CDU-Kreisen unterstützte Entscheidung, Albanien und Nordmazedonien in der
Warteschleife hängen zu lassen, hat in Nordmazedonien die linke
Reformregierung von Zoran Zaev infrage gestellt; in Albanien wurde die
Opposition ermuntert, Dinge zu verhindern, anstatt die angestoßenen
Reformen zu unterstützen. Die Unsicherheit über die europäische Zukunft hat
in beiden Ländern ein politisches Vakuum geschaffen, in das Russland, China
und die Türkei eingedrungen sind.
Putin unterstützt nach wie vor rechtsradikale und nationalistische
Politiker in der gesamten Region, um die EU zu schwächen. China gewinnt
Einfluss durch gewaltige Infrastrukturprojekte und Erdoğan spielt auf
vielen Klavieren. Es ist ein stärkeres politisches, wirtschaftliches und
militärisches Auftreten der EU notwendig – denn der Westbalkan gehört zu
Europa.
25 Mar 2020
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## AUTOREN
DIR Erich Rathfelder
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